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Montag, 18. November 2013

Grabenkämpfe um Schöneberger Schleife

Wannseebahngraben mit zu planendem Grünzug
Das zweite Werkstattgespräch zur Gestaltung des Wannseebahngrabens verlief einigermaßen erstaunlich: Zu Beginn lag die Stimmung der etwa 50 Teilnehmer irgendwo zwischen aufgeheizt und aggressiv, nach vier Stunden Diskussion und Streit kehrte fast so etwas wie Harmonie in die Runde ein. 
Darum geht es: zwischen Ebersstraße und dem Westpark am Gleisdreieck soll ein weiterer Teil der Schöneberger Schleife geschlossen werden, parallel zur S-Bahn. Nun sah diese Schleife ursprünglich vor, einen „Multifunktionsweg“ zu schaffen, also einen Weg für Fußgänger, Jogger, Radfahrer, Skater und auch behinderte Menschen - letztere wurden in den Überlegungen am Samstag übrigens mit keinem Wort erwähnt. Vor allem eine Gruppe von Anwohnern der Crellestraße, inzwischen gut organisiert durch den Widerstand gegen die Lindenfällung, opponiert nun gegen diesen Plan, fürchtet eine radikale Abholzung des sogenannten „Crelle-Urwalds“. 
Die erste Stunde der Veranstaltung in der Pallasstraße wurde durch ebendiese Gruppe geprägt, einige Teilnehmer zeigten ein etwas seltsames Verständnis von demokratischer Bürgerbeteiligung, so wurden abweichende Meinungen, wie etwa ein Plädoyer des ADFC-Vertreters für eine Radwegeverbindung, die einen übergeordneten Stellenwert besäße, regelrecht niedergebrüllt. Auch der Umgang mit dem am Vortag stattgefunden Gespräch mit Kindern war bezeichnend. Die inzwischen durch den Crelle-Konflikt in Funk und Fernsehen bekannte Anja Jochum kritisierte, dass die wenigen anwesenden Kinder durch die Fragestellungen manipuliert worden wären. Einen andere Teilnehmerin wusste allerdings zu berichten, dass die anwesenden Erwachsenen (die nicht eingeladen wurden) mit der Zeit die Veranstaltung übernommen hätten und sich die rund acht Kinder daraufhin gelangweilt verzogen haben. Die Wünsche der Kinder nach Spielplätzen wurden aus dem Auditorium in dem Sinne kommentiert, dass die Kleinen ja nicht wüssten, was sie sich wünschen sollen - und auch das Wort „Kinderkacke“ fiel.
Dass die Veranstaltung dennoch in einigermaßen geordneten Bahnen verlief, ist drei Personen zu verdanken: Der Moderator der Veranstaltung und zugleich mit der Planung beauftragte Martin Seebauer konnte mit viel Geduld auch einige skeptischere Anwohner überzeugen, dass er ergebnisoffen in die Veranstaltung gekommen sei. Mehrfach betonte er, dass seine Bandbreite von „wir machen gar nichts“ bis zu „wir holzen alles ab“ gehen würde - wobei letzteres eigentlich ausgeschlossen sei. Er wolle sich auf die Wünsche einlassen und im Januar dann verschiedene Varianten präsentieren.
Als Co-Moderator wurde kurzerhand der Crellestraßen-Anwohner und von diversen Bürgerversammlungen bekannte Holger Schnaars verpflichtet, der mit seiner Meinung zwar nicht hinter dem Berg hielt, aber auch zu einer Beruhigung und Versachlichung beitrug.
Wannseebahngraben
Schließlich plädierte auch Tilman Heuser vom BUND auf verbindliche „badische Art“ für eine „positive Diskussion“. Die sich zum Teil in einem schlechten Zustand befindlichen Spielplätze der Umgebung müssten in die Planung einbezogen werden, zudem könne man prüfen, ob eine Radwegverbindung auf Straßengelände nicht ebenfalls realisierbar wäre. Die Meinungen im BUND  gingen allerdings in dieser Sache auch auseinander. Seine Ermahnung, anständig miteinander umzugehen, verhallte nicht ungehört.
Überwiegend wurde im Publikum die Meinung vertreten, dass allerhöchstens ein kleiner unbefestigter Weg im Graben zumutbar wäre; das Stichwort „Südgelände“ als Vorbild fiel mehr als einmal. Zudem wurde der Wunsch geäußert, den unattraktiven Crellemarkt mit einzubeziehen.
Einige Fragen bleiben allerdings offen: Wie repräsentativ ist eine solche Versammlung wie am Samstag? Selbstironisch stellte ein Teilnehmer fest, dass doch überwiegend eher ältere Semester gekommen seien und überhaupt Zeit hätten für solch zeitraubende Veranstaltungen.
Wenn denn ein Kompromiss zustande kommt: Wie reagieren Bezirksamt und BVV, wenn kein asphaltierter Multifunktionsweg vorgeschlagen wird?

Es bleibt noch viel zu tun. Für Januar sind eine Begehung des Geländes vorgesehen und ein weiteres Werkstattgespräch mit ersten entwürfen des Büros Seebauer.

PS: Nebenan können Sie abstimmen, was Ihrer Meinung nach in den Wannseebahngraben kommen soll. Repräsentativ ist dies sicher nicht, aber vielleicht kann dadurch ein kleines Stimmungsbild erstellt werden.


Montag, 17. Dezember 2012

Wannseebahnquerung (fast) pünktlich fertig

Blick Richtung Cheruskerstraße
Es sind nur wenige Meter Weg, dennoch wurden diese mit einer kleinen Feier heute ganz offiziell von Stadtrat Daniel Krüger und Planungsamtschef Siegmund Kroll den Bürgern übergeben. Die Verbindung von der Ebersstraße in den Cheruskerpark über den Wannseebahntunnel ist entgegen der ursprünglichen Planung auch für Fahrräder ganz legal befahrbar. Anfang des Jahres kündigte das Bezirksamt bei einer Bürgerversammlung noch an, auf Radler Jagd machen zu wollen, jetzt wurden sogar die Bordsteine in der Cheruskerstraße und der Ebersstraße abgesenkt. Mit ca. 86.500 Euro Baukosten und gut 2,5 Monaten Bauzeit wurde das Projekt für Berliner Verhältnisse recht zügig umgesetzt. Die Idee für diese Verbindung ist indes bereits über ein Vierteljahrhundert alt - die SPD zeigt sich stolz wie Bolle, dass sie in ihrem Wahlprogramm 1985 die Querung gefordert hatte und gerade mal 27 Jahre später diese 15 Meter jetzt verwirklicht wurden.
Zukünftiger Weg Richtung Norden

Lange war nicht klar, ob der Tunnel für den Weg stabil genug und nicht eine wesentlich aufwändigere und kostspieligere Brückenkonstruktion nötig gewesen wäre. Bei der durchgeführten Lösung musste lediglich ein Kabelschacht der S-Bahn mit einer Gitterkonstruktion überbrückt werden. Zusammen mit dem im November eröffneten Alfred-Lion-Steg auf der östlichen Seite der Roten Insel besteht nun eine attraktive West-Ost-Verbindung vom alten Kern Schönebergs am Kaiser-Wilhelm-Platz bis nach Neu-Tempelhof. Von dem kurzen Stück neuen Weges soll übrigens eines Tages ein weiteres Teilstück der Schöneberger Schleife abzweigen, das in den Wannseebahngraben Richtung Norden führen und den Cheruskerpark mit dem zukünftigen Gleisdreieck-Park verbinden soll. Und dieser Weg wird hoffentlich nicht weitere 27 Jahre auf sich warten lassen.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Bagger rollen

Trümmerlandschaft am Cherusker-Dreieck
Die Blätter fallen, das Jahr neigt sich dem Ende zu - auf der Roten Insel scheint 2012 allerdings gerade erst zu starten. Nachdem monatelangem Stillstand ist seit Oktober an mehreren Stellen einiges zu beobachten in Sachen "Schöneberger Schleife"- und an einer anderen prominenten Stelle. Doch der Reihe nach:
In der Torgauer Straße haben die Abrissarbeiten der alten Baracken begonnen, das Cherusker-Dreieck wurde bereits fast vollständig abgeräumt und allmählich ist zu erkennen, wie groß die Fläche ist, die der Cheruskerpark hinzugewinnt.
Zukünftige Wannseebahnquerung
Etwas weiter nördlich entsteht der Durchgang zur Ebersstraße über den Wannseebahntunnel, die Fertigstellung ist für November geplant.
Bautzener Brache
Auf der "Bautzener Brache" haben ebenfalls die ersten Aufräumarbeiten begonnen - ähnlich wie beim Flaschenhals-Park nebenan. Hier entsteht das Endstück des Nord-Süd-Grünzugs mit Spielplätzen, einem breiten Fahrradweg und dem umstrittenen Aufgang zum Bautzener Platz. Als Fertigstellungstermin ist hier 2014 im Gespräch.
Der Alfred-Lion-Steg scheint nach weit über einem Jahr Verzögerung tatsächlich endlich am 8. November eröffnet zu werden. Der Termin wurde zwar noch nicht offiziell bestätigt, doch die letzten Arbeiten werden gerade erledigt. Ein vernünftiger und sicherer Übergang über die Wilhelm-Kabus-Straße wird zwar weiterhin fehlen - aber immerhin...
Nichts Neues am Leuthener Platz
Nichts zu sehen ist weiterhin am Leuthener Platz. Das Bauschild weist immer noch diesen Oktober als Fertigstellungstermin aus - allein, dieses Jahr wurde noch kein einziger Handschlag getan, die Zusagen des Bezirksamtes, dass es hier bald weitergehen soll, haben sich bislang als Seifenblasen erwiesen.





Abriss der Schwielowsee-Schule
Etwas überraschend sind Bagger noch an einer anderen Stelle zugange: Die Ruinen der Schwielowsee-Schule werden abgerissen. Der neue Eigentümer des Geländes, die Johannes-Schule, macht Nägel mit Köpfen, denn bereits in zwei Jahren sollen Waldorf-Schüler hier die Schulbank drücken. Im Gespräch ist ein regelrechter Campus; die Emil-Molt-Akademie als Berufsfachschule für Wirtschaft und Sozialwesen sowie die Freie Fachschule für Sozialpädagogik wurden mit ins Boot geholt. Nach jahrelanger Verwahrlosung versprechen die Pläne eine interessante  Bereicherung für die Insel.

Dienstag, 28. August 2012

Von der Westtangente zur Grüntangente



Statt Grün und Schienen Beton: Der Traum der autogerechten Stadt ist passé
Ruhig und verschlafen liegt die Cheruskerstraße am Rande der Roten Insel. Dass es hier und heute so idyllisch ist, ist Anwohnern zu verdanken, die an diesem Ort vor bald 40 Jahren eine Bürgerinitiative gegründet haben. Sie haben Erstaunliches erreicht und sind zum Vorbild für zahlreiche Gruppierungen geworden, die sich für eine lebenswerte Stadt einsetzen. Ursprünglich ging es der Handvoll Protestler, bestehend aus Schöneberger Jungsozialisten, um den Spielplatz auf der grünen Fläche, die etwas hochtrabend "Cheruskerpark“ genannt wurde. 
Zum Hintergrund: In den 60er Jahren begannen Planungen für eine beispiellose Stadtzerstörung im Namen des Fortschritts, genannt "autogerechte Stadt". Die sogenannte Westtangentenautobahn sollte West-Berlin einmal der Länge nach durchschneiden, beginnend in Steglitz, über Schöneberg und Tiergarten führend bis in den Wedding. Ende der 60er Jahre wurde das erste Teilstück der heutigen BAB 103 von der Birkbuschstraße bis zum Sachsendamm gebaut, inklusive des Kreuzes Schöneberg als Verknüpfung mit der Stadtautobahn. 
Mit dem geplanten Weiterbau wäre die Cheruskerstraße nahezu unbewohnbar, der Schöneberger Kiez nachhaltig gefährdet und das Berliner Stadtbild insgesamt in eine wüstenähnliche Los Angeles-Lookalike-Betonlandschaft verwandelt worden.

Flächennutzungsplan 1965. Quelle: Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung
Einen Eindruck, wie gigantisch die Zerstörung der Stadt hätte ausfallen können, gewinnt man bei einem Blick auf die damaligen Flächennutzungspläne. Die Betonpiste hätte sich quer durch Schöneberg durch den Wannseebahngraben gewälzt (die S-Bahn hätte in einem Tunnel in nordöstlicher Richtung zur Anhalter Bahn Platz machen müssen!), ein weiteres Autobahnkreuz wäre auf dem Gelände des Gleisdreiecks entstanden zur Verknüpfung mit der Südtangente, die wiederum Kreuzberg auf der Höhe der Oranienstraße durchschnitten hätte. Man stelle sich ein weiteres riesiges Autobahnkreuz am Oranienplatz anstelle des lebendigen Platzes und des wunderschönen Engelbeckens vor - so sahen die Wunschträume der Stadtplaner der 60er bis 80er Jahre aus.
Doch zurück zur Roten Insel: Ein Teilstück der Autobahn wäre auf dem Gelände der ehemaligen Cheruskerkurve gebaut worden, der ehemaligen Bahnverbindung zwischen Ring- und Wannseebahn. Besagter Spielplatz und Park wären futsch gewesen, ebenso die Ruhe des Kiezes, die Wohnqualität der Roten Insel erheblich gemindert. Aus dem Trüppchen, das sich gegen die Planungen wehrte, entstand 1974 die Bürgerinitiative Westtangente. Das Gegenkonzept zum Autobahnwahn wurde bald entwickelt unter dem griffigen Motto: Grüntangente statt Westtangente. Anstelle eines grauen Betonbandes sollte ein grünes Band aus überwiegend naturbelassenen Grünflächen die Stadt entlang der brachliegenden, zum DDR-Vermögen zählenden Bahnflächen von der südlichen Stadtgrenze bis zum Tiergarten durchziehen.
Im Laufe von fast 40 Jahren hat die BI sehr viel erreicht: Die Stadtplanung hat sich vom Alp-Wunschtraum "autogerechte Stadt“ größtenteils verabschiedet, der Plan der "Grüntangente“ ist in die Planungen der Stadt eingeflossen und wird nun schrittweise umgesetzt.
Am ehesten entspricht wohl der Naturpark Südgelände dem ursprünglichen Gedanken der Aktivisten. Die Natur bleibt weitgehend ungestört sich selbst überlassen und bildet zwischen den Bahnhöfen Südkreuz und Priesterweg eine für Berlin einzigartige wildnisartige Landschaft zwischen den ungenutzten Bahngleisen. 
Der östliche Teil des Gleisdreieckparks, der letztes Jahr eröffnet wurde, wird hingegen von geraden Wegen und großen Rasenflächen dominiert - nach dem Geschmack vieler Naturschützer kommt hier die ursprüngliche Natur zu kurz. Angenommen wird der Park von der Bevölkerung dennoch.
Grüntangente
So nimmt die Grüntangente Schritt für Schritt Gestalt an: Nächstes Jahr soll der Westpark am Gleisdreieck folgen, der südlich der Yorckstraße gelegene Flaschenhalspark steht ganz oben auf der Projektliste (verbunden mit dem Ostpark über alte Eisenbahnbrücken über die Yorckstraße), erste kleine Teile der "Schöneberger Schleife" sind ebenfalls bereits zu betrachten und zu begehen. Dieser überwiegend schmale Grünzug soll eine durchgehende Wegeverbindung vom Gleisdreieck über den Flaschenhalspark entlang der Anhalter Bahn bis zum Naturpark Südgelände bzw. dem parallel verlaufenden schon bestehenden Hans-Baluschek-Park schaffen. Vom westlichen Gleisdreieck-Park aus soll schließlich später eine weitere Verbindung entlang der Wannseebahn bis zum Cheruskerpark führen, der in den nächsten Jahren erweitert wird und wiederum eine grüne Anbindung entlang der Torgauer Straße Richtung Südkreuz erhält.
Große Pläne nach großem Widerstand. Aber wie man sieht (oder bald sehen wird) hat sich der lange Atem der Anwohner und der BI gelohnt. Der Cheruskerpark ist mitsamt Spielplatz gerettet und wird sogar erheblich vergrößert. 
Dennoch hat sich der Autobahnwahn nicht völlig überlebt. Der neueste Kampf um die A100 zeigt erhebliche Parallelen zu dem Kampf gegen die Westtangente in den 70er Jaheren. Wieder steht ein SPD-geführter Senat mit seiner Argumentation von angeblichen wirtschaftlichen Notwendigkeiten gegen ein breites Bündnis von Anwohnern und Autobahngegnern. Zu wünschen ist den Friedrichshainern, Treptowern und Lichtenbergern ein ähnlicher Erfolg wie einst den Schönebergern aus der Cheruskerstraße.

Freitag, 20. April 2012

Mehr Grün

Cheruskerdreieck mit Torgauer
Im Rathaus Schöneberg fand gestern eine weitere Informationsveranstaltung zum Thema Schöneberger Schleife statt, zu der sich trotz mangelhafter Flyer-Einladungs-Verteilung (bis in die direkt betroffene Torgauer Straße fanden diese nicht den Weg) einige interessierte Bürger und auch Bezirksverordnete einfanden.
Stadtrat Krüger moderierte den Abend, der aus zwei Hauptthemen bestand. Zum ersten Mal wurden die Planungen für das Cheruskerdreieck und den Grünzug entlang der Torgauer Straße konkret vorgestellt. Einige Details fanden Zustimmung, aber auch Kritik durfte natürlich nicht fehlen. Noch in den kommenden Monaten sollen die Arbeiten beginnen, die Fertigstellung ist für Ende 2014 geplant. Bei den gewohnten Verzögerungen im Bezirk ist wohl eine Nutzung ab 2016 einigermaßen realistisch.
Auf dem Gelände zwischen Torgauer Straße und dem bestehenden Cheruskerpark soll das Gefälle etwas nivelliert werden, somit können behindertengerechte Wege angelegt werden. Für Behinderte sollen ebenfalls einige Freizeitangebote geschaffen werden (beispielsweise eine Art stationäres Fahrrad) - eine absolut zu begrüßende Maßnahme, ist mir so etwas bislang doch völlig unbekannt. Auch auf Zustimmung traf die geschwungene Wegeführung, ist die strenge preußische Geradlinigkeit doch gerade beim Park am Gleisdreieck ein Hauptkritikpunkt.
Die Böschung entlang des Bahndamms soll weitgehend erhalten bleiben, die Pappelreihen werden ergänzt. Allerdings sollen die Ansätze zu den ehemaligen Brückenbauwerken der Cheruskerkurve sowie an der Naumannstraße weggebaggert werden - dies könnte noch zu Auseinandersetzungen führen, wird hier doch ein beträchtlicher Teil an verwildeter Vegetation verloren gehen. Am östlichen Ende wird ein platzartiger Eingang entstehen, den man auf dem Dreieck des kleinen Stücks der ehemaligen Naumannstraße heute bereits erahnen kann.
Bereich Gotenstraße
Positiv zu bewerten ist noch die geplante Gedenkstelle für Julius Leber. Entgegen früherer Annahmen handelt es sich nicht mehr um die originale Kohlenhandlung, von der aus der Sozialdemokrat Widerstand organisierte. Die Baracke wurde demnach in den 50ern einigermaßen originalgetreu nach einer - mutmaßlichen - Kriegszerstörung wiederaufgebaut. Angedacht ist, den Grundriss mit einer Pflasterung kenntlich zu machen. Über die genaue Gestaltung wird demnächst in einem künstlerischen Wettbewerb entschieden. Es ist wirklich bedauerlich, dass darüber so gut wie gar nichts in die Öffentlichkeit dringt, könnte der Bezirk hier doch wirklich punkten.
Hauptkritikpunkt ist der sieben Meter breite Fuß- und Radweg, der ab der Cheruskerstraße die Torgauer ersetzen soll. Ende ist nämlich zunächst nicht an der Dominicusstraße, sondern an der geplanten Zufahrtsstraße zur EUREF. Der Bezirk konnte und wollte gestern nichts zu den Verhandlungen mit Müller diesbezüglich sagen, so steht eine Weiterführung vorerst in den Sternen. Und selbst ein dauerhaftes Ende des Weges im Nichts scheint nicht ausgeschlossen.
Östliches Ende an der Naumannstraße
Zweiter Punkt des Abends war die Wannseebahnquerung, deren Details vorgestellt wurden. Hautschwierigkeit ist hierbei die Querung eines Kabelschachtes der Bahn, der über einen kleinen Steg überbrückt werden soll. Offensichtlich wurde die Planung aber mit heißer Nadel gestrickt, selbst Herr Kroll vom Stadtentwicklungsamt musste einräumen, dass hier wohl eine Fehlplanung vorliege. Dem erstaunten Publikum wurde nämlich von Frau Hermann Hoffmann vom Grünflächenamt erklärt, dass die Breite des Weges mit 2 Meter 50 nur für Fußgänger vorgesehen sei. Was mit den Radfahrern geschieht, die im Zuge der Ost-West-Spange auf den Weg geleitet werden sollen, müsse die Zukunft zeigen, zunächst habe das Ordnungsamt dafür zu sorgen, dass die Wege nicht missbraucht werden. Dankenswerterweise demonstrierte Herr Kroll den Unterschied zwischen bürokratischer Halsstarrigkeit und bürgerfreundlicher Flexibilität und versprach eine Überarbeitung der Fehlplanung. Die Zeitplanung besagt, dass nach dem Ende der Haushaltssperre im Juni der Bau ausgeschrieben und noch in diesem Jahr fertiggestellt wird. Auch dies erscheint wohl kaum realistisch, wir sollten uns wohl realistischerweise bis nächstes Jahr gedulden - lassen uns aber gerne zur Abwechslung positiv überraschen.
Noch können vor allem beim Grünzug und dem Cheruskerdreieck Details umgeplant werden; bei aller Kritik und bei allen beschriebenen Fragezeichen denke ich, dass das zusätzliche Grün auf der Insel ein Gewinn an Lebensqualität sein wird.

Donnerstag, 29. März 2012

Auf nach Westen

Hier würde es geradeaus weitergehen

Eigentlich sollte die Brücke namens Alfred-Lion-Steg nach Tempelhof längst benutzbar sein, neuer Termin zur Eröffnung ist jetzt Juli. Der Grund für die Verzögerung ist unklar, zumindest wird nach Monaten Stillstand wieder an der westlichen Rampe gewerkelt - vielleicht wird es dieses jahr doch noch was.
Es geht endlich weiter
Währenddessen gibt es auch am westlichen Inselrand gute Nachrichten: Die Querung der Wannseebahn wird jetzt doch verwirklicht - mit etwas Glück relativ zeitnah. Der Grund ist, dass kein aufwändiges Brückenbauwerk errichtet werden muss, sondern kostengünstig ein einfacher Weg über den vorhandenen Bahntunnel geschaffen wird. In den letzten Wochen wurden bereits ein paar alte Schienen beseitigt. Wenn jetzt die Bahn mitspielt und noch einen im Weg liegenden Kabelkasten verlegt, könnte es eigentlich recht schnell gehen. Der Weg führt dann vom Cheruskerpark zur Ebersstraße auf der westlichen Seite. Allein - wenn ich das Wort "Bahn" höre, werde ich misstrauisch...
Rot-Blau: neuer Weg zur Hauptstraße, grün: alte Verbindung
Jedenfalls wäre es eine schöne neue Verbindung für die Inselbewohner, der Weg Richtung Hauptstraße und Kaiser-Wilhelm-Platz wäre erheblich verkürzt.

Samstag, 28. Januar 2012

Volle Hütte


Um es vorab zu schreiben: Leider kann ich keinen vollständigen Bericht zur donnerstäglichen Informationsveranstaltung zum Stadtumbau Südkreuz liefern, da ich später am Abend noch meine Brötchen verdienen musste.
Von diesem Ansturm waren auch die Veranstalter vom Bezirksamt überrascht: Als gäbe es umsonst Abendbrot, strömten die Insulaner in Massen in den Theodor-Heuss-Saal des Rathauses Schöneberg. Als keiner mehr reinpasste, wurde der Umzug in den größeren Willy-Brandt-Saal verkündet, der schließlich auch restlos gefüllt war - ich bin schlecht im Schätzen, dennoch wage ich es zu behaupten, dass es bestimmt nicht weniger als 300 Besucher waren. Ob dieser Andrang an vermehrter Werbung lag (wahrscheinlicher) oder an der Neugier auf das neue Bezirksamt (weniger wahrscheinlich), sei dahingestellt.
Leider blieb die Technik teilweise auf der Strecke, der Ton versagte und somit mussten die Redner ordentlich brüllen, um sich verständlich zu machen. Immerhin disziplinierte diese Begebenheit die Zuhörer dazu, auch still zuzuhören.
Nach einleitenden Worten der neuen Stadträtin Klotz, gab Siegmund Kroll vom Stadtentwicklungsamt einen kurzen Überblick über die Baumaßnahmen 2012. Zwei Planer durfte ich noch anhören, die ihre Entwürfe für die Eingangssituation an den Yorckbrücken zu den Parks und zum Nord-Süd-Grünzug erläuterten.
Bemerkenswert erscheint vor allem, dass dieses Jahr mit dem zweiten Bauabschnitt des Nord-Süd-Grünzugs begonnen werden soll, der unter der Monumentenbrücke bis zur Höhe der Großgörschenstraße reichen wird. Der Rampenstreit (Verbindung von der Monumentenstraße in den Bahngraben) geht weiter, hier hat das Atelier Loidl einen weiteren Entwurf vorgelegt, nach dem weniger Bäume gefällt werden müssten als bei dem BUND-Vorschlag.
Mit dem Abriss der Baracken entlang der Torgauer Straße soll dieses Jahr begonnen werden, ebenso mit der Bodensanierung auf entlang des Abschnitts. Weitere Infoveranstaltungen zu diesem Einzelthema sowie anderen Teilaspekten sollen noch im Frühjahr folgen. Die Pläne für einen Grünzug entlang der Wannseebahn scheinen überraschenderweise doch wieder aktuell zu sein, hier soll demnächst eine Einigung mit der Bahn zum Ankauf der nötigen Flächen erzielt werden.
Vielleicht war der eine oder andere Leser ja länger bei der Veranstaltung und kann über die Kommentarfunktion über den Fortgang berichten - oder mir mailen: textbauer@gmx.de

Freitag, 1. April 2011

Neue Brücke, neue Wege

Frisch überbrückt - von Ost nach West
Viel Buddelei ist momentan im Südosten der Insel zu sehen. An mehreren Stellen sind deutliche Fortschritte zu erkennen, alle Projekte hängen aber zusammen und sind Teil eines gemeinsamen Wegenetzes, das in einigen Jahren ein echter Gewinn für die Bevölkerung darstellen wird - bei aller berechtigter Detailkritik.
Neue Perspektive
Von West nach Ost
Leuthener Platz
Das Kernstück der Ost-West-Spange ist nun zu betrachten: Die Brücke zwischen Wilhelm-Kabus-Straße und General-Pape-Straße wurde in zwei Nächten auf die Pfeiler gehievt und bietet nun ganz neue Perspektiven. Der Höhenunterschied zwischen Brückenende und Straßenniveau ist übrigens erheblich geringer als ich gedacht hatte, die noch zu bauenden Rampen müssen also keinen allzu großen Höhenunterschied überwinden. Die Wegeverbindung vom Leuthener Platz bis zur Wilhelm-Kabus-Straße ist zu erkennen und auch auf der Tempelhofer Seite wird ordentlich gebaggert, um eine Verbindung zur Gontermannstraße zu schaffen. Vermutlich ab nächstem Jahr kann zum Beispiel das Tempelhofer Feld innerhalb weniger Minuten erreicht werden. Das Teilstück vom Nordausgang des Bahnhofs Südkreuz bis zur sogenannten Ost-West-Spange ist dabei am weitesten vorangeschritten. Der Weg ist zumindest zum Teil asphaltiert und frisch gepflanzte Bäume flankieren ihn. Allerdings wird es bis zur Eröffnung wohl noch etwas dauern, da zumindest das nördliche Ende noch im Nichts endet. Auch das südliche Ende wird vermutlich noch für lange Zeit einen höchst provisorischen Eindruck machen, ist doch hier die Deutsche Bahn zuständig für die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Was Zusagen dieses Unternehmens zu Was-auch-immer wert sind, weiß jeder Bahnfahrer. Das Sammelsurium aus Müllsammelplatz und (teilweise) wildem Parken wird sicher noch einige Jahre Bestand haben. Auch die Durchquerung des Bahnhofs von Radfahrern und Skatern, die den anschließenden Weg entlang der Anhalter Bahn nutzen, birgt einigen Konfliktstoff und erscheint nicht von Beamten erdacht, die eines Tages zu den Nutzern zählen wollen..


Weg zur Gontermannstr.
Nördlich des Südkreuzes
Der Nordabschnitt der Schöneberger Schleife bis zum Gleisdreieck sowie der Flaschanhalspark werden voraussichtlich noch etwas auf sich warten lassen, hier ist von einem Zeitraum bis 2015 die Rede. Und ob die Schleife wirklich jemals zur Schleife wird, also auch die Torgauer Straße und der Wannseegraben mit einbezogen werden, ist zu bezweifeln. Von den notwendigen Grundstücksankäufen ist nichts mehr zu hören und Jahresangaben werden schon gar nicht gemacht.

Mittwoch, 30. September 2009

Die Schöneberger Schleife - mehr Grün für die Insel


Im Rahmen des Stadtumbau-West-Projektes soll eine großzügige Vernetzung von Grünflächen zwischen Potsdamer Platz und Südgelände entstehen. Profitieren werden davon Radfahrer, Skater, Spaziergänger und nicht zuletzt die Bewohner der Roten Insel. Theoretisch soll der Grünzug eines Tages von Pankow bis zum Fläming Skate reichen, aber vielleicht sollte man sich erst einmal auf die Realisierung im Berliner Raum konzentrieren, denn hier hakt es bereits genug. Der Weg führt durch den im Bau befindlichen Park am Gleisdreieck, wechselt an der Monumentenstraße die Seite der Bahntrasse und führt an dieser entlang zum Südkreuz. Der Leuthener Platz soll vergrößert werden und in seiner Verlängerung eine Brücke über den Bahngraben entstehen. Der Baubeginn für die Verbindung wird immer noch mit 2009 angegeben, aber diese Aussage darf wohl eher bezweifelt werden. Das Teilstück von der Brücke bis zum Bahnhof soll als erstes fertiggestellt werden, eingezwängt zwischen Bahngelände und einem gerade im Bau befindlichen "Großhandelsgebäude". Es ist kaum anzunehmen, dass der Weg unter diesen Voraussetzungen ein besonderes Schmuckstück wird. Vom Bahnhof aus soll eine Verbindung entlang der Torgauer Straße zum schon bestehenden Cheruskerpark entstehen. Die Baracken am Bahndamm sollen zugunsten eines Grünzuges abgerissen werden. Aber auch hier gibt es Schwierigkeiten: Das Bezirksamt hat es versäumt, die Grundstücke von einer Bahntochter rechtzeitig aufzukaufen. Diese hat sie kurzerhand an Privatpersonen veräußert, mit denen jetzt neu verhandelt werden muss. Die Torgauer Straße selbst soll übrigens zur Fahrradstraße werden, wie auch die Cheruskerstraße. Im Wannseebahngraben wird die Schleife schließlich wieder nach Norden geführt. Dass die Pläne zum Teil schon uralt sind, kann an der Langenscheidt-Brücke begutachtet werden. Die zugewucherten Treppenanlagen wurden schon vor einer halben Ewigkeit für eine Grünanlage im Bahngraben angelegt. Vielleicht werden sie in ein paar Jahren doch noch ihren Zweck erfüllen. Ob allerdings schon 2014 alles fertig ist, wie derzeit verlautbart wird, glauben wohl eher nur Berufsoptimisten.