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Freitag, 17. Januar 2014

Der Gasometer verschwindet

Bald nicht mehr zu sehen: Der Gasometer wird zugebaut
Es ist ein wenig aus dem Fokus geraten, das Gasometer-Gelände, das sich Euref-Campus nennt. Letztes Jahr hat sich dort auch so gut wie nichts getan, von den vollmundigen Ansagen mit weiteren Neubauten ward nichts gesehen. Lediglich die Steuermillionen, die Ex-Baustadtrat Krömer in seinen letzten Amtsstunden Euref-Chef Müller genehmigte, wurden mit großem Hallo höchstoffiziell abgesegnet. 
Nur für Mitarbeiter: Tor zum Park
Doch seit einigen Wochen tut sich wieder so manches auf dem Gelände: Die ersten Erdarbeiten für die Planstraße, die durch ebendiese Millionensubventionierung gebaut werden soll, sind auf dem Gelände angelaufen (wann außerhalb der Mauern mit den Arbeiten begonnen werden soll, scheint noch in den Sternen zu stehen). 
Während die Vorbereitungen für das Haus in der Verlängerung zum ersten Neubau ins Stocken geraten zu sein scheinen (gerüchtehalber gibt es hier Probleme mit den angedachten Mietern), wird jetzt der zweite Neubau hochgezogen, und zwar an der Nordspitze auf der Höhe der bisherigen Tiefgarageneinfahrt. Das Gebäude mit seinen zehn Etagen und ca. 7.000m2 wird die Sicht auf den Gasometer vom Norden aus endgültig verstellen. Was Euref-Chef Müller vermutlich ganz recht sein wird, schließlich ist die vertraglich vereinbarte Sanierung erst einmal ad acta gelegt worden und die zunehmende Verrostung künftig nicht mehr so gut zu beobachten. Auch hier gilt der Satz „pacta sunt servanda“ eben nicht für Investoren mit dem Geld in den Taschen, dem richtigen Parteibuch und einem sehenswerten Netzwerk. Da kann man halt nichts machen, so die gängige Rede, die Bürgermeisterin macht sich lieber lächerlich und die Stadträte sind hilflos. Politiker aller Parteien geben sich auf dem Gelände regelmäßig die Klinke in die Hand, ernsthafte Kritik kann da nicht aufkommen.

Vorbereitungen für Neubau
Doch was geschieht eigentlich hinter dem Zaun? Das Gelände ist abgeschottet, die einstmals großmundig versprochene Offenheit des „Campus“ ist ausgeblieben. Ein kleines Türchen zur "Schmiede", in der ein Restaurant untergebracht ist, wurde zum Chreuskerpark hin eingesetzt, das Wachschutzschild daneben lädt aber nicht wirklich zum Besuch ein. Der Haupteingang wird von übellaunigen Pförtnern kontrolliert, die irgendwo in einem alten Berliner Keller konserviert worden sein müssen. Mitarbeiter des Campus nutzen seit einiger Zeit regelmäßig ein Tor an der Nordspitze mit eigenen Schlüsseln und zertrampeln dabei den Rasen des Cheruskerparks, schließen aber sorgfältig wieder hinter sich ab. Besucher aus dem Kiez nebenan scheinen weiterhin unerwünscht zu sein.

Eingang zur Alten Schmiede
Vielleicht gäbe es dort aber allerhand zu entdecken? Wer weiß schon aus der Umgebung, dass dort die bisher einzige Fahrrad-Ausleihstation von call-a-bike weit und breit untergebracht ist? Car-sharing der Firma flinkster wird angeboten, start-up-Unternehmen basteln hier vor sich hin und die Forschungen zur Energiewende durch die TU-Außenstelle und weiteren dort ansässigen Firmen sind durchaus ernst zu nehmen.

Die Mitarbeiter auf dem Campus scheinen jedenfalls von ihrer Arbeitsumgebung recht angetan zu sein und loben die Atmosphäre auf dem Gelände, die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Man muss die Machenschaften von Müller und die dort ansässigen Firmen voneinander trennen. Die Kritik an der zu dichten und unschönen Bebauung, der Verschwendung von Steuergeldern und der Verwahrlosung eines der herausragendsten Wahrzeichen Schönebergs bleibt davon unbenommen.

Es bleibt die Frage im Raum, ob der Campus weiter ein Fremdkörper im Kiez bleiben möchte oder sich öffnet. Und auch, ob wir Insulaner eine Öffnung überhaupt wollen, mit allen Konsequenzen. Die Gentrifizierung würde dadurch zumindest nicht verlangsamt.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Frau Schöttler fährt Kettenkarussell

Fährt gerne Karussell: Angelika Schöttler

Eine kleine Pressemitteilung des Bezirksamtes von heute zeigt ein Bild, das das Geschehen der letzten Jahre rund um das Gasometergelände nicht besser auf den Punkt bringen könnte: "... ließen es sich Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (....) und Reinhard Müller nicht nehmen, (...) eine Runde auf dem Kettenkarussell zu drehen."
Der EUREF-Investor fährt Karussell mit SPD-Frau Schöttler, er fuhr Karussell mit CDU-Mann Bernd Krömer und er fährt Karussell mit dem gesamten Bezirk.
Heraus kommt dabei so wunderbare Polit-Prosa wie: "Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler zeigte sich am Rande des Quartiersfestes begeistert von der Entwicklung, die der EUREF-Campus in den vergangenen Jahren gemacht hat."
Auch sehr schön zu lesen war kürzlich dieses: "Schneider Electric, Spezialist für Energiemanagement und Automation, hat eine neue Niederlassung im Gebäude „EUREF-Campus 12-13“ auf dem EUREF-Campus in Berlin eröffnet. Dabei handelt es sich um Europas erstes CO2-neutrales Stadtviertel." Wohlgemerkt: ein Haus wurde eingeweiht und sogleich zu einem ganzen Stadtviertel aufgebläht. Aber nicht genug, Frau Schöttler lässt sich zu Schneider auch noch so zitieren: "Das ist Corporate Sozial Responsibiliy in ihrer Reinform." 
Ich weiß nicht, wer das geschrieben hat, ob der Verfasser oder Frau Schöttler wissen, was "Corporate Sozial Responsibily" sein soll - ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass hier ungefiltert Propaganda aus dem EUREF-Haus übernommen wird und Frau Schöttler und der Bezirk dafür verantwortlich zeichnen.
Ich erwarte von einer Bürgermeisterin, dass sie sich für die Einhaltung von Verträgen einsetzt, nämlich für die Sanierung des Gasometers. Ich erwarte vom Bezirk, dass er nicht ohne Not Steuermillionen verschwendet. Ich erwarte von Bürgermeisterin und Bezirk, dass sie sich nicht für Propaganda von Investoren hergeben, die seit Jahren mit ihnen machen, was sie wollen.
Mein Fazit ist: Frau Schöttler ist im Bezirksbürgermeisteramt fehl am Platz.

Samstag, 8. Juni 2013

Crellekiez, Bautzener Brache, Eylauer Straße: Die Kapitulation des Bezirks



Nachsehen für Weitsehen - Crellekiez gegen Luxus-Neubau

Drei Linden sollen nächste Woche gefällt werden, drei gesunde Bäume, die Investoreninteressen und einem Luxus-Neubau im Wege stehen. Die Vorgänge in der Crellestraße stehen dabei exemplarisch für etliche aktuelle Vorhaben entlang ehemaligen Eisenbahngeländes, das nach und nach umgewidmet wird sowie der Taten- oder Hilflosigkeit der Bezirke und der Landespolitik gegenüber Investoren, die ihre Interessen ohne jede Rücksicht auf Bevölkerung und Anwohner durchsetzen.
Ursprünglich sollte auf dem Grundstück Crellestraße 22a ein Spielplatz entstehen, der Bezirk Tempelhof-Schöneberg versäumte jedoch in derVergangenheit, seine Interessen hier und auf anderen Bahnflächen rechtlich zu sichern - obwohl seit Jahren klar war, dass es auf diesen Grundstücken zu Konflikten kommen wird, wurde nicht gehandelt. Der CDU-Stadtrat Bernd Krömer erließ im Februar 2011 einen Bauvorbescheid für das Grundstück, der nun umgesetzt werden muss, da das Gelände aus dem Bahnrecht entlassen wurde. Diskussionen können nicht mehr geführt werden, Anwohner werden nicht mehr gefragt. Punkt. So sieht Stadtentwicklungspolitik im Jahr 2013 aus in Tempelhof-Schöneberg.
Wut auf Klotz
Der Zank um die Crellestraße ist der vorläufige Höhepunkt in einer Reihe von Konflikten rund um die Rote Insel, die ähnlich gelagert sind - und diese Reihe wird sich fortsetzen.
Beispiel Bautzener Brache. Anstatt der logischen Fortsetzung des Nord-Süd-Grünzugs wird hier ein massiver Wohnkomplex zwischen Großgörschenstraße und Yorckstraße entstehen. Die verschiedenen Veranstaltungen der letzten Monate zu diesem Thema verliefen, vorsichtig formuliert, eher kontrovers und suboptimal. Auch hier stand die Grüne Klotz im Mittelpunkt der Aufregung.
Eines wird immer deutlicher: Die Hilflosigkeit der Politik. Wer in Verantwortung steht, nickt die Großprojekte ab. Wer Opposition betreibt oder nicht den zuständigen Posten besetzt, drischt auf den Gegner ein. Solange, bis er selber Verantwortung trägt. So war das in der Vergangenheit bei der Planung für das Gasometer-Gelände und so ist das auch heute. Die finanziellen Ressourcen der Bezirke werden immer geringer, das Personal für eine vernünftige Planung fehlt, ebenso häufig der Wille. So gelingt es einem gut vernetzten Investor wie Reinhard Müller, den Bezirk am Nasenring durch die Manege zu ziehen. Die Begründungen für Projekte von Heute ähneln auffallend denen von Gestern, die Parteifarbe spielt dabei keine Rolle. Die zahlreichen Konjunktive der Jubelschriften ließen und lassen nichts Gutes vermuten - und das Alles bleibt beim Wähler hängen.
Diese Linden sollen fallen
Eylauer Straße, Flottwellstraße, BarbarossastraßeTempelhofer Feld und Yorckdreieck. Die Konflikte häufen sich in unserer Gegend und werden weiter zunehmen mit steigendem Mietendruck. Die Versäumnisse der letzten Jahre des Senats (Senatorin Junge-Reyer 2008: "Bei den Mieten zeichnet sich insgesamt weiterhin eine moderate Entwicklung ab") und der Zuzug nach Berlin werden zu einer verstärkten Bautätigkeit führen, auch in Schöneberg. So sind im Bereich Südkreuz im aktuellen Stadtentwicklungsplan Wohnen (StEP) der Senatsverwaltung bis 2020 900 Wohneinheiten vorgesehen.  Und auch das Gewerbegebiet Naumannstraße wird über kurz oder lang in den Fokus rücken, stand das Gelände doch im letzten Jahr auf den Seiten der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zum Verkauf.
Wohnungsbau ist notwendig und wird nicht verhindert werden können, auch wenn niemand seinen Aussicht gerne zugebaut bekommen möchte. Es ist eine Frage der (ernsthaften) Einbindung der Anwohner, eine Frage der Gestaltung, eine Frage der sozialen Verträglichkeit (Luxusbauten wie in der Crellestraße werden nicht benötigt) und nicht zuletzt eine Frage des Willens. Ob der auch nach dem Wahlkampf, in dem sogar Merkel jetzt die Mieter als Wähler entdeckt hat, noch vorhanden sein wird?

Sonntag, 24. Juni 2012

Tagesspiegel berichtet über Filz am Gasometer


Der Tagesspiegel bricht endlich mit der Tradition der letzten Jahre der Berliner Presse, über die Vorgänge am Gasometer nur positiv zu berichten. Unter der Überschrift "Freie Fahrt zu Fördermitteln" wird das filzige Verhalten von Ex-Baustadtrat und Jetzt-Innenstaatssekretär Krömer zusammengefasst und auch in einem knappen Abschnitt die schleppende (bzw. vermutlich überhaupt nicht stattfindende) Sanierung erwähnt.
Auch im Abgeordnetenhaus sind die Vorgänge inzwischen Thema geworden. Die Grünen Claudia Hämmerling und Antje Kapek sprechen offen von Filzverdacht und Erstere hat eine kleine Anfrage eingebracht. Der SPD-Abgeordnete Lars Oberg äußert sich im Tagesspiegel seit langer Zeit wieder einmal öffentlich zum wichtigsten Thema in seinem Wahlkreis und wirft Investor Müller "Wortbruch" vor. Ob Krömer wirklich "unter Druck" gerät, wird auch davon abhängen, ob Politik und Presse am Thema dranbleiben.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Wikileaks auf Schöneberger Art

Die notarielle Beurkundung vom Juli 2009
Die BI Gasometer macht sich immer wieder verdient mit ausführlichen Darstellungen rund um die EUREF und Investor Müller. Eine der zahlreichen Ungereimtheiten mutet wie ein Bubenstück an, wurden doch aufgrund von willfährigen Politikern wie dem ehemaligem CDU-Baustadtrat Krömer oder dem damaligen für Tiefbau Schworck (SPD) ohne Grund gültige Verträge zu Lasten der öffentlichen Hand über Bord geschmissen und der EUREF ein weiteres Mal der rote Teppich ausgerollt. Konkret geht es um die Erschließungsstraße unter der Ringbahn hindurch zum Gasometergelände, die ursprünglich in vollem Umfang von Müller bezahlt werden sollte. Aufgrund einer "extremen Kostenexplosion" (statt fünf jetzt neun Millionen) sollen nun 60% aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden. Trotz jahrelanger Beteuerungen und Versprechungen. Die Ausrede, dass der Bezirk nicht belastet würde, mag zwar stimmen, der Steuerzahler muss aber dennoch blechen.
Wenn man dieser Tage die Torgauer Straße entlang läuft, kann man einen interessanten Aushang an einem der Tore der verlassenen Grundstücke entdecken, beinahe auf Höhe der geplanten Straße. Es handelt sich dabei um eine Kopie der notariellen Beurkundung zwischen Krömer und Müller vom 10. Juli 2009; zwölf kopierte Seiten akkurat aufgehängt. Der unbekannte Plakatierer hat dabei die interessanten Stellen dankenswerter Weise gleich angestrichen, vor allem die auf Seite 9: ".... entstehenden Kosten für die Errichtung der für die Erschließung des Baugebiets erforderlichen Überführung der Bahntrasse einschließlich der aus der zwischen Berlin und der DB abzuschließenden Planungsvereinbarung entstehenden Kosten (inklusive ggf. entstehender Kostenerhöhung) .... werden ebenfalls vom Vorhabenträger getragen."

Manche Stellen wurden geschwärzt
Fein säuberlich aufgehängt
Insgesamt zwölf...

Seiten des Dokuments

Die wichtigste Stelle markiert

Wikileak auf...

...Schöneberger Art
Es bleibt festzuhalten: Ein gültiger Vertrag zwischen Bezirk und Investor wurde ohne zwingenden Grund zu Lasten der öffentlichen Hand von Bezirkspolitikern gekippt, das alles in Zeiten der viel beschworenen knappen Kassen und Mittelkürzungen.
Ob dieses Dokument für die Öffentlichkeit bestimmt ist oder nicht, ist mir unbekannt. Interessant finde ich es als Bürger allemal - daher erlaube ich mir auch, den unbekannten Plaketierer in seiner etwas unkonventionellen Art der wikileakartigen Veröffentlichung zu unterstützen.

Samstag, 26. November 2011

Rot-Grünes Tempelhof-Schöneberg

Bürgermeisterin Schöttler
Während auf Landesebene der Rot-Grüne Traum durch das selbstherrliche Gebaren unseres Regierenden schnell zerplatzt ist (auch wenn die Grünen momentan alles dafür tun, diese Tatsache erfolgreich zu verschleiern), geht die BVV im Schöneberger Rathaus den umgekehrten Weg: weg von der Großen Koalition zu Rot-Grün, auf Bezirksebene Zählgemeinschaft genannt. Hauptgrund: Die SPD hätte den Bürgermeistersessel an die nun stärkere CDU abgeben müssen. Am Mittwoch wurde nun das neue Bezirksamt gewählt, mit einem sehr erfreulichen Ressortzuschnitt. Neue Bürgermeisterin wurde Angelika Schöttler (SPD), die zweite starke Frau ist nun Sibyll Klotz von den Grünen, die neben den sozialen Aufgaben auch das Stadtentwicklungsamt übernimmt, also Nachfolgerin von Bernd Krömer (CDU) wird, der vermutlich Staatssekretär im Senat wird. Oliver Schworck (SPD) bleibt mit einem anderen Ressortzuschnitt, neu hinzu kommen von der CDU Daniel Krüger (u.a Tiefbau) und Jutta Kaddatz (Bildung). Die exakten Aufgabenbereiche können hier nachgelesen werden.
"Superstadträtin" Klotz
Vor allem an Frau Klotz werden nach den Krömer-Jahren hohe Anforderungen gestellt hinsichtlich des Gasometers-Geländes auf der Roten Insel und der Einhaltung der Verträge mit Investor Müller. Hier besteht einiger Prüf- und Handlungsbedarf, die Anwohner möchten endlich wissen, wie der aktuelle Stand bei der Sanierung des Gasometers ist, bzw. ob hier überhaupt schon etwas außer Ankündigungen und Verschleierungen geschehen ist. Auch die Straßenanbindung des Geländes wird Thema der nächsten Jahre sein.
Interessant ist ein Blick in die Rot-Grüne Zählgemeinsachaftsvereinbarung. Unter dem Stichpunkt Gasometer ist zu lesen: "Wir treten dafür ein, dass der BVV-Beschluss vom 18.5.2011 (Ds-Nr. 1805/XVIII) umgesetzt wird. Demnach soll die Torgauer Straße in Höhe Cheruskerstraße für den Verkehr zügig baulich geschlossen werden. Wir stehen zu den geltenden Verträgen ebenso wie zu unseren Grundsätzen von Transparenz und Beteiligung. Wir werden darauf achten, dass die durch den Vorhabenträger eingegangenen rechtlichen Verpflichtungen eingehalten werden."
Eigentlich Selbstverständlichkeiten (warum muss eigentlich ein Beschluss gefasst werden, einen Beschluss umzusetzen? Und wer setzt dann den Umsetzungsbeschluss für den Beschluss um?), immerhin werden die Schwierigkeiten der letzten Jahre hier relativ deutlich genannt.
Noch einige Wörter zu den im Papier genannten Verkehrsplanungen: Besonders erfreulich ist der Stellenwert, der dem Fahrradverkehr eingeräumt wird. Tempelhof-Schöneberg gilt bislang mit Recht als der fahrradfeindlichste Bezirk Berlins. Konkret genannt werden die "schwierigen Situationen" am Bülowbogen (Radler werden seit Jahren in den Gegenverkehr geleitet) und das Dauerärgernis am S-Bahnhof Priesterweg (eine Lücke im Radnetz von vielleicht 200 Metern wie einst die legendäre Lücke in der Belziger Straße; der Umbau der Sembritzkistraße durch Steglitz-Zehlendorf erfolgt gegenwärtig). Hinzu sollen kommen Radspuren u.a. in der Schöneberger Straße und Alt-Tempelhof, geprüft werden soll die Einrichtung auf der Rheinstraße und Hauptstraße bis zum Insbrucker Platz sowie in der Kolonnenstraße. Zur Umsetzung der Maßnahmen, die immerhin eine komplette DinA4-Seite einnehmen, soll eine zusätzliche Ingenieurs-Stelle geschaffen werden.
Ich wünsche dem neuen Bezirksamt viel Erfolg und viele glückliche Händchen!

Mittwoch, 9. November 2011

Müllers Marionette geht

Noch-Baustadtrat Krömer. copyright: CDU-TS
Auf diese Nachricht dürften einige Bezirksamts-Mitglieder gehofft haben: Baustadtrat Bernd Krömer tritt ab! Nachdem SPD und Grüne sich auf die Wahl Angelika Schöttlers als neue Bürgermeisterin geeinigt haben, zieht sich der CDU-Kandidat ganz aus dem Bezirksamt zurück. Ob er sich Hoffnungen auf einen Posten im Rot-Schwarzen Senat macht - darüber kann spekuliert werden, Krömer ist im Nebenjob CDU-Generalsekretär und daher nicht ganz ohne Einfluss. 
Einfluss hat er in den letzten Jahren auch maßgeblich auf die Planungen auf dem Gasometergelände genommen, die Liste der Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten ist lang und kann hier nachgelesen werden. Dem Vernehmen nach waren seine Untergebenen im Bezirksamt zunehmend entnervt vom Gebahren ihres Chefs, Zuständigkeiten im Zusammenhang mit Gasometer-Investor Reinhard Müller an sich zu ziehen. So stockt offensichtlich die Planung für die südliche Erweiterung des Cheruskerparks rund um die Torgauer Straße durch die gezielte Verschleppung der Planungen für die (vertraglich festgesetzte) Zufahrtsstraße vom Sachsendamm unter der Ringbahn durch auf das EUREF-Gelände. Müller möchte offensichtlich zu Lasten von Fußgängern und Radfahrern die Straße kleiner dimensioniert haben um Kosten zu sparen. Vermutlich wäre er auch nicht traurig, müsste er sie gar nicht bauen. Es liegt nun in den Händen des (noch unbekannten) neuen Stadtrats und der neu gewählten BVV, der Willkür der letzten Jahre endlich einen Riegel vorzuschieben. 
So auch bei der Sanierung des Gasometers. Bislang wurden lediglich bei Presseterminen ein paar Farbkleckse vorgeführt und behauptet, jetzt gehe es endlich (nach zwei Jahren "Untersuchungen") los. In der Realität wurde letztens sogar das Alibi-Gerüst abgebaut; von tatsächlichen Arbeiten - bis auf den Einbau eines Fernsehstudios - ist weit und breit nichts zu sehen. Es würde nicht verwundern, wenn Krömer bislang als einziger einen Pinselstrich bei einem der zahlreichen Fototermine der letzten Jahre getätigt hätte. So ist aber der Zerfall des Schöneberger Wahrzeichens vorprogrammiert. Die Anwohner werden beobachten, wie der Nachfolger Krömers mit der Causa Gasometer umgehen wird.

Freitag, 10. Juni 2011

Infoveranstaltung zum Stadtumbau Südkreuz

Ganz nah: Potsdamer Platz
Kein sogenanntes "Werkstattgespräch", sondern lediglich eine Informationsveranstaltung, findet am kommenden Donnerstag, 23.6., um 18.00 Uhr in der Robert-Blum-Schule (Kolonnenstraße 21) zum Stadtumbau Südkreuz statt. Baustadtrat Krömer berichtet dort über folgende Themen: Projektstand Stadtumbau Südkreuz Schöneberger Schleife – Schlüsselprojekt im Stadtumbaugebiet; Teilprojekt Flaschenhalspark; Teilprojekt Nord-Süd-Grünzug zwischen Großgörschenstraße und Monumentenbrücke bzw. Südgelände; Yorckbrücke Nr. 5 an der Bautzener Straße. Es wird interessant sein zu hören, welche Anregungen der Bürger in die Planungen eingeflossen sind.

Mittwoch, 20. April 2011

Nachbar Jauch

Quelle: ddp / Henning Kaiser
Das war gestern eine faustdicke Überraschung, was auf diversen Seiten zu lesen war: Ich meine nicht, dass der Zuschauerliebling unter die Winzer gegangen ist, nein: Günther Jauch zieht in den Gasometer. Nicht persönlich, aber mit seiner neuen Politiktalkshow, die ab September auf dem Sendeplatz von Anne Will am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlt wird. Das Zentrum des allmählich völlig unübersichtlichen Talkshow-Zirkus soll also zukünftig ausgerechnet auf der Roten Insel stattfinden. Zugegeben, Investor Müller ist damit ein ziemlicher Coup gelungen, die mediale Aufmerksamkeit dürfte unbezahlbar sein, vermutlich ist die Miete für das Jauch-Team auch entsprechend niedrig angesetzt worden. Was allerdings ein Fernsehstudio mit dem ursprünglichen "Energie-Forum" zu tun haben soll, bleibt die Frage. Eine monothematische Sendung zum Thema Energieversorgung ist wohl nicht zu erwarten. Das Statement von Baustadtrat Krömer, es handele sich um die "erste CO2-neutrale Politik-Talksendung" ist hoffentlich als verspäteter Aprilscherz zu verstehen. Der freut sich jedenfalls wie ein Osterhase und schwadroniert weiter von einer "tragfähigen städtebaulichen Entwicklung" des Geländes. Angeblich soll jetzt am 5. Mai die Sanierung des Gasometers starten, wozu seit weit über einem halben Jahr ein Teilsegment publikumswirksam eingerüstet wurde, fragt sich der Laie allerdings. Zumindest die fragwürdigen Deals zwischen Bezirk und Müller und der Zustand des Gasometers werden jetzt noch genauer im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Die Insulaner werden jedenfalls nicht zulassen, dass es ihrem Gasometer geht wie einst der blauen Kugel am Breitscheidplatz, aus der einst Sabine Christiansen sendete: Die wurde inzwischen abgerissen.
Was diese Entwicklung für die Insel bedeutet, bleibt abzuwarten. Wichtig erscheint es allerdings, dass die Torgauer Straße schnellstmöglich gesperrt wird und die Anwohner gegen Lärm geschützt werden.

Freitag, 10. September 2010

(Fast) geschafft: "Verkehrsfreigabe" am 14. September

Wilhelm-Kabus-Str./Kolonnenstr.
Am Dienstag ist es soweit: Die neue Nord-Süd-Verbindung durch die Insel wird eröffnet und offiziell auf den Namen "Wilhelm-Kabus-Straße" getauft. Im Beisein der Stadträte Krömer und Schworck erfolgt um 13 Uhr die offizielle - ein schönes Bürokratenwort - "Verkehrsfreigabe" an der Kreuzung zur Kolonnenstraße. Ob die neuen Ampelanlagen dort und an der Ecke zur Torgauer Straße bereits funktionieren werden, darf wohl bezweifelt werden. Auch das letzte Stück Asphalt in der Torgauer fehlt noch bis heute; aber an der Strecke wird derzeit überall fleißig gearbeitet - vielleicht klappt ja alles noch. Mit nur drei Monaten Fertigstellungs-Verzögerung ist für Tempelhof-Schöneberg ein gefühlter neuer Pünktlichkeits-Rekord aufgestellt worden. Jedenfalls, wenn man die ursprünglichen Planungen übersieht, dass bereits 2007 mit dem Bau begonnen werden sollte. Wenn die Umleitungen durch die Wohngebiete aufgehoben werden, ist aber schon einiges gewonnen. Und ebenfalls positiv: die großzügigen aufgepinselten Fahrradstreifen schaffen auch für die Radler eine gute neue Verbindung.

Mittwoch, 17. März 2010

Denkmalschutz nach Müller-Art

Seit Monaten wartet man gespannt darauf, wann die Sanierung des Gasometers beginnt. Es wurde behauptet, unterstützt vom Bezirksamt, dass diese bereits begonnen wurde. Von baldigen "Musterabschnitten" ist die Rede. Nachgewiesen wurde bisher nichts davon. Geradezu erschreckend ist die Dreistigkeit Müllers mit dem Umgang des Baudenkmals, die jetzt bekannt wurde. Selbst Baustadtrat Krömer musste auf eine Anfrage des Grünen Bezirksverordneten Rolf Brüning zugeben, dass Beschädigungen bewusst vorgenommen wurden, um eine Partylocation zu schaffen. So wurde ohne Genehmigung ein WC-Container angedockt sowie eine Luftheizung montiert und in diesem Zusammenhang die Hülle "eingeschnitten". Ein Verfahren zur "Wiederherstellungsanordnung" wurde zwar eingeleitet, weitere Konsequenzen wie mögliche Bußgelder lässt Krömer aber offen. Bei der Vorgeschichte ist es wahrlich nicht schwer zu erraten, wie sich das Bezirksamt verhalten wird. Übrigens hat Müller, laut Krömer, mitteilen lassen, dass die für die Luftheizung geschaffene Öffnungen verschlossen wurden. Ob diese Aussage glaubhaft ist, bleibt Jedem selber überlassen. Sanierung sieht jedenfalls anders aus.

Dienstag, 16. Februar 2010

Zweite Chance für die BVV

Der von Baustadtrat Krömer durchgepeitschte Bebauungsplan für das Gasometergelände wurde von der Senatsverwaltung gestoppt. Grund: Die Rechtsprüfung hat erhebliche Mängel festgestellt, die jetzt beseitigt werden müssen, um anschließend der BVV erneut zur Abstimmung vorzulegen. Man kann gespannt sein, ob die Mitglieder aus den Tricks und Täuschungen des Investors gelernt haben oder sich erneut vor den Karren spannen lassen. Zumindest erhalten sie eine zweite Chance, eine Gelegenheit, die nicht jeder bekommt. Einzelheiten können auf der Homepage der BI Gasometer nachgelesen werden. Unterdessen findet sich von der aktuellen Entwicklung auf der Homepage der EUREF kein Wort. Als "letzte Meldung" steht hier weiterhin der Beschluss der Planreife, der nun hinfällig ist.
Unterdessen beweisen Krömer und Bezirksbürgermeister Band, dass sie das unwürdige Spiel weiterspielen wollen. Die BVV fasste am 28. Oktober 2009 den Beschluss, das Bezirksamt aufzufordern, auf die vertragliche Verpflichtung zur Sanierung des Gasometers zu bestehen und andernfalls die Betriebsgenehmigung für die Reklametafel zu entziehen. Das Bezirksamt erwiderte darauf in einem Schreiben, unterzeichnet von Band und Krömer, dass derzeit ein Musterabschnitt zur Sanierung vorbereitet werde. Des Weiteren wird berichtet, dass der Eigentümer vereinbarungsgemäß innerhalb von neun Monaten mit der Sanierung begonnen hätte und somit ein Vertragsverstoß nicht vorläge. Der Widerspruch zwischen den Aussagen, dass momentan ein Probeabschnitt vorbereitet werde und dass bereits mit der Sanierung begonnen worden sei, wovon bislang kein einziger Beweis an die Öffentlichkeit gedrungen ist, wird nicht aufgelöst. Die Täuschungen der Öffentlichkeit werden munter fortgesetzt. Die BVV hat es nun in der Hand, dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Samstag, 14. November 2009

Der Kurier legt nach


Bild: Axel MAuruszat

In einem Artikel vom 11. November legt der Kurier in seiner Berichterstattung über die Machenschaften der Euref und Herrn Müllers im Zusammenhang mit dem unglaublich schnell durchgepeitschtem Genehmigungsverfahren. Der Autor findet unter der Überschrift "Der große Gasometer-Bluff" sehr deutliche Worte und spricht von einem Skandal - dieser Begriff wurde bislang leider noch nicht von der anderen Berliner Presse benutzt. Der Vergleich mit dem Film "Der Clou" und dem Märchen "Des Kaisers neue Kleider" ist nur zu unterstreichen. Auch Lars Oberg wird zitiert, der davon ausgeht, dass das Grundstück baureif bis zu 100 Millionen Euro wert sein dürfte - bezahlt hat Müller einst eine Million! Bereitwillige Politiker fast aller Parteien wurden getäuscht, Anwohner mutwillig belogen, das Vertrauen zu den Verantwortlichen zerstört. Hoffentlich reagiert noch die breite Öffentlichkeit in Form der Medien, damit dieser Skandal aufgearbeitet wird. Geklärt werden muss der Grundstücksdeal im Zusammenhang mit der Sanierung der Nordspitze, die Seilschaften, verkörpert vor allem durch den früheren Bezirksbürgermeister und Baustadtrat und jetzigen Müller-Anwalt Uwe Saager und wann das Bezirksamt und vor allem Baustadtrat Krömer von den Täuschungen wusste oder wenigstens wissen musste.