Sonntag, 16. August 2015

Ein Weg ist nicht genug

Nein, das ist keine Autobahnauffahrt – links der neue Weg, rechts der alte
Die Wege des Bezirksamtes sind unergründlich, das weiß man ja in Schöneberg.  Und ab und zu schafft es sich zusätzliche Wege, die man auch nicht verstehen muss. So zum Beispiel am Bahnhof Südkreuz. Seit 2006, der Eröffnung des Bahnhofs, nutzen die Bewohner der Roten Insel den (auch heute noch) inoffiziellen Ausgang über den Parkplatz der Bundespolizei und spazieren gemütlich entlang der Zufahrt zur heutigen Wilhelm-Kabus-Straße. Ab und zu muss man etwas beiseite treten, wenn Einsatzwagen vorbei wollen, oder, was leider häufiger der Fall ist, illegale Autoparker, die die Blindheit von Polizei und Bahn ausnutzen.

Nun dachten sich Bezirk und Bahn offensichtlich: Ein Weg ist nicht genug! Der Eigentümer des "Naumannparks" (Nicola Berggruen) knappste von seinem Grundstück einen Streifen ab, der wurde jetzt asphaltiert, so dass nun zwei Wege parallel zum Bahnhof verlaufen – man fühlt sich ein wenig wie auf einer Autobahn. Nur dass der neue Weg im Sand der ungepflegten Wiese vor dem Beginn des Nord-Süd-Grünzugs endet, inklusive eines Bordsteins, den man als Radfahrer (oder auch Fußgänger) dort nicht erwartet. Im Gegenzug durfte der Naumannpark einen Durchgang an der Hertha-Block-Promenade schaffen, um seine Grundstücke besser zu erschließen.

Der Bordstein bleibt

Was das ganze soll? Warum der neue Platz nicht für dringend benötigte Fahrradständer genutzt wurde? Wir sind halt in Schöneberg! Immerhin sorgen einige LED-Leuchten auf dem Berggruen-Grundtück jetzt für indirektes Licht. Es ist etwas unwahrscheinlicher geworden, dass ich wie letzten Winter in den Kadaver einer Ratte stiefele.

Übrigens: Eine offizielle Eröffnung gab es diesmal überraschenderweise nicht durch unsere Stadträte. Vielleicht wäre das dann doch etwas zu peinlich gewesen.

Kommentare:

  1. Danke für den Beitrag - welch eine Posse! Berggrün "regiert" offenbar den Kiez Naumannstraße und Umgebung, und Bezirk und Senat verneigen sich mal wieder vor der Kommerz.Ich hatte mich schon über die Autobahnzufahrt gewundert!

    Der neueste Beitrag der Berggrün-Holding zum Inselfrieden ist übrigens die Abschaffung von neun Parkmöglichkeiten in der Naumannstraße. Die einzige Rettung, wenn man spät nach Hause kam, bestand bis dato darin, auf einen Parkplatz auf der verbreiterten Auffahrt Naumannstraße 79 zu hoffen. Die Firma Royal Cars - übrigens die Einzigen, die sich hätten daran stören können - ließen uns Anwohner gewähren. Letzte Woche ließ Berggrün nun ein Halteverbotsschild anbringen und läßt unverzüglich abschleppen, falls doch jemand dort parkt. Zwei Meter weiter befinden sich der Parkplatz der Berggrün Holding, wo man für 70,- € pro Monat einen Parkplatz mieten kann.Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt...!!

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    1. Es wird Zeit, dass das Ordnungsamt ebenfalls handelt und die Horde Falschparker an allen Ecken und Enden bekämpft. Wenn man keinen Parkplatz mehr findet, muss man wohl weiter laufen, einen mieten oder das Auto verkaufen.

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    2. Was haben Sie denn für'n Problem? Muss wohl was Ernstes sein, meine herzliche Anteilnahme. "Horden". "bekämpfen" - auf in den Krieg!

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    3. Sie fühlen sich offenbar angesprochen, dies entnehme ich dem persönlichen Angriff in Ihrer Antwort. Das ist gut so.

      Eine Horde in diesem Kontext ist eine Menge von Menschen, in diesem Fall die Halter von Kraftfahrzeugen ohne Respekt für die Wege anderer. Falschparker gefährden oder behindern Menschen auf unterschiedliche Weise, deshalb finde ich "bekämpfen" an dieser Stelle eine durchaus passende Vokabel.

      Offenbar existiert ein Markt für PKW-Stellplätze, gleichzeitig bezahlen Nicht-Halter den Fahrzeughaltern eine Menge kostenfreien Parkraum. Das reicht vielen nicht, also weichen sie auf Flächen aus die nicht für Kraffahrzeuge vorgesehen sind. An welcher Stelle ergibt sich aus dem Fehler, öffentliche Flächen für stehende Kraftfahrzeuge zu verschenken, eine ähnliche Verpflichtung für Privatflächen?

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  2. Also ich muss sagen: ich finde die Trennung zwischen 1. einer Straße für motorisierten Kraftverkehr (Polizeiwagen - manchmal im eiligen Einsatz, Lieferverkehr zur Bahnhofsrückseite, Bedienstete am Bahnhof) und 2. einem Geh- und Fahrradweg für Bürger sinnvoll. Dieses Konzept findet man auch in anderen urbanen Bereichen, es hat sich doch recht erfolgreich in 99,9% der Fälle durchgesetzt.

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  3. Hallo, Herr Berggruen, schön, Sie hier zu sehen!

    Zur Sache: Der "motorisierte Kraftverkehr" auf diesem Weg hält sich extrem in Grenzen - da gab es keine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer, die einen zweiten Weg gerechtfertigt hätte.

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  4. Warum seht ihr Investitionen in die Nachbarschaft eigentlich so kritisch? Warum macht ihr euch vor diesem Berggrün so ins Hemd? Das was hier als "Inselfrieden" erwähnt wird, ist doch eigentlich nur eine übertriebene Skepsis vor Fremdem und Neuem. Was ist denn jetzt eigentlich so schlimm an einem Beachvolleyballfeld, einem Fitnessstudio und einer Handvoll anderer Leute, die ihre Geschäftsidee auf die Beine stellen wollen?
    Hier mal ein Überblick:
    http://www.naumannpark.de/de/mieter/

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