Samstag, 26. März 2011

Gasometer-Update

Was tut sich unter der Plane?
In den letzten Wochen ist wieder einiges vom Gasometer zu lesen. Nach einem Jahr fast völligem Stillstands, scheint Bewegung in die Sache zu kommen, wobei etliche Versprechungen, vor allem für die Anwohner, auf der Strecke zu bleiben drohen. Dem Investor Müller ist es gelungen, einige Prominenz in die Zeltkuppel zu karren, angefangen von der Kanzlerin über die HerausforderInnen für die Abgeordnetenhauswahl bis hin zuletzt zum Regierenden. Dass Baustadtrat Krömer als CDU-Generalsekretär und oberster Projektantreiber für den Parteitag und damit auch für den Austragungsort verantwortlich zeichnet, sei dabei nur am Rande erwähnt.
Der Bebauungsplanentwurf des EUREF-Geländes wurde nun verabschiedet, wiederum mit Billigung der CDU, FDP und der Umfaller-Partei SPD, die die Querelen der letzten Jahre und ihre kritischen Anmerkungen anscheinend vergessen hat. Lediglich Grüne und Linke verweigerten sich konsequent. Zur Erinnerung: Der Entwurf von 2009 wurde vom Senat  aufgrund erheblicher Mängel wieder einkassiert. Zudem wurde von der BVV die Genehmigung zur Planreife für den ersten Neubau erteilt, der auf der Nordseite entstehen und damit den Cheruskerpark teilweise verschatten wird. Wann Baubeginn sein wird, steht anscheinend noch nicht fest.
Mit großem Tamtam wurde von der EUREF ein Wettbewerb zur Gestaltung der Freiflächen durchgeführt, wobei es sich lediglich um ein paar Wege und Pflanzkübel handelt. Bezeichnend für die Öffentlichkeitsarbeit ist der abgebildete Plan, der vor Grünflächen nur so strotzt. Allerdings wurde dabei gleich großzügig der Cheruskerpark samt geplanten Erweiterungen mit abgebildet, der überhaupt nichts mit Müller zu tun hat und zu 100% vom Bezirk gestaltet wird bzw. wurde.
Ebenfalls geblendet wurde und wird was die vertraglich zugesagte Sanierung des Gasometers angeht. Im September wurde der Öffentlichkeit beim Tag des Offenen Denkmals ein Gerüst präsentiert, hinter dem wortreich und voller Stolz ein wenig neue Farbe über den Rost gepinselt wurde. Die ausführende Firma hat übrigens ihren Sitz auf dem Gelände, inwieweit sie mit Müller verbandelt ist, wäre interessant zu wissen. Seit diesem Zeitpunkt konnten keinerlei Arbeiten mehr beobachtet werden, im Frühjahr hingen die Planen teilweise in Fetzen herunter. Zumindest diese wurden inzwischen wieder gerichtet, dass mit dem Anstrich fortgefahren wurde, wage ich zu bezweifeln. Bei diesem Tempo ist es leicht auszurechnen, dass die Sanierung noch ca. 40 Jahre andauern wird bzw. der Gasometer bald ein Opfer des Rostes sein wird. Zumindest wird die fehlende Seriosität von Müller mit dieser Alibi-Veranstaltung erneut verdeutlicht.
Von der groß angekündigten "Energie-Universität" ist nicht mehr die Rede, lediglich vom Werbebildschirm leuchtet seit einigen Wochen - nach monatelanger wohltuender Dunkelheit - das TU-Logo (für andere Werbung wird der "Nightscreen" wohl nicht mehr gebucht). Die Uni will einige Seminare auf dem Gelände abhalten, was großspurig unter dem Namen "Campus" firmiert.
Ebenfalls als leere Versprechung entpuppt sich die zugesagte Verkehrsentlastung mittels separater Zufahrtsstraße vom Sachsendamm mit einhergehender Sperrung der Torgauer Straße (Stichwort "eigener Autobahnanschluss"). Die Bahn müsste den notwendigen Durchstich unter der Ringbahn genehmigen. Ob dieses überhaupt weiterverfolgt wird oder die Bahn zustimmen würde, keiner weiß es. Es ist abzusehen, dass der zusätzliche Autoverkehr sich eben doch über die Insel wälzen wird.

Donnerstag, 24. März 2011

Der König ist zurück

Ralph Christian Möbius, besser bekannt als Rio Reiser, ist zurück in seiner Geburtsstadt Berlin. Vor einigen Wochen wurde er umgebettet auf den Alten Sankt-Matthäus-Kirchhof am S-Bahnhof Yorckstraße. Sein Bruder musste den Hof in Fresenhagen aufgeben und verkaufen; somit musste auch Rios Grab verlegt werden. Auf dem Schöneberger Friedhof schließt sich nun der Kreis, der Sänger, Musiker, Komponist und Schauspieler ist nach Berlin zurückgekehrt. Das Grab an einem der Hauptwege des Friedhofs fällt auf: Zwei Leuchttürme und eine Krone flankieren den Grabstein, viele Blumen und persönliche Zettel von Fans wurden abgelegt.
Rio Reiser war einer der wichtigsten Musiker der 70er und 80er Jahre. Seine Band Ton, Steine, Scherben prägten das politische Bewusstsein West-Berlins wie keine andere. Unvergessen ist der "Rauch-Haus-Song", unvergessen das ganze Album "Keine Macht für Niemnad", das von seiner Aktualität nichts verloren hat. Mitte der 70er Jahre zogen die Scherben nach Fresenhagen und gründeten dort eine Art Wohngemeinschaft, um die sich bis heute viele Legenden ranken.
Den größten kommerziellen Erfolg hatte Rio als Solokünstler, vor allem mit dem "König von Deutschland" und "Junimond" 1985/86.
Rio Reiser starb am 20. August 1996.

Dienstag, 22. März 2011

Schmuddel-Ecke

Müll, Müll und Müll am Südkreuz
Der Weg vom Nord-Ausgang vom Bahnhof Südkreuz zur Insel verkommt zusehends. Die zuständige Bahn hat bereits seit Monaten, schon gar nicht seit der Schneeschmelze den Müll weggeräumt. An anderen Ecken des Geländes sieht es nicht viel besser aus. Wann und ob überhaupt der Frühjahrsputz angegangen wird, bleibt abzuwarten.

Sonntag, 20. März 2011

Halbe Sache

Drei Jahre später
Am S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke wurde die Bus-Haltestelle auf der südlichen Brückenseite tatsächlich drei Jahre nach Eröffnung vor die Bahnhofseingänge verlegt. Aber auch nur auf dieser Seite. Auf der Nordseite - nichts außer einem gelben Mast. Ob hier jemals Busse halten werden, daran zweifeln die Umsteiger zusehends. Zur Erinnerung: Die Bahn hatte im August versprochen, die südliche Seite am 15. Oktober (2010) freizugeben, die Nordseite "möglichst" am 31. Oktober. Die nötigen Ausbesserungen an der verpfuschten Sanierung hat nie stattgefunden. In der aktuellen Kundenzeitschrift der S-Bahn steht auf Seite 4 lediglich, dass der Zustand "bis auf weiteres" bestehen bleibt. Auch hier also das übliche Vorgehen der DB: beschwichtigen, versprechen, lügen, enttäuschen.

Freitag, 18. März 2011

Zum Bewusstseins-Stolpern

Vier neue Stolpersteine in der Gotenstraße
Weit über 20.000 wurden bereits verlegt, vier neue befinden sich seit kurzem vor dem Haus in der Gotenstraße 73, noch umrankt von Rosen: Stolpersteine zur Erinnerung an deportierte und ermordete Mitbürgerinnen und Mitbürger. Johanna und Bernhard Baum (Jahrgang 1889 bzw. 1879) Hannchen Sindel (Jahrgang 1870) und Lilliy Rahel Krzesny (Jahrgang 1914) wohnten hier und wurden allesamt in Auschwitz ermordet.
Das Projekt der Stolpersteine startete der Künstler Gunter Demnig Anfang der Neunziger Jahre, mittlerweile handelt es sich um das weltweit größte dezentrale Mahnmal. Um die Steine lesen zu können, muss man sich bücken, was eine Verbeugung vor den Opfern symbolisiert. Gleichzeitig wird die Behauptung, von Deportationen nichts gewusst zu haben, widerlegt, allein durch die schiere Anzahl von Verfolgung mitten in der Nachbarschaft - überall in Schöneberg, überall in Berlin, überall in Deutschland. Bis April 2010 wurden bereits über 22.000 Steine gesetzt in 530 Städten und Gemeinden. Ein Projekt, das ohne viel Aufwand zum Nachdenken anregt.