Donnerstag, 23. Juni 2016

Kiezspaziergang mit Tiefgang

Martin Forberg (links) vor dem Wohnhaus von Friedrich Naumann in der Naumannstraße
Martin Forberg hat viel zu erzählen und es macht Spaß, ihm zuzuhören. Der Historiker bietet Stadtspaziergänge an, durch Kreuzberg oder auf den Spuren von Wilfried Israel. Seit einem Jahr steht auch die Rote Insel auf dem Programm. Das Besondere daran: Forberg stellt die Menschenrechte in ihrer ganzen Vielfalt am Beispiel konkreter Orte vor. Die Insel ist für diese Themenmischung besonders geeignet, ein Schwerpunkt liegt natürlich auf der ehemaligen Leberschen Kohlenhandlung. Am Geburtshaus von Marlene Dietrich stellt der Stadtführer berühmte Schauspieler mit Roma-Herkunft vor, die schwul-lesbische Bewegung ist Thema, ebenso wie Bürgerbewegungen wie beispielsweise die BI Westtangente. An der Königin-Luise-Gedächtniskirche erfährt man etwas über die Namensgeberin, am Kaiser-Wilhelm-Platz über den Kapp-Putsch. Zwei Stunden reichen kaum aus angesichts der der Menge an Geschichten – die Teilnahme lohnt sich aber gewiss!


Die nächsten Termine sind am 3.07., 14.08., 11.09., 16.10. und 13.11., der Juli-Termin ist dreistündig, geht von 14 bis 17 Uhr und wird von der Heinrich-Böll-Stiftung organisiert und ist daher kostenlos. Die anderen Führungen dauern jeweils von 14 bis 16 Uhr und kosten 7 bzw. 5 Euro. Treffpunkt ist der Fahrradständer vor dem S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke (Café Eis Eins). 
Eine Anmeldung ist hilfreich, aber nicht obligatorisch, unter: 0160-870 5744 oder martin.forberg@web.de.

Samstag, 4. Juni 2016

Park der toten Bäume

Toter Baum Nr. 1
Der Grünzug entlang der Torgauer Straße wurde gerade vor einem Jahr fertig gestellt – und das Bild, dass er jetzt bietet, ist zum Erbarmen! Gut die Hälfte aller gepflanzten Bäume sind entweder tot oder schwer geschädigt, vor allem die Birken können nur noch gefällt werden. 

Zurückzuführen ist dies vermutlich darauf, dass die Bäume einen Winter lang lediglich auf dem Gelände gelagert und nicht eingepflanzt wurden. Wirklich interessiert hat sich das Bezirksamt für das Treiben der ausführenden Firma anscheinend nicht.

Ähnlich traurig sieht es im Cheruskerpark aus. Immerhin leben hier noch die Pflanzen, bloß der Rasen gleicht einer Steppe nach zwei Wochen Trockenheit, die Mülleimer werden zu selten geleert und quellen regelmäßig über. Wie sagte noch Stadtrat Krüger: Der Standard im neuen Park sollte möglichst niedrig gehalten werden. Tote Bäume kosten natürlich nichts.

Es stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, Gelder für neue Parks auszugeben, wenn nicht einmal die alten Grünflächen gepflegt werden können, wie am Viktoria-Luise-Platz zu sehen ist. Das Gartendenkmal ist zu einer reinen Rasenfläche verkommen, der Bezirk hat sämtliche Blumen an einem der schönsten Plätze Berlins, bildlich gesprochen, ausgerupft. Immerhin leben dort noch die Bäume.
Toter Baum Nr. 2

Toter Baum Nr. 3

(Fast) toter Baum Nr. 4

Toter Baum Nr. 5

(Fast) toter Baum Nr. 6

Toter Baum Nr. 7


Toter Baum Nr. 8

Toter Baum Nr. 9

Samstag, 28. Mai 2016

Happy Birthday, Südkreuz!

Eingangshalle
Der Berliner Hauptbahnhof feiert dieser Tage mit Pauken und Trompeten seinen zehnjährigen Geburtstag. Völlig vergessen wird dabei seine kleine Schwester, das Südkreuz, das auf den Tag genauso alt ist. Zeit also, an dieser Stelle (heute ausnahmsweise) ohne jedes Gemäkel den zweitwichtigsten Bahnhof Berlins zu feiern!
Der Südi ist von der Roten Insel aus wunderbar zu erreichen, ohne dass er unseren eher beschaulichen Alltag negativ beeinträchtigt. Wir können von ihm aus in alle Himmelsrichtungen fahren, mit der S-Bahn in Berlin, mit der Regionalbahn nach Brandenburg oder an die Ostsee, mit dem ICE nach München oder Hamburg. Mit dem Fernbus gar nach Kopenhagen oder Krakau, sogar am Sonntag bekommen wir unser Bier aus dem Edeka oder das Aspirin aus der Apotheke. Fastfood-Junkies werden mit allem versorgt, was ihr Herz begehrt, und wenn wir ein Taxi brauchen, wissen wir, dass vor dem Südi fast immer eines steht. Die Bahnsteighalle ist hell und nicht so zugestellt wie auf dem Ostkreuz, wer will, kann sich auch zurechtfinden. Und eines Tages, eines weit entfernten Tages, können wir von hier aus sogar zum Flughafen fahren. Na ja, vielleicht.
Alles Gute!











Dienstag, 8. März 2016

Rotlicht aus

Die einstige Rotlicht-Bar in der Torgauer Straße

Unser Kiez verändert sich; auch in meinem, etwas heruntergekommenen Haus hält nun die gefürchtete Gentrifizierung Einzug. Würden jedenfalls deren Gegner sagen. Bislang residierten diverse Puffbetreiber in der Ladenwohnung im Erdgeschoss, vermutlich überwiegend illegal. Von den alten Geschichten – wie von dem erstochenen Russen in der Silvesternacht oder der Hanfplantage unter dem Dach – weiß nur noch mein nettes älteres Nachbarehepaar zu berichten. Auch wenn neue Geschichten in letzter Zeit dazukamen: Der Nachbar im 5. Stock flüchtete vor einigen Wochen über das Dach vor der Polizei oder der bestialische Gestank aus der Erdgeschosswohnung, die von den Puffbetreibern Hals über Kopf verlassen wurde. Ansonsten hatte man seine Ruhe: Freier und illegale Bordellbetreiber, die anscheinend keine zuverlässigen Mietzahler sind, scheuen eher die Aufmerksamkeit und sind erfahrungsgemäß eher scheue Wesen. Es war und ist in allen seinen Facetten ein typisches Berliner Mietshaus, etwas verrucht und etwas klischeehaft, aber mit Geschichte(n).

Nun gibt es neue Mieter in der Ladenwohnung: Junge Leute werkeln vor sich hin, um ein Frühstückscafé zu eröffnen. Die Meinungen der Nachbarn reichen von heller Begeisterung bis zur Sorge vor potentiellen lärmenden Gästen.

Fakt ist aber: Die Gastronomiedichte nimmt auf der Insel zu. In der Torgauer Straße ist es das zweite neue Café nach dem „Peppe“ Ecke Gustav-Müller-Straße. In der Leberstraße hat letztes Jahr der „Weinverein Rote Insel“ eröffnet, es finden sich das "Nosch Deli", das wunderbare "Mokalola", die Cafés "Taubenschlag" und "Mütlich". Die Regel lautet: Je weiter man sich zur Kolonnenstraße bewegt, desto höher wird die Latte- und Brownie-Dichte. 
Der Kiez wird lebendiger, er wird teurer. Hoffentlich nicht normaler.


Übrigens, ein kleiner Tipp für die neuen Mieter: Seit die Eisdiele in der Leuthener Straße vor einigen Jahren weg-luxussaniert wurde, fehlt ein wirklich guter Eis-Dealer! Und Toi, toi, toi!

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Weihnachtsgeschenk vom Bezirk

Unter der Kolonnenbrücke durch gen Innenstadt
Wir schreiben den 23. Dezember 2015, es ist schönstes Frühlings- und Fahrradwetter und da hat sich das Bezirksamt nicht lumpen lassen und den pünktlich (ja, wirklich – pünktlich!!!!) fertig gestellten Nord-Süd-Weg von der Monumentenstraße entlang der S-Bahn bis zum Alfred-Lion-Steg schon einmal dem gemeinen Volk frei gegeben, auch ohne Feierlichkeiten. Die sollen dann im neuen Jahr folgen. Der Weg ist beleuchtet, auch die schon seit ein paar Jahren benutzbare Verlängerung bis zum Südkreuz hat Lampen spendiert bekommen. Das hier kritisierte Stummelstück Asphalt vor dem Bahnhof  wurde ergänzt und – besonders erfreulich – endlich stehen hier auch 17 Fahrradbügel. Leider bislang nachts komplett im Dunkeln, ein paar mehr hätten es schon sein können, aber immerhin...

Neue Radbügel am Südkreuz
Der neue Weg schließt im Norden an das auch schon fertige Teilstück bis zur Bautzener Straße an, eine Rampe führt hoch zur Kolonnenstraße sowie zur Monumentenbrücke. Leider gibt es auch diesmal etwas zum ärgern, war doch eigentlich eine Verknüpfung mit dem Flaschenhals- und dem Gleisdreieckpark geplant. Seit Jahren ist den Verantwortlichen bekannt und bewusst, dass hierfür die Wegeführung über die Monumentenbrücke, die von West nach Ost bzw. umgekehrt über die Bahngleise überquert werden muss, anders gestaltet werden müsste, um eine Gefährdung vor allem für Radfahrer auszuschließen. Auf der südlichen Seite der Brücke hätte ein zweispuriger Radweg angelegt werden müssen, auch um den Preis, dass einige Parkplätze weggefallen wären. Wer jetzt aus Richtung Norden kommt, muss, will er sich korrekt verhalten: 

1. Die Rampe am Lokdepot hochstrampeln. 
2. An der Fußgängerampel über die Monumentenstraße das Rad schieben. 
3. An der Ampel über die Kreuzbergstraße. 
4. Über die Monumentenbrücke fahren. 
5. Die Monumentenstraße ein zweites Mal queren, ohne Ampel oder Zebrastreifen. 
6. Sie Rampe zum Nord-Süd-Weg wieder hinunter. 

Rampe zur Monumentenstraße
Wie schon bei der Eröffnung des Flaschenhalses, als zunächst auf die Brücke über die Yorckstraße verzichtet wurde, werden Fahrradfahrer in den Autoverkehr gejagt, einfach aufgrund der eklatanten Unfähigkeit der Behörden, Planungen auch bis zum Ende zu planen und auszuführen. Es handelt sich dabei um das zweite gefährliche Teilstück, wenn man den eigentlich sehr komfortablen Weg von der Stadtmitte Richtung Steglitz nutzen will, schließlich muss das Südkreuz auf der engen, kurvigen und viel befahrenen Wilhelm-Kabus-Straße umgangen werden. Auch hier ist keine Lösung in Sicht und keine Anstrengung seitens Bezirk oder Senat zu erkennen. Schön wäre es, wenn der Druck auf die Verantwortlichen so groß wäre wie seinerzeit bei der Yorckbrücke und diese zum Handeln gezwungen würden.