Freitag, 21. März 2014

Flaschenhals eröffnet - Park mit Baustellencharme

Großer Andrang zur Eröffnung
Pünktlich zum Frühlingsanfang wurde am Freitag von Senator Michael Müller sowie der üblichen Tempelhof-Schöneberger Politprominenz (Bürgermeisterin Schöttler, Stadträte Krüger und Klotz) der Flaschenhalspark eröffnet, ein weiteres Teilstück der Schöneberger Schleife. Über eine Rampe südöstlich der Monumentenbrücke gelangt man in den eher naturbelassenen Park, der bis auf den breiten, beleuchteten Asphaltstreifen an das Südgelände erinnert, inklusive eines Mulchweges, der zwischen ehemaligen Eisenbahngleisen verläuft. Es handelt sich zudem um ein weiteres Teilstück des Radfernwegs Berlin-Leipzig.
Senator Müller redet

Mit der Eröffnung des Flaschenhalsparks wurde der Gleisdreieckpark südlich der Yorckstraße fortgesetzt. Um ihn optisch auch an sein nördliches Pendant anzupassen, haben die Planer noch kurzfristig einen Bauzaun entlang des Weges quer durch den Park aufgestellt. Der Grund auch hier eine typische Berliner Planungsgeschichte: Knapp vor Eröffnung hat die Bauaufsicht bemerkt, dass die alten Bahnanlagen eine Gefahr darstellen könnten und die kniehohen Holzbarrieren eventuell nicht ausreichen, Kinder vom Klettern abzuhalten. Der Großbaustellencharme des Westparks kann somit auch hier genossen werden - es lebe das Berliner Provisorium! (Edit: Inzwischen wurde der Bauzaun im Westpark abgebaut.)


Baustellencharme


Auch die Yorckstraße scheint sich urplötzlich zwischen den beiden Parks durchgefressen zu haben. Einige Jahre Planung haben nicht ausgereicht, eine sichere Überquerung per Ampel oder wenigstens Zebrastreifen zu ermöglichen. Noch während der Eröffnungszeremonie wurden ein paar Gitter direkt an der Yorckstraße aufgebaut, wenige Meter weiter hetzten die Parkbesucher über die berüchtigte Rennstrecke. Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis hier der erste folgenreiche Unfall geschehen wird. Auf diesen Missstand wiesen Müller und Klotz in ihren Reden zwar auch hin - man fragt sich bloß, wer eigentlich verantwortlich für solche Fehlplanungen ist? Wann die auf der Hand liegende Lösung für das Problem ermöglicht wird, nämlich eine Querung über die alten Bahnbrücken, hängt natürlich vom lieben Geld ab.


Der sogenannte Monumentenplatz vor den Hallen des Technikmuseums muss erst noch gestaltet werden. Dies könnte allerdings einen schönen Nebeneffekt haben: Das Museumsdepot liegt nicht länger versteckt abseits aller Wege, vielleicht ist ja sogar langfristig eine alltägliche Öffnung für das Publikum möglich?

Der Lückenschluss bis zum Alfred-Lion-Steg soll bis nächstes Jahr fertiggestellt werden. Wie dann die Querung der Monumentenbrücke und die Umfahrung des Bahnhofs Südkreuz gestaltet werden, scheint völlig offen. 18 Monate Planung werden da wohl kaum ausreichen. Siehe oben.

Trotz aller Mängel (zu denen auch der fehlende, bereits vor Jahren vorbereitete Treppen-Zugang von der Kreuzbergstraße gehört), ist der Park ein Gewinn für Schöneberg und Kreuzberg, vor allem wenn die Strecke eines Tages durchgängig für Radfahrer von Südende bis zum Potsdamer Platz befahrbar sein wird.

Yorckstraßenquerung



Die Rampe wird mit Graffiti verziert


Wie im Südgelände
Gras muss noch wachsen
Links Asphalt, rechts Mulch

Donnerstag, 23. Januar 2014

Coole Künstler, böse Bürger - Nazi-Vergleich beim Bezirksamt

Stein des Anstoßes
Kennen Sie Lou Favorite? Nein? Müssen Sie auch nicht unbedingt. Lou Favorite ist Künstler. Und Lou Favorite ist sauer. Richtig sauer. Sauer auf die Ignoranten, die ein Kunstwerk, das er zusammen mit fünf anderen preisgekrönt hat, nicht zu würdigen wissen. Lou Favorite hat zur Feder gegriffen und einen Text verfasst, in dem er auf diese Ignoranten eindrischt. Den Text hat er natürlich mit bildungsbürgerlichen Einsprengseln versehen. Und am Ende des Textes beschreibt Lou Favorite einen schnauzbärtigen Mann, der moderne Kunst in München zusammentragen ließ, um sie anschließend zu verbieten.
Lou Favorite zieht also einen direkte Linie von den Kritikern des Kunstwerkes, das er preisgekrönt hat, zu Adolf Hitler. Nun könnte man mit den Schultern zucken, die Augenbraue hochziehen und denken, Lou Favorite ist halt ein wenig verwirrt, will provozieren, wie es Künstler gerne tun, oder einfach nur unfassbar - aus juristischen Gründen beende ich diesen Satz nicht.

Allerdings findet sich dieser Text in einer kleinen Broschüre wieder, herausgegeben vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg: "Denkzeichen Kohlenhandlung Julius und Annedore Leber - Dokumentation des preisgekrönten Entwurfs ‚Windfang‘ von Katharina Karrenberg."

Es geht also um die Rednertribüne und die Steckdosenleiste, die von einer "unabhängigen Jury", wie mehrmals in der Broschüre betont wird, als bester Entwurf ausgewählt wurde, um die Baracke in der Torgauer Straße zu ersetzen, die an dem Ort steht, an dem Julius Leber Widerstand organisiert hat, an dem er verhaftet wurde und an dem Annedore Leber nach dem Krieg noch bis 1968 gewirkt hat.
Dem Bezirksamt ist es gelungen, ein Pamphlet zu verfassen, das in seiner Unausgewogenheit auch vor 25 Jahren in der DDR hätte erscheinen können. Gegner des Entwurfs werden nur in Satzfetzen zitiert, die sofort in der Luft zerrissen werden, Fakten werden verfälscht dargestellt (so wird mehrfach die Idee Frau Karrenbergs gelobt, die Mauern abzutragen - dabei war genau dies Wettbewerbsbedingung). Es werden acht Gästebucheinträge der Ausstellung zitiert, die 2012 in einer dunklen Ecke des Rathauses Schöneberg verdruckst die Entwürfe präsentierte. Von diesen acht äußern sich sieben positiv, einer negativ. Ich hatte auch in das Gästebuch geschaut und einen Eintrag hinterlassen. Und ich kann sagen: Das Verhältnis der negativen zu den positiven Stimmen war eher umgekehrt. Zudem stellt sich die Frage, warum sich die Autoren der Broschüre so aufregen, wenn das Echo doch so positiv war? Lou Favorite ärgert sich, dass die Gegner von der "Authentizität" des Ortes sprechen, obwohl ja nichts mehr authentisch wäre. Dass genau dieser Begriff in der Wettbewerbsbeschreibung verwendet wurde, ficht ihn nicht an. Vielleicht hat er diese ja auch gar nicht gelesen oder wieder vergessen. Und zum Schluss wird noch die gute alte Faschismuskeule geschwungen.

Interessant wird es, wenn man im Protokoll der Preisgerichtssitzung liest: Dort werden die "Attraktivität, Eleganz und Ästhetik" des Entwurfs hervorgehoben. Einwände, dass das Werk an eine Rednertribüne erinnere, obwohl die Arbeit von Leber im Untergrund erfolgte, in dem er natürlich einem Redeverbot unterlag, wurden abgewiegelt. Zudem werden "die Integration des Themas ‚Energie‘ in den Entwurf und der Hinweis auf den Nationalsozialismus positiv bewertet." Ah ja, das ganze sieht also hübsch aus, irgendwo kommt das Thema Nationalsozialismus vor und Energie kommt heute auch gut an. Und es kostet nicht viel. Also machen wir es!

Die Broschüre, der Umgang mit dem Thema im Bezirk und nicht zuletzt der Beitrag von Lou Favorite, der unwidersprochen abgedruckt wurde, zeigen, dass sowohl das Preisgericht als auch das Bezirksamt mit der Thematik schlicht überfordert waren und sind. Um einen überzeugenden Entwurf zu schaffen, bedarf es etwas mehr, als einer willkürlichen, schön azuschauenden Rednertribüne aus Weißbeton. Es bedarf einer kompetenten Jury, eines offenen Verfahrens. Dann können auch überzeugende Kunstprojekte entstehen, wie im Bayerischen Viertel, das in der Broschüre Erwähnung findet, oder auch das Stolperstein-Projekt.

Das Vorwort stammt übrigens von Jutta Kaddatz. Frau Kaddatz widerspricht auch nicht Lou Favorite und Frau Kaddatz hofft darauf, "die begonnene Diskussion konstruktiv weiterzuführen." Frau Kaddatz ist Stadträtin für Volksbildung.

PS: Die Baracke bleibt stehen und wird eingezäunt bis zu einer Lösung. Der Grünzug wird darum herum gebaut.

Freitag, 17. Januar 2014

Der Gasometer verschwindet

Bald nicht mehr zu sehen: Der Gasometer wird zugebaut
Es ist ein wenig aus dem Fokus geraten, das Gasometer-Gelände, das sich Euref-Campus nennt. Letztes Jahr hat sich dort auch so gut wie nichts getan, von den vollmundigen Ansagen mit weiteren Neubauten ward nichts gesehen. Lediglich die Steuermillionen, die Ex-Baustadtrat Krömer in seinen letzten Amtsstunden Euref-Chef Müller genehmigte, wurden mit großem Hallo höchstoffiziell abgesegnet. 
Nur für Mitarbeiter: Tor zum Park
Doch seit einigen Wochen tut sich wieder so manches auf dem Gelände: Die ersten Erdarbeiten für die Planstraße, die durch ebendiese Millionensubventionierung gebaut werden soll, sind auf dem Gelände angelaufen (wann außerhalb der Mauern mit den Arbeiten begonnen werden soll, scheint noch in den Sternen zu stehen). 
Während die Vorbereitungen für das Haus in der Verlängerung zum ersten Neubau ins Stocken geraten zu sein scheinen (gerüchtehalber gibt es hier Probleme mit den angedachten Mietern), wird jetzt der zweite Neubau hochgezogen, und zwar an der Nordspitze auf der Höhe der bisherigen Tiefgarageneinfahrt. Das Gebäude mit seinen zehn Etagen und ca. 7.000m2 wird die Sicht auf den Gasometer vom Norden aus endgültig verstellen. Was Euref-Chef Müller vermutlich ganz recht sein wird, schließlich ist die vertraglich vereinbarte Sanierung erst einmal ad acta gelegt worden und die zunehmende Verrostung künftig nicht mehr so gut zu beobachten. Auch hier gilt der Satz „pacta sunt servanda“ eben nicht für Investoren mit dem Geld in den Taschen, dem richtigen Parteibuch und einem sehenswerten Netzwerk. Da kann man halt nichts machen, so die gängige Rede, die Bürgermeisterin macht sich lieber lächerlich und die Stadträte sind hilflos. Politiker aller Parteien geben sich auf dem Gelände regelmäßig die Klinke in die Hand, ernsthafte Kritik kann da nicht aufkommen.

Vorbereitungen für Neubau
Doch was geschieht eigentlich hinter dem Zaun? Das Gelände ist abgeschottet, die einstmals großmundig versprochene Offenheit des „Campus“ ist ausgeblieben. Ein kleines Türchen zur "Schmiede", in der ein Restaurant untergebracht ist, wurde zum Chreuskerpark hin eingesetzt, das Wachschutzschild daneben lädt aber nicht wirklich zum Besuch ein. Der Haupteingang wird von übellaunigen Pförtnern kontrolliert, die irgendwo in einem alten Berliner Keller konserviert worden sein müssen. Mitarbeiter des Campus nutzen seit einiger Zeit regelmäßig ein Tor an der Nordspitze mit eigenen Schlüsseln und zertrampeln dabei den Rasen des Cheruskerparks, schließen aber sorgfältig wieder hinter sich ab. Besucher aus dem Kiez nebenan scheinen weiterhin unerwünscht zu sein.

Eingang zur Alten Schmiede
Vielleicht gäbe es dort aber allerhand zu entdecken? Wer weiß schon aus der Umgebung, dass dort die bisher einzige Fahrrad-Ausleihstation von call-a-bike weit und breit untergebracht ist? Car-sharing der Firma flinkster wird angeboten, start-up-Unternehmen basteln hier vor sich hin und die Forschungen zur Energiewende durch die TU-Außenstelle und weiteren dort ansässigen Firmen sind durchaus ernst zu nehmen.

Die Mitarbeiter auf dem Campus scheinen jedenfalls von ihrer Arbeitsumgebung recht angetan zu sein und loben die Atmosphäre auf dem Gelände, die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Man muss die Machenschaften von Müller und die dort ansässigen Firmen voneinander trennen. Die Kritik an der zu dichten und unschönen Bebauung, der Verschwendung von Steuergeldern und der Verwahrlosung eines der herausragendsten Wahrzeichen Schönebergs bleibt davon unbenommen.

Es bleibt die Frage im Raum, ob der Campus weiter ein Fremdkörper im Kiez bleiben möchte oder sich öffnet. Und auch, ob wir Insulaner eine Öffnung überhaupt wollen, mit allen Konsequenzen. Die Gentrifizierung würde dadurch zumindest nicht verlangsamt.

Samstag, 7. Dezember 2013

Nord-Süd-Grünzug, 2. Teil

Nord-Süd-Grünzug - neuester Abschnitt
Rechtzeitig vor dem Eintreffen von Xaver und des Winters wurde am Donnerstag ein weiteres Teilstück des Nord-Süd-Grünzuges auf der sogenannten "Bautzener Brache" eröffnet, das wiederum Teil der Schöneberger Schleife ist. Von der Großgörschenstraße bis einige Meter südlich der Monumentenbrücke führt ein breiter und beleuchteter Rad- und Fußweg parallel zur S-Bahn entlang einer großen Spielanlage, die an eine Gebirgslandschaft erinnern soll. Extra zum Band-Durchschnippeln durch die Stadträte Klotz und Krüger wurden einige Schüler der Finow-Grundschule herangeschafft, die natürlich recht begeistert über das Gelände tobten. Nach Auskunft der Planer soll sich der Spielplatz am Landschaftsbild orientieren, "dem ein Zugfahrender auf seiner Reise von Nord nach Süd durch Deutschland begegnet". Was dann durch Strandkörbe auf der einen und Berge auf der anderen Seite umgesetzt wurde. 
Treppe zum Bautzener Platz
Um die Naturverbundenheit zu symbolisieren wurden zahlreiche Schilder mit der Aufschrift "Geschütztes Biotop" aufgestellt, was doch etwas bemüht wirkt. Nach Munitionsfunden während der Bauarbeiten und wegen der starken Bodenverunreinigungen gestalteten sich die Arbeiten aufwendiger als zunächst geplant, von der Böschung musste mehr abgeholzt werden als gedacht. Über die Gestaltung der Anlage lässt sich streiten, positiv ist aber sicherlich die Einbeziehung der Bahnrelikte wie Schienen und Prellböcke. Kein Thema mehr war der Streit über die Treppe zum  Bautzener Platz. Allerdings nutzten Anwohner die Gelegenheit, gegen die Bebauung der restlichen "Bautzener Brache" zu protestieren. Neben diesen Neubauten soll eines Tages der Grünweg zur Yorckstraße weiter geführt werden mit Anschluss zum westlichen Gleisdreieckpark. Zumindest wenn der Investor sich an seine Zusagen hält.

Bisher endet der Weg hinter der Monumentenbrücke im Nichts neben einer weiteren Sportanlage; nächstes Jahr sollen dann die Arbeiten zum Lückenschluss bis zum Alfred-Lion-Steg beginnen mit Rampenanlagen an der Kolonnen- und Monumentenbrücke. Nächste Etappe ist zunächst allerdings der Flaschenhalspark auf der anderen Seite der Bahn, der nächstes Jahr den Anschluss zum östlichen Gleisdreieckpark schafft. Übrigens sollen sich Land, Bezirk und Bahn endlich nach fünfjährigen Verhandlungen über die Sanierung der Yorckbrücken geeinigt haben, so dass - zumindest in einigen Jahren - eine Überquerung der Yorckstraße von Park zu Park sogar ohne Lebensgefahr möglich sein wird.
Erhaltene Gleise
Unter der Monumentenbrücke
Es geht auch kleiner - Parallelweg
Weg ins Nichts  - vorerst
Protest gegen Bebauung
ein Schild von vielen

Montag, 18. November 2013

Grabenkämpfe um Schöneberger Schleife

Wannseebahngraben mit zu planendem Grünzug
Das zweite Werkstattgespräch zur Gestaltung des Wannseebahngrabens verlief einigermaßen erstaunlich: Zu Beginn lag die Stimmung der etwa 50 Teilnehmer irgendwo zwischen aufgeheizt und aggressiv, nach vier Stunden Diskussion und Streit kehrte fast so etwas wie Harmonie in die Runde ein. 
Darum geht es: zwischen Ebersstraße und dem Westpark am Gleisdreieck soll ein weiterer Teil der Schöneberger Schleife geschlossen werden, parallel zur S-Bahn. Nun sah diese Schleife ursprünglich vor, einen „Multifunktionsweg“ zu schaffen, also einen Weg für Fußgänger, Jogger, Radfahrer, Skater und auch behinderte Menschen - letztere wurden in den Überlegungen am Samstag übrigens mit keinem Wort erwähnt. Vor allem eine Gruppe von Anwohnern der Crellestraße, inzwischen gut organisiert durch den Widerstand gegen die Lindenfällung, opponiert nun gegen diesen Plan, fürchtet eine radikale Abholzung des sogenannten „Crelle-Urwalds“. 
Die erste Stunde der Veranstaltung in der Pallasstraße wurde durch ebendiese Gruppe geprägt, einige Teilnehmer zeigten ein etwas seltsames Verständnis von demokratischer Bürgerbeteiligung, so wurden abweichende Meinungen, wie etwa ein Plädoyer des ADFC-Vertreters für eine Radwegeverbindung, die einen übergeordneten Stellenwert besäße, regelrecht niedergebrüllt. Auch der Umgang mit dem am Vortag stattgefunden Gespräch mit Kindern war bezeichnend. Die inzwischen durch den Crelle-Konflikt in Funk und Fernsehen bekannte Anja Jochum kritisierte, dass die wenigen anwesenden Kinder durch die Fragestellungen manipuliert worden wären. Einen andere Teilnehmerin wusste allerdings zu berichten, dass die anwesenden Erwachsenen (die nicht eingeladen wurden) mit der Zeit die Veranstaltung übernommen hätten und sich die rund acht Kinder daraufhin gelangweilt verzogen haben. Die Wünsche der Kinder nach Spielplätzen wurden aus dem Auditorium in dem Sinne kommentiert, dass die Kleinen ja nicht wüssten, was sie sich wünschen sollen - und auch das Wort „Kinderkacke“ fiel.
Dass die Veranstaltung dennoch in einigermaßen geordneten Bahnen verlief, ist drei Personen zu verdanken: Der Moderator der Veranstaltung und zugleich mit der Planung beauftragte Martin Seebauer konnte mit viel Geduld auch einige skeptischere Anwohner überzeugen, dass er ergebnisoffen in die Veranstaltung gekommen sei. Mehrfach betonte er, dass seine Bandbreite von „wir machen gar nichts“ bis zu „wir holzen alles ab“ gehen würde - wobei letzteres eigentlich ausgeschlossen sei. Er wolle sich auf die Wünsche einlassen und im Januar dann verschiedene Varianten präsentieren.
Als Co-Moderator wurde kurzerhand der Crellestraßen-Anwohner und von diversen Bürgerversammlungen bekannte Holger Schnaars verpflichtet, der mit seiner Meinung zwar nicht hinter dem Berg hielt, aber auch zu einer Beruhigung und Versachlichung beitrug.
Wannseebahngraben
Schließlich plädierte auch Tilman Heuser vom BUND auf verbindliche „badische Art“ für eine „positive Diskussion“. Die sich zum Teil in einem schlechten Zustand befindlichen Spielplätze der Umgebung müssten in die Planung einbezogen werden, zudem könne man prüfen, ob eine Radwegverbindung auf Straßengelände nicht ebenfalls realisierbar wäre. Die Meinungen im BUND  gingen allerdings in dieser Sache auch auseinander. Seine Ermahnung, anständig miteinander umzugehen, verhallte nicht ungehört.
Überwiegend wurde im Publikum die Meinung vertreten, dass allerhöchstens ein kleiner unbefestigter Weg im Graben zumutbar wäre; das Stichwort „Südgelände“ als Vorbild fiel mehr als einmal. Zudem wurde der Wunsch geäußert, den unattraktiven Crellemarkt mit einzubeziehen.
Einige Fragen bleiben allerdings offen: Wie repräsentativ ist eine solche Versammlung wie am Samstag? Selbstironisch stellte ein Teilnehmer fest, dass doch überwiegend eher ältere Semester gekommen seien und überhaupt Zeit hätten für solch zeitraubende Veranstaltungen.
Wenn denn ein Kompromiss zustande kommt: Wie reagieren Bezirksamt und BVV, wenn kein asphaltierter Multifunktionsweg vorgeschlagen wird?

Es bleibt noch viel zu tun. Für Januar sind eine Begehung des Geländes vorgesehen und ein weiteres Werkstattgespräch mit ersten entwürfen des Büros Seebauer.

PS: Nebenan können Sie abstimmen, was Ihrer Meinung nach in den Wannseebahngraben kommen soll. Repräsentativ ist dies sicher nicht, aber vielleicht kann dadurch ein kleines Stimmungsbild erstellt werden.