Donnerstag, 15. Dezember 2011

Nicht nur ein Eisenbahnmaler: Hans Baluschek

Selbstbildnis

Großstadtbahnhof (1904)
Wohnhaus Cheruskerstraße 4
Vom Kaiser wurde er als "Rinnsteinkünstler" bezeichnet, von den Nazis verfemt, erst in letzter Zeit richtet sich die Aufmerksamkeit wieder auf den Maler, Grafiker und Schriftsteller Hans Baluschek. Schöneberger sind vermutlich schon auf den Namen durch die nach ihm benannte Grünanlage zwischen Südkreuz und Bahnhof Papestraße oder durch die Gedenktafel an den Ceciliengärten auf ihn gestoßen. Weniger bekannt ist, dass der 1870 in Breslau geborene Künstler auch auf der Roten Insel gewohnt hat: von 1895 bis 1898 in der Gotenstraße 4, danach bis 1907 in der Cheruskerstraße 5. Gerade diese Adresse ist interessant, malte Baluschek doch äußerst gerne Eisenbahn-, Großstadt- oder Industrieszenen. Von seiner Wohnung aus überblickte er die technischen Anlagen der Gasanstalt sowie die Gleise der Berlin-Schöneberger-Potsdamer Eisenbahn mitsamt der Cheruskerkurve. Der Schriftsteller Georg Hermann (1871-1943) beschrieb das Atelier Baluscheks folgendermaßen: "Oben in Schöneberg war es, in irgendeiner Straße, die nach irgendeinem vorsintflutlichen Germanenstamm benannt war und eine lange, kalte Fassadenreihe in dem Schwindelstil der neunziger Jahre zeigte. (...) Irgendwo da ganz hoch oben wohnet Baluschek, und von seinem Fenster aus hatte man einen weiten Blick über ein endloses Gelände sich kreuzender Eisenbahnschienen, von denen etliche weit hinaus in das Land führten, während andere wieder in kurzem Bogen hinter der Häuserreihe verschwanden. Und eingekeilt zwischen diesen Schienensträngen lagen die wirren Gebäude, lagen die Riesenkuppeln der Gaswerke, lagen all die seltsamen maschinenartigen Anlagen, die zwischen den Kohlenbergen das Gesamtbild einer großen Gasanstalt ausmachen. Unaufhörlich schoben sich die Züge heraus, und unaufhölrlich rollten sie fort. (....) Und über dem ganzen Bild lag weit und breit der trübe Himmel der Großstadt. Überall wehte und flammte Rauch empor (....) Immer war in diesem Bilde etwas von der grandiosen Melancholie, die nur das tausendfache, namenlose Leben der Großstadt kennt." Ein Bild, das man sich heute nur mit viel Phantasie vorstellen kann angesichts der zugewachsenen Bahnanlagen und der ruhigen Kiezatmosphäre.
Ansicht heute
Cheruskerkurve
Der Schöneberger Gasometer findet sich auf vielen Arbeiten Baluscheks, so auch als Illustration seiner "Großstadtgeschichten" mitsamt einer der wenigen Darstellungen der Cheruskerkurve. Auch wenn seine Darstellungen keine originalgetreue Wiedergabe sein sollen, vermitteln sie doch eindrucksvoll die Atmosphäre der Zeit aus Sicht der kleinen Leute, des Proletariats. Seine Kunst zeichnet sich entgegen der damaligen Mode des Expressionismus durch einen beeindruckenden Realismus aus und verzichtet weitgehend auf radikale Verfremdungen.
Hans Baluschek blieb Schöneberg auch später treu und wohnte in der Vorberg-, Akazien- und Hauptstraße, bevor der spätere Sozialdemokrat in den neu gebauten Ceciliengärten eine Atelierwohnung zur Verfügung gestellt bekam. Nach der Machtergreifung der Nazis zog sich Baluschek zurück und starb 1935; sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Stahnsdorf. Wer sich ein umfassendes Bild machen möchte, sei die aktuelle Ausstellung im Bröhan-Museum empfohlen.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Blechfrei in der Torgauer

Bald weniger Blech, irgendwann mehr Grün
Einige Grundstücke entlang des Gasometergeländes stehen bereits leer, weitere kommen Ende des Jahres hinzu: Die Autohändler und Schrauber an der Torgauer Straße müssen nach und nach weichen. Alte Mietverträge mit dem Bezirk, der einen Großteil der Grundstücke bereits gekauft hat, werden nicht mehr verlängert und so muss das Altblech künftig an anderer Stelle gelagert werden. Das bedeutet weniger Lärm, weniger Gestank und keine lästigen Autotransporter mehr für die Anwohner. Auch der Hintergrund für den Wegzug ist erfreulich: Der Streifen an der Ringbahn wird in den kommenden Jahren als Grünzug umgestaltet als Teilstück der "Schöneberger Schleife", um so eine Verbindung zwischen Cheruskerpark (der nach Süden hin erweitert werden soll) und der Nord-Süd-Verbindung entlang der Bahntrasse am Südkreuz zu schaffen. Termine für die Realisierung gibt es noch nicht, aber ein Anfang und die Voraussetzung ist mit den Räumungen zumindest geschaffen.