Freitag, 9. November 2012

Nach drei Jahren Bauzeit: Alfred-Lion-Steg ist eröffnet

Müller, Schöttler und Klotz beim puzzeln
Etwas verdutzt guckten die Mitarbeiter des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg schon, als Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) die pünktliche und zügige Fertigstellung des Alfred-Lion-Stegs lobte. Eigentlich hätte er bereits vor über einem Jahr die Schere zücken sollen, um das obligatorische rote Band durchzuschnippeln. In Berliner Dimensionen gehen 14 Monate Bauverzögerung inzwischen wohl noch als "pünktlich" durch.

Brückenschlag über die Dresdner Bahn
Bei der Eröffnungszeremonie der neuen Wegeverbindung zwischen Neu-Tempelhof und der Roten Insel am Donnerstag durfte Müller, der hier seinen Wahlkreis hat, ein paar nette Sätze sprechen, nachdem Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) ihre Rede etwas leiernd vom Blatt abgelesen hatte. Beide freuten sich über über den Grünzug, der im Rahmen des Stadtumbaus West als erstes größeres Projekt im Bereich Südkreuz fertig gestellt wurde. Die Stadträtin für Stadtentwicklung, die Grüne Sibyll Klotz, mahnte anschließend in ihrer Ansprache den Kollegen vom Senat, für die Finanzierung der weiteren Planungen der Schöneberger Schleife zu sorgen und überreichte einige überdimensionierte Puzzle-Stückchen, die zusammengesetzt eine Karte des Schöneberger Gebiets ergaben.
Dem Stadtrat für Bauwesen Daniel Krüger (CDU) blieb es vorbehalten, den Namen zu enthüllen, den der gesamte 600 Meter lange Grünstreifen von der Gontermannstraße bis zum Leuthener Platz trägt: Hertha-Block-Promenade. Bisher promenierte man an der Riviera oder zumindest auf Sylt, jetzt können Tempelhofer und Schöneberger dieser Beschäftigung auch vor der Haustür nachgehen. 
Zur Namensgebung: Die Bibliothekarin Hertha Block war eine NS-Gegnerin und wurde im benachbarten SA-Gefängnis in der General-Pape-Straße gefoltert. Der Rad- und Fußgänger-Steg wurde nach Alfred Lion benannt, der 1909 in der Gotenstraße 7 auf der Insel geboren wurde. Lion sah in Nazi-Deutschland als Jude keine Zukunft, emigrierte 1936 rechtzeitig in die USA und gründete dort das legendäre Musik-Label Blue Note Records.
Neues Namensschild
Politiker, Journalisten und Schaulustige promenierten nach den Reden gemeinsam von Tempelhof über den Steg, der die Dresdener Bahn überbrückt, auf die Schöneberger Seite und durch das Gewerbegebiet Naumannstraße bis zum Leuthener Platz, wo sich auch Senator Müller davon überzeugen konnte, dass dieser nicht wie versprochen fertiggestellt wurde. Einige Kiefern liegen hier uneingepflanzt herum und warten noch darauf, einen Hain zu bilden. In letzter Minute schaffte es der Bezirk nach monatelangem Bau-Stillstand, Zebrastreifen an der Wilhelm-Kabus-Straße und der General-Pape-Straße anzulegen sowie Laternen entlang des Grünstreifens zur Beleuchtung aufzustellen.
Immerhin, nach drei Jahren Bauzeit und knapp fünf Millionen Euro Kosten, wurde ein wesentliches Teilstück des Stadtumbaus West fertiggestellt, das Schöneberger und Tempelhofer bestimmt bald entdecken und annehmen werden.

Kommentare:

  1. Zu Füßen des Steges zwischen S Bahn- und Fernbahntrasse liegt ein länglicher Steinhaufen. Dies sind Reste von Gebäuden des ehm. Millitärbahnhofs Schöneberg. Von hier zogen 1914 die Soldaten in den Ersten Weltkrieg.
    Die Soldaten nannten den Bahnhof "General-Pappkarton-Straße".
    Sie hatten alle einen Pappkarton (Koffer) dabei.
    Mein Onkel Wilhelm war 1900 beboren, musste von hier kurz vor Kriegsende 1918
    noch einrücken und ist von hier nach Frankreich abgefahren.
    Wenig später ist er in den Argonnen gefallen.

    AntwortenLöschen