Dienstag, 20. März 2012

Fundstück: Die Bürgermeisterin ist hocherfreut

Nein, wir befinden uns nicht im Jahr 1986 im Bezirk Weißensee, wir befinden uns im Jahr 2012 in der demokratischen Bundesrepublik Deutschland. Trotzdem ist dieser Text im besten ADN-Sprech als Pressemitteilung des Bezirks veröffentlicht worden: "Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler zeigt sich hocherfreut, dass noch in diesem Jahr die TU ihren neuen Campus auf dem EUREF Gelände beziehen wird." Garniert wird der Text mit einem Foto, wie sich Bezirksbürgermeisterin zusammen mit EUREF-Chef Müller hocherfreut zeigt. Müller dürfte auch hocherfreut sein, so ist zu vermuten. Erreicht doch die Speichelleckerei des Bezirks mit dieser Veröffentlichung einen neuen Höhepunkt.
Die Anwohner und die Bürger des Bezirks sind nicht hocherfreut, weil:
Wie bei der BI Gasometer nachzulesen ist, wurde das Versprechen Müllers und der Verantwortlichen im Bezirk gebrochen, dass die geplante Straßenverbindung vom Sachsendamm aus Müllers Tasche voll finanziert werden soll. Der Steuerzahler wird jetzt doch herangezogen.
Die mehrfach wiederholte Zusage, dass sämtlicher Verkehr über den Sachsendamm geleitet werden und die Insel von zusätzlichem Verkehr verschont werden soll, wurde ebenfalls von Müller und dem Bezirk gebrochen. Das wohlfeile Wahlversprechen (ganz vorne die SPD), die Torgauer Straße zur Insel zu schließen, ist Makulatur. Die Straßenverkehrsbehörde hat die Sperrung abgelehnt, da der Sachsendamm zu stark belastet würde. Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Der Sachsendamm muss entlastet werden, indem der zusätzliche Verkehr, inklusive Baustellenfahrzeuge, über die Insel geleitet werden MUSS. Solange, bis Müller sich dazu bequemt, die Zufahrtstraße zu bauen. Die ganze Misere ist ebenfalls bei der BI schön nachzulesen.
Dies bedeutet wiederum, dass die Erweiterung des Cheruskerparks nach Süden auf unbestimmte Zeit verschoben ist.
Dass diese Punkte von der Bürgermeisterin angesprochen werden, erwarte ich als Bürger, nicht nette Fotos von hocherfreuten Bürgermeisterinnen und Investoren. Vielleicht könnte sie sich auch mal erkundigen, was eigentlich die Sanierung des Gasometers macht. Zu sehen ist von Arbeiten seit Mai 2011 nichts und die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks ignoriert Anfragen von Bürgern.

Samstag, 28. Januar 2012

Volle Hütte


Um es vorab zu schreiben: Leider kann ich keinen vollständigen Bericht zur donnerstäglichen Informationsveranstaltung zum Stadtumbau Südkreuz liefern, da ich später am Abend noch meine Brötchen verdienen musste.
Von diesem Ansturm waren auch die Veranstalter vom Bezirksamt überrascht: Als gäbe es umsonst Abendbrot, strömten die Insulaner in Massen in den Theodor-Heuss-Saal des Rathauses Schöneberg. Als keiner mehr reinpasste, wurde der Umzug in den größeren Willy-Brandt-Saal verkündet, der schließlich auch restlos gefüllt war - ich bin schlecht im Schätzen, dennoch wage ich es zu behaupten, dass es bestimmt nicht weniger als 300 Besucher waren. Ob dieser Andrang an vermehrter Werbung lag (wahrscheinlicher) oder an der Neugier auf das neue Bezirksamt (weniger wahrscheinlich), sei dahingestellt.
Leider blieb die Technik teilweise auf der Strecke, der Ton versagte und somit mussten die Redner ordentlich brüllen, um sich verständlich zu machen. Immerhin disziplinierte diese Begebenheit die Zuhörer dazu, auch still zuzuhören.
Nach einleitenden Worten der neuen Stadträtin Klotz, gab Siegmund Kroll vom Stadtentwicklungsamt einen kurzen Überblick über die Baumaßnahmen 2012. Zwei Planer durfte ich noch anhören, die ihre Entwürfe für die Eingangssituation an den Yorckbrücken zu den Parks und zum Nord-Süd-Grünzug erläuterten.
Bemerkenswert erscheint vor allem, dass dieses Jahr mit dem zweiten Bauabschnitt des Nord-Süd-Grünzugs begonnen werden soll, der unter der Monumentenbrücke bis zur Höhe der Großgörschenstraße reichen wird. Der Rampenstreit (Verbindung von der Monumentenstraße in den Bahngraben) geht weiter, hier hat das Atelier Loidl einen weiteren Entwurf vorgelegt, nach dem weniger Bäume gefällt werden müssten als bei dem BUND-Vorschlag.
Mit dem Abriss der Baracken entlang der Torgauer Straße soll dieses Jahr begonnen werden, ebenso mit der Bodensanierung auf entlang des Abschnitts. Weitere Infoveranstaltungen zu diesem Einzelthema sowie anderen Teilaspekten sollen noch im Frühjahr folgen. Die Pläne für einen Grünzug entlang der Wannseebahn scheinen überraschenderweise doch wieder aktuell zu sein, hier soll demnächst eine Einigung mit der Bahn zum Ankauf der nötigen Flächen erzielt werden.
Vielleicht war der eine oder andere Leser ja länger bei der Veranstaltung und kann über die Kommentarfunktion über den Fortgang berichten - oder mir mailen: textbauer@gmx.de

Freitag, 20. Januar 2012

Boomtown Südkreuz? Eine Bestandsaufnahme

Kräne am Gasometer
Wir befinden uns im Jahre 2012 n. Chr. Ganz Berlin ist von Immobilienspekulanten besetzt. Ganz Berlin? Nein! Eine von unbeugsamen Berlinern bevölkerte Insel hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.
So ähnlich könnte man die Lage auf der Roten Insel beschreiben. Wobei ich ehrlicherweise eigentlich schreiben müsste, dass unser Kiez bislang von den Immobilienspekulanten und dem dazugehörigen Schwarm der sprichwörtlichen Schwaben, die in der Hauptstadt von einem Bezirk zum anderen ziehen und eine Spur von totsanierten öden Luxusquartieren hinterlassen, schlichtweg übersehen wurde. Zum Glück.
Einige Artikel in der Hauptstadtpresse der letzten Tage lassen nun aufhorchen. Da ist davon die Rede, dass der Potsdamer Platz für Gewerbeimmobilien uninteressant geworden sei. Die neuen Renner seien Mediaspree, das Gebiet am Hauptbahnhof - und das Südkreuz. Das Südkreuz? Von welchen Immobilien könnte denn hier in der Ödnis die Rede sein?
Ein wenig Sanierung
Zunächst einmal: Wer ist eigentlich diese Firma "Jones Lang Lasalle", die zu der Aussage kommt, dass die Nachfrage nach Immobilien hier so gewaltig sei? Wikipedia gibt Auskunft, dass es sich um ein Finanz-, Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen handelt. Sucht man etwas weiter, trifft man auch schon schnell auf die EUREF-Seiten, wo unter anderem "Jones Lang Lasalle" als eine Kontaktadresse zur Vermietung am Gasometer genannt wird. Dass es sich hier also um einen geschickten PR-Trick handelt, die Immobilien als stark nachgefragt zu bezeichnen um erst diese Nachfrage zu erzeugen, ist wohl eindeutig.
Tempelhofer Weg - Tristesse pur
Aber kommen wir einmal zu den Fakten. Da ist das Gasometer mit seinem Investor Reinhard Müller, von dem hier schon häufig die Rede war. Richtig ist, dass sich tatsächlich seit einigen Wochen die Kräne auf dem EUREF-Gelände drehen für den ersten Neubau, in den nach Angaben auf der Homepage der französische Konzern Schneider Electric als Hauptmieter einziehen wird. Glaubt man den Angaben, liegt der Vermietungsstand bei 65%. Und da liegt er seit gut einem halben Jahr. Selbst der Schönredner Müller vermag also nicht in Jubelarien auszubrechen. Für weitere drei Gebäude liegen Baugenehmigungen vor, wann hier die Bagger anrollen sollen oder wie stark die Nachfrage in Wahrheit ist, darüber wird geschwiegen. Für alle weiteren Bauten müsste Müller einen Batzen Geld in die Hand nehmen und für eine vernünftige Zufahrt vom Sachsendamm unter der Ringbahn hindurch sorgen. Hier sind noch einige Kämpfe mit Bahn und Bezirk zu erwarten, steht doch mit der neuen grünen Stadträtin Klotz endlich eine kompetente Frau der EUREF entgegen, die die (vertraglichen) Rechte des Bezirks und seiner Bewohner hoffentlich besser vertritt als ihr Vorgänger.
Festzuhalten gilt: Von den einst hochfliegenden Plänen ist nicht viel übrig geblieben. Vollmundig tönte der Möchtegern-Großinvestor einst von einer Baustelle, die noch gewaltiger als einst am Potsdamer Platz sein würde. Dennoch könnte sich schrittweise über die nächsten Jahre auf dem Gelände einiges entwickeln, nicht zuletzt auch, weil der Gasometer seit einigen Monaten jeden Sonntag über den Bildschirm flimmert und somit zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich zieht, da Günter Jauch hier sein Zelt aufgeschlagen hat.
Einsam, öd und leer
Abseits vom Gasometer, auf der Schöneberger Linse, herrscht allgemeine Tristesse. Am Tempelhofer Weg werden gerade einige Gebäude saniert, wo hier aber wer ansonsten Interesse an Gewerbeimmobilien haben könnte, erschließt sich nicht. Von den seit Jahren existierenden Plänen für Hotels, Convention Centern (zu Deutsch: Kongresscenter), Kinos, Busbahnhof, Theater und gar Shoppingmall ist bislang überhaupt nichts, nicht einmal ansatzweise, verwirklicht worden. Mit etwas gutem Willen kann der Neubau von Iden an der Wilhelm-Kabus-Straße als Erfolg gewertet werden; nebenan entsteht gerade ein flacher kleiner Betonbau, wer hier einziehen wird, ist noch unbekannt. Und selbst das Südkreuz ist eigentlich noch unvollendet. Ursprünglich als "Autofahrerbahnhof" konzipiert mit zwei großen Parkhäusern über den Gleisen ist ein mickriges Parkdeck übrig geblieben - zwar ist ein Ausbau weiterhin möglich, aber ein Investor auch hier nicht in Sicht. Zudem ist der Wiederaufbau der Dresdner Bahn, die als Zubringer zum neuen Flughafen eigentlich unumgänglich ist, durch Unfähigkeit und Desinteresse von Senat und Bahn in sehr weite Ferne gerückt. Auf dem zukünftigen Flughafenexpress können somit die Züge nur alle 30 Minuten über einen Umweg rollen statt wie geplant im 15-Minuten-Takt.
Doch wie könnte es weiter gehen? Die nächsten ein bis zwei Jahre werden vermutlich entscheidend sein. Durch die Eröffnung des Willy-Brandt-Airports wird sich das Gesicht Berlins entscheidend verändern, das Südkreuz wird für viele Reisende erste Station auf Berliner Gebiet sein. Es könnte sein, dass aufgrund von (zu erwartenden) Engpässen auf der Bahn und Staus auf der A100 sehr schnell Handlungsbedarf in Sachen Dresdner Bahn erkannt wird und auch die Vervollständigung der Parkhäuser wieder ins Gespräch kommt. Das Gebiet der Linse hätte mit Bahnhof und Gasometer zwei Ausgangspunkte, von denen aus sich die Brachflächen tatsächlich nach und nach mit Neubauten für Büros oder gar Hotels füllen könnten. Sollte die Entwicklung tatsächlich so verlaufen, wären Auswirkungen für das Wohngebiet der Insel wohl unvermeidlich, die Ringbahn als Puffer würde kaum ausreichen und auch hier würde der Gentrifizierungsprozess seine Spuren hinterlassen.
Noch ist das Zukunftsmusik, es kann auch alles anders kommen. Aber dass unsere Insel auf Dauer von Immobilienspekulanten übersehen wird, ist wohl nur frommes Wunschdenken. Auch wenn wir weiter tapfer Widerstand leisten. Beim Teutates!

Donnerstag, 19. Januar 2012

Ein kleiner Schritt

Blick nach Osten

Blick nach Westen
Überraschenderweise ist die Wegeverbindung zwischen Leuthener Platz und Wilhelm-Kabus-Straße bereits freigegeben worden. Ebenso die Naumannstraße für den Autoverkehr, nachdem der Umbau am Leuthener Platz fertig gestellt wurde. Die Aufpflasterung sorgt jetzt dafür, dass der Autoverkehr wenigstens für ein paar Meter auf Tempo 30 abgebremst wird - auf der restlichen Naumannstraße rast weiter die Mehrheit unserer motorisierten Mitbürger mit gewohnter Geschwindigkeit. Die Flächen südlich des neuen Weges werden vorläufig von Gittern abgesperrt und müssen erst noch mit Spielplatz und Kiefernhain aufgefüllt werden. Den Weg säumt eine Ahornreihe, eine Beleuchtung soll noch folgen. Die freie Fläche nördlich ist für eine zukünftige Bebauung vorgesehen - wann auch immer.
Hindernis Bordstein
Sinn macht diese Verbindung allerdings noch nicht, da Fußgänger oder Radfahrer wohl kaum in die Einöde des Gewerbegebiets pilgern wollen. Erst die Weiterführung zur einsam als Torso dastehenden Brücke über die Bahn und weiter über den (auch schon fertigen) Weg zur Gontermannstraße wird die Ost-West-Spange vervollständigen und einen attraktiven Weg Richtung Tempelhof bilden. An der Bahn trifft die Asphaltpiste dann die zukünftige Nord-Süd-Verbindung und bietet weitere Möglichkeiten, seine Strecken abseits der Autostraßen zu bewältigen. Wie vor einigen Tagen gemeldet, ist vor Juli mit der Fertigstellung des Stegs allerdings nicht zu rechnen - und auch die anderen Projekte werden wohl noch über die nächsten Jahre gestreckt.
Interessant wird noch, wie der Übergang an der Wilhelm-Kabus-Straße gestaltet werden soll. An eine Bordsteinabsenkung an dieser Stelle wurde beim Bau der zwei Jahre alten Straße nicht gedacht. Angesichts des starken Autoverkehrs ist ein Zebrastreifen dringend nortwendig.
Immerhin ein kleiner Schritt, viele weitere müssen noch folgen.





Montag, 16. Januar 2012

Nächster Aufruf: Juli 2012

Dauerzustand für die nächaten Monate
Ob noch dieses Jahr die Brücke nach Neu-Tempelhof über die Bahnanlage eröffnet wird, muss allmählich bezweifelt werden. Nachdem erst vom vergangenen September die Rede war, dann vom gegenwärtigen Januar, ist nun auf den Seiten vom Stadtumbau vom Juli 2012 zu lesen. Wie dieser Termin ohne Bauarbeiten zu schaffen ist, wissen höchstens die Bürokraten, schließlich wurde seit September kein Handschlag mehr getan. Auch unklar ist der Brückenname: Während auf den Stadtumbau-Seiten hartnäckig der Name Alfred-Lion-Steg verwendet wird, vermeldet die SPD einen Erfolg mit ihrem Vorschlag Hertha-Block-Steg. Wann die ersten Fußball-Fans auf dem Weg zum Stadion hier aufkreuzen wird spannend!

Mittwoch, 4. Januar 2012

Mit neuer Stadträtin ins neue Jahr

Für Donnerstag den 26. Januar lädt das Bezirksamt mal wieder zu einer Informationsveranstaltung zum "Stadtumbau Südkreuz" ein. Gespannt kann man auf den ersten Auftritt von Sybill Klotz als neue grüne Stadtentwicklungsstadträtin sein als Nachfolgerin des - vorsichtig geschrieben - eher investorennachhechelndenundanwohnerignorierenden CDU-Mannes Krömer. Da der Begriff des "Werkstattgesprächs" inzwischen getilgt wurde, ist jedoch davon auszugehen, dass auch im neuen Jahr vor allem fertige Pläne präsentiert werden. Schöneberger Schleife und Ost-West-Spange sollen im Mittelpunkt stehen, vielleicht wird auch der monatelange Baustillstand an der neuen Brücke über die Gleise nördlich vom Südkreuz erklärt werden - Eröffnung sollte nach letztem Stand diesen Monat sein.
Veranstaltungsort ist der Theodor-Heuss-Saal im Rathaus Schöneberg um 18 Uhr.