Sonntag, 31. Juli 2011

Insel-Wahl-Watching, Teil I

Erste grüne Plakate
Die Insel wird geteilt, jedenfalls was die Wahlkreise für die Abgeordnetenhauswahl am 18. September angeht. Die Straßen südlich der Kolonnen- und östlich der Gotenstraße werden dem Wahlkreis 4 zugeschlagen, der Rest verbleibt im Wahlkreis 2, der heute genauer unter die Lupe genommen wird. Besser geschrieben die Direkt-Kandidaten mit den besten Aussichten, also von SPD, Grünen und CDU. Und da es sich hier um ein Internet-Medium handelt, konzentrieren wir uns auf die Präsentation und die Informationen in ebendiesem Internet.
Der eindeutig bekannteste Kandidat ist Lars Oberg von der SPD, der seinen Wahlkreis gerne verteidigen möchte. Oberg ist erst 32 Jahre alt und gehört offensichtlich zu den Hoffnungsträgern der SPD, wird sogar als Staatssekretär in seinem Fachgebiet (Wissenschaft) gehandelt. Darüber hinaus macht Oberg Schlagzeilen durch seine Auftritte mit seinem Markenzeichen, der Mütze. Dieser Aspekt zeigt die sehr geschickte Öffentlichkeitsarbeit des gebürtigen Stuttgarters (keine Ahnung, ob er schwäbelt....) auf. Präsent durch seine Homepage, auf Facebook und auch twitter fährt er alles auf, was ein moderner Wahlkampf benötigt. Sogar auf einen Artikel im Insel-Blog hat er einst direkt reagiert, die Verlinkung von seiner Homepage inzwischen allerdings wieder gelöscht.
Bei aller Präsenz gehen die Inhalte allerdings leider baden. Was die direkten Ziele sind, ist nur schwer erkennbar. Auf seinem twitter-Account ist zwar schön regelmäßig zu lesen, wie viele Straßenstände er bestreitet und wie viele Hausbesuche wieder getätigt wurden, daneben wird kräftig auf Künast und das grün-schwarze Schreckgespenst geschimpft, aber inhaltlich ist hier wenig zu erfahren. Ähnlich auf der Homepage, ein knapp zusammengefasstes Programm ist nur schwer zu finden. Das Dilemma der SPD wird an verschiedenen Stellen deutlich: Da ist von bezahlbaren Mieten und guten Schulen die Rede - der geneigte Leser stellt sich da schon die Frage, wer eigentlich an der Regierung ist seit Jahrzehnten. Zur EUREF auf dem Gasometergelände ist von einem Luftschloss die Rede - bloß blöd, wenn die Genossen in der BVV alle Beschlüsse und Baugenehmigungen ständig abnicken. So kann nun weder fundierte Kritik geübt noch auf eine erfolgreiche Standortpolitik verwiesen werden. Also lieber schweigen im Walde. Zur Verkehrspolitik wird über die wahnwitzige A100-Planung auch lieber nichts geschrieben, der S-Bahn-Skandal wird auf die Bahn abgeschoben und ein lustiger Schlagabtausch findet sich im Gästebuch zur berühmt-berüchtigten Fahrradpolitik des Bezirks, in der Oberg etwas ungeschickt vier angebliche Verbesserungen der letzten fünf Jahre zusammenklaubt, sich aber nicht in die Bezirkspolitik einmischen will.
Vermutlich der aussichtsreichste Konkurrent ist Jürgen Roth von den Grünen. Die ersten Plakate mit seinem Konterfei hängen bereits auf der Insel - den Spruch "Außen Roth - Innen Grün" hätte man vielleicht besser weglassen sollen. Verglichen mit Oberg ist Roth weit weniger präsent im Netz, dafür wird auf der verlinkten Seite knapp und übersichtlich ein Bild des Kandidaten vermittelt. So ist zu erfahren, dass der 55-jährige Politologe seit 1999 in der Feurigstraße wohnt und im Bezirk tief verwurzelt ist. Sein Wahlprogramm und seine Ziele werden knapp und übersichtlich präsentiert. Sicher ist es für einen Oppositionspolitiker einfacher, bestimmte Forderungen aufzustellen, dafür setzt er sich aber für konkrete Projekte ein, wie die absolut wünschenswerte Straßenbahnverbindung von Steglitz über den Kaiser-Wilhelm-Platz zum Potsdamer Platz und weiter zum Alex. Etwas mehr Aktiviät im Netz wäre bei den Grünen allerdings schon wünschenswert.
Und die CDU, tja, entweder fängt die erst noch an, oder sie hat schon aufgegeben. Der Kandidat heißt Christian Zander, ist offensichtlich BVV-Mitglied, natürlich Jurist und Jahrgang 1978. Seine Homepage befindet sich noch im Aufbau und ansonsten ist nichts zu finden außer eines Facebook-Accounts. Da der Autor aber Facebook ablehnt, kann dazu nichts geschrieben werden. Vielleicht wacht bei der CDU ja noch jemand in den nächsten Wochen auf.


Donnerstag, 14. Juli 2011

Es wird laut

Abriss vor Neubau

Ohne Ohrstöpsel wird man sich in der nächsten Zeit kaum auf die Wiesen im Cheruskerpark legen können. Die Euref hat den Baustart für dem ersten Neubau auf dem Gasometergelände verkündet, wobei zunächst einmal ein Altbau abgerissen wird. Gebaut wird das Gebäude Nr. 7 in der nordwestlichen Ecke des Geländes, Baugenehmigungen liegen auch für die Gebäude Nr. 8 und 15 vor - Ruhe wird in den nächsten Jahren nicht einkehren, wenn es so läuft, wie es sich Investor Müller vorstellt. Bis Ende 2012 sollen auf 2.100 qm 12.700 qm Bürofläche entstehen - die Berliner Traufhöhe wird mit neun Geschossen deutlich überschritten und den Charakter des Geländes nachhaltig beeinflussen. Wie die weiteren Pläne aussehen, bleibt zunächst Geheimnis der Euref.
Immerhin scheinen die Arbeiten zur Sanierung des Gasometers nach jahrelanger Verspätung tatsächlich endlich begonnen zu haben - wenn das Hämmern um den Stahlkoloss herum nicht zum Einbau von Jauchs Fernsehstudio gehört.



Donnerstag, 7. Juli 2011

tip goes Gasometer

Gentrifizierung am Gasometer

Der Gasometer hat es auf das Titelblatt des tip geschafft, da musste ich mir das Heft gleich mal besorgen und die dazugehörige Geschichte "Das neue Schöneberg - Zwischen Gleisdreieck und Gasometer bewegt sich was" nachlesen. Das Foto mit drei hippen Friedrichshain/Mitte/Prenzlberg-Peopeln, die sich am Gasometer mit Sommer-Mützchen lümmeln, versetzte mich erst einmal in Sorge, dass auch für unseren Kiez der Gentrifizierung das Wort geredet wird - ganz so schlimm kam es aber dann doch nicht. Die Autorin schildert vor allem die neue Galerieszene an der Potse, beschreibt recht kenntnisreich die verschiedenen Bereiche Schönebergs (Akazienstraße, Winterfeldtpaltz, Motzstraße, Bayerisches Viertel, Gleisdreieck usw.), führt den mir völlig unbekannten Begriff des "Schöneberger Südfeldes" ein, womit sie vermutlich das Südgelände meint und verlegt die Tempelhofer Malzfabrik auf eben dieses. Auch was die Rote Insel angeht, werden verschiedene Themen stichpunktartig, aber nicht sehr tiefgehend, abgehandelt. Da "unterstützt" der Bezirk das Südkreuz schon mal mit "Hotels, einem Veranstaltungszentrum und Gastronomie" ohne Erwähnung, dass es sich dabei bestenfalls um langfristige Planungen handelt. Die Entwicklung auf dem Gasometergelände wird rein positiv mithilfe der verschiedenen Kultur-Events der letzten Monate beschrieben, von den gigantischen Bebauungsplänen und den Bürgerprotesten und -sorgen findet sich dagegen leider kein Wort. Ansonsten wird noch die Scheinbar etwas länger abgehandelt, das Mehlstübchen und Berlin Beads finden Erwähnung.
Insgesamt ein ganz netter Artikel, der trotz aller Schwächen deutlich macht, dass auch vor Schöneberg die Entwicklung - leider? - nicht Halt machen wird.


Dienstag, 5. Juli 2011

Brückenname: Block oder Bluenote?

Noch lange nicht fertig: ???-Brücke



Es ist immer wieder ein willkommener Anlass für Politiker, sich öffentlichkeitswirksam zu profilieren, wenn es um die Benennung eines Flughafens, einer Straße oder Wasmanauchimmermanbenennenkann geht. Jetzt haben auch unsere Bezirkspolitiker von Schöneberg-Tempelhof ein reizvolles Objekt gefunden, noch dazu in der Wahlkampfphase. Es geht dabei um die neue Fußgänger-und Radfahrerbrücke von der Wilhelm-Kabus-Straße über die Bahngleise nach Tempelhof.  Die SPD fordert eine Namensgebung nach der Bibliothekarin Hertha Block, die während der NS-Zeit im „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“ Widerstand leistete und insgesamt acht Wochen lang im benachbarten SA-Gefängnis in der General-Pape-Straße inhaftiert war. CDU und Grüne sprechen sich für den Namen „Blue Note“ aus. Die typische parteipolitische Polemik kann gut in dem SPD-Blättchen TS-Aktuell (S.6) nachgelesen werden. Dort wird den Widersachern unterstellt, dass sie zum einen eine Frauen-Benennung umgehen wollten, zum anderen weist die Autorin süffisant darauf hin, dass es sich bei „Blue Note“ um ein Plattenlabel und Tochterunternehmen von EMI handelt. Zudem suggeriert der Text, dass lediglich Hertha Block dazu beitragen könne „die Gedenkkultur in den Alltag der Menschen und den öffentlichen Raum“ zu transportieren. Die unfreiwillige Ironie des Artikels mit der Überschrift „Eine Frage der Kultur“ (sic!) besteht nun darin, dass wohlweislich der historische Hintergrund zu „Blue Note“ verschwiegen wird: Gegründet wurde das legendäre Jazz-Label von Alfred Lion, dessen Geburtshaus in der Gotenstraße auf der Insel steht und der vor dem NS-Regime in die USA fliehen musste. Welche Benennung nun mehr die Kultur fördert, überlasse ich dem Leser.
Doch unsere Bezirkspolitiker können sich freuen: Nach gestriger in Augenscheinnahme kann wohl kaum davon ausgegangen werden, dass die Brücke wie geplant im September eröffnet werden kann - Zeit zum streiten und profilieren bis ins nächste Jahr. Zudem wird bald ein weiterer Name gefunden werden müssen für den geplanten Steg über die Wannseebahn.

Update:
Inzwischen wurde die Abstimmung beendet. Das Ergebnis ist eindeutig: 24 Stimmen (63%) für Blue Note, 9 für Hertha Block (23%) und 5 Lesern ist es egal (13%).




Samstag, 2. Juli 2011

Torgauer-Entscheidung

Sperrung beschlossen
Die Entscheidung ist zwar schon längst gefallen, aber die Abstimmung auf diesem Blog hat den Willen der Anwohner zur Schließung der Torgauer Straße ab der Cherusker Straße zum Gasometergelände nochmals unterstrichen. Von 42 Teilnehmern haben sich insgesamt 33 für eine Schließung ausgesprochen; 23 - und damit knapp über die Hälfte - für eine sofortige mit späterem Umbau zu einem fuß- und fahrradfreundlichem Weg, sechs wollen eine sofortige Sperrung mit Erhalt des Kopfsteinpflasters, vier erst eine gründliche Diskussion vor einer Sperrung und immerhin elf (25%) sprechen sich für eine Offenhaltung aus.
Die BVV hat nach dem üblichen Parteienhickhack bereits im Mai die Schließung beschlossen. Wann diese auch tatsächlich durchgeführt wird, werden wir gespannt abwarten. Wer ist schneller: Müller mit dem Bau seiner Hochhäuser oder der Bezirk mit der Errichtung von fünf Pollern? Bislang ist noch keiner aus den Startlöchern gekommen.