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| Die einstige Rotlicht-Bar in der Torgauer Straße |
Unser Kiez verändert sich; auch in meinem, etwas heruntergekommenen Haus hält nun die gefürchtete Gentrifizierung Einzug. Würden jedenfalls deren Gegner sagen. Bislang residierten diverse Puffbetreiber in der Ladenwohnung im Erdgeschoss, vermutlich überwiegend illegal. Von den alten Geschichten – wie von dem erstochenen Russen in der Silvesternacht oder der Hanfplantage unter dem Dach – weiß nur noch mein nettes älteres Nachbarehepaar zu berichten. Auch wenn neue Geschichten in letzter Zeit dazukamen: Der Nachbar im 5. Stock flüchtete vor einigen Wochen über das Dach vor der Polizei oder der bestialische Gestank aus der Erdgeschosswohnung, die von den Puffbetreibern Hals über Kopf verlassen wurde. Ansonsten hatte man seine Ruhe: Freier und illegale Bordellbetreiber, die anscheinend keine zuverlässigen Mietzahler sind, scheuen eher die Aufmerksamkeit und sind erfahrungsgemäß eher scheue Wesen. Es war und ist in allen seinen Facetten ein typisches Berliner Mietshaus, etwas verrucht und etwas klischeehaft, aber mit Geschichte(n).
Nun gibt es neue Mieter in der Ladenwohnung: Junge Leute werkeln vor sich hin, um ein Frühstückscafé zu eröffnen. Die Meinungen der Nachbarn reichen von heller Begeisterung bis zur Sorge vor potentiellen lärmenden Gästen.
Nun gibt es neue Mieter in der Ladenwohnung: Junge Leute werkeln vor sich hin, um ein Frühstückscafé zu eröffnen. Die Meinungen der Nachbarn reichen von heller Begeisterung bis zur Sorge vor potentiellen lärmenden Gästen.
Fakt ist aber: Die Gastronomiedichte nimmt auf der Insel zu. In der Torgauer Straße ist es das zweite neue Café nach dem „Peppe“ Ecke Gustav-Müller-Straße. In der Leberstraße hat letztes Jahr der „Weinverein Rote Insel“ eröffnet, es finden sich das "Nosch Deli", das wunderbare "Mokalola", die Cafés "Taubenschlag" und "Mütlich". Die Regel lautet: Je weiter man sich zur Kolonnenstraße bewegt, desto höher wird die Latte- und Brownie-Dichte.
Der Kiez wird lebendiger, er wird teurer. Hoffentlich nicht normaler.
Übrigens, ein kleiner Tipp für die neuen Mieter: Seit die Eisdiele in der Leuthener Straße vor einigen Jahren weg-luxussaniert wurde, fehlt ein wirklich guter Eis-Dealer! Und Toi, toi, toi!



