Posts mit dem Label Gasometer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gasometer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 11. Juli 2015

Der E-Bus kommt

Der E-Bus vor dem Gasometer
Hier und da kann man die vier neuen gelben und etwas klobigen Busse der BVG bereits sehen, Fahrgäste werden sie allerdings erst ab September transportieren. Das Besondere an ihnen ist, dass sie vollständig elektrisch fahren und induktiv, also kabellos geladen werden. In den letzten Monaten wurden dazu am Bahnhof Südkreuz und am Zoo Ladestationen unter den Asphalt versenkt. Auf der Linie 204 werden die Busse dann hin und her pendeln quer durch Schöneberg und über die Insel und das als erste „komplette Innenstadtlinie einer europäischen Hauptstadt“, wie die BVG stolz vermerkt.
Ausnahmsweise ist die BVG und damit Berlin Vorreiter in zukunftsfähigen Technologien; dass elektrisch betriebene Autos die alten Stinker nach und nach verdrängen werden, ist anzunehmen und zu hoffen.
Auf der Ladestation am Südkreuz
Die Busse können maximal 65 Kilometer in der Stunde fahren, was in der Stadt wohl reichen dürfte, sind dafür aber momentan noch sehr teuer, da es sich um Einzelanfertigungen handelt. Sie sollen sehr ruckelfrei und angenehm fahren – ob das jedem Fahrer gefällt? Ab und zu beschleicht einen doch das Gefühl, dass so mancher seine Fahrgäste gerne etwas durchrüttelt zwecks Frustabbau. Den Passagier wird's jedenfalls freuen. Zudem sind sie natürlich extrem leise; die Batterien sind übrigens auf das Dach gepackt, daher wirkt das Gefährt auch noch etwas schwerfällig.
Zunächst wird das Projekt ein Jahr laufen, dass die E-Busse aber auch danach weiter auf dieser Linie fahren werden, ist ziemlich wahrscheinlich. Schließlich ist die teure Infrastruktur nun vorhanden, wie auch der Bus-Chef der BVG, Martin Koller, auf einer Info-Veranstaltung auf dem Euref-Gelände meinte.
Ob diese Art von E-Bus sich durchsetzten wird, ist völlig offen, schließlich gibt es einige Konkurrenz-Projekte und die Entwicklung ist längst nicht abgeschlossen. Aber in einigen Jahren werden elektrische Busse eine echte Alternative für die alten Dieselfahrzeuge sein, das dürfte sehr sicher sein.

Freitag, 17. Januar 2014

Der Gasometer verschwindet

Bald nicht mehr zu sehen: Der Gasometer wird zugebaut
Es ist ein wenig aus dem Fokus geraten, das Gasometer-Gelände, das sich Euref-Campus nennt. Letztes Jahr hat sich dort auch so gut wie nichts getan, von den vollmundigen Ansagen mit weiteren Neubauten ward nichts gesehen. Lediglich die Steuermillionen, die Ex-Baustadtrat Krömer in seinen letzten Amtsstunden Euref-Chef Müller genehmigte, wurden mit großem Hallo höchstoffiziell abgesegnet. 
Nur für Mitarbeiter: Tor zum Park
Doch seit einigen Wochen tut sich wieder so manches auf dem Gelände: Die ersten Erdarbeiten für die Planstraße, die durch ebendiese Millionensubventionierung gebaut werden soll, sind auf dem Gelände angelaufen (wann außerhalb der Mauern mit den Arbeiten begonnen werden soll, scheint noch in den Sternen zu stehen). 
Während die Vorbereitungen für das Haus in der Verlängerung zum ersten Neubau ins Stocken geraten zu sein scheinen (gerüchtehalber gibt es hier Probleme mit den angedachten Mietern), wird jetzt der zweite Neubau hochgezogen, und zwar an der Nordspitze auf der Höhe der bisherigen Tiefgarageneinfahrt. Das Gebäude mit seinen zehn Etagen und ca. 7.000m2 wird die Sicht auf den Gasometer vom Norden aus endgültig verstellen. Was Euref-Chef Müller vermutlich ganz recht sein wird, schließlich ist die vertraglich vereinbarte Sanierung erst einmal ad acta gelegt worden und die zunehmende Verrostung künftig nicht mehr so gut zu beobachten. Auch hier gilt der Satz „pacta sunt servanda“ eben nicht für Investoren mit dem Geld in den Taschen, dem richtigen Parteibuch und einem sehenswerten Netzwerk. Da kann man halt nichts machen, so die gängige Rede, die Bürgermeisterin macht sich lieber lächerlich und die Stadträte sind hilflos. Politiker aller Parteien geben sich auf dem Gelände regelmäßig die Klinke in die Hand, ernsthafte Kritik kann da nicht aufkommen.

Vorbereitungen für Neubau
Doch was geschieht eigentlich hinter dem Zaun? Das Gelände ist abgeschottet, die einstmals großmundig versprochene Offenheit des „Campus“ ist ausgeblieben. Ein kleines Türchen zur "Schmiede", in der ein Restaurant untergebracht ist, wurde zum Chreuskerpark hin eingesetzt, das Wachschutzschild daneben lädt aber nicht wirklich zum Besuch ein. Der Haupteingang wird von übellaunigen Pförtnern kontrolliert, die irgendwo in einem alten Berliner Keller konserviert worden sein müssen. Mitarbeiter des Campus nutzen seit einiger Zeit regelmäßig ein Tor an der Nordspitze mit eigenen Schlüsseln und zertrampeln dabei den Rasen des Cheruskerparks, schließen aber sorgfältig wieder hinter sich ab. Besucher aus dem Kiez nebenan scheinen weiterhin unerwünscht zu sein.

Eingang zur Alten Schmiede
Vielleicht gäbe es dort aber allerhand zu entdecken? Wer weiß schon aus der Umgebung, dass dort die bisher einzige Fahrrad-Ausleihstation von call-a-bike weit und breit untergebracht ist? Car-sharing der Firma flinkster wird angeboten, start-up-Unternehmen basteln hier vor sich hin und die Forschungen zur Energiewende durch die TU-Außenstelle und weiteren dort ansässigen Firmen sind durchaus ernst zu nehmen.

Die Mitarbeiter auf dem Campus scheinen jedenfalls von ihrer Arbeitsumgebung recht angetan zu sein und loben die Atmosphäre auf dem Gelände, die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Man muss die Machenschaften von Müller und die dort ansässigen Firmen voneinander trennen. Die Kritik an der zu dichten und unschönen Bebauung, der Verschwendung von Steuergeldern und der Verwahrlosung eines der herausragendsten Wahrzeichen Schönebergs bleibt davon unbenommen.

Es bleibt die Frage im Raum, ob der Campus weiter ein Fremdkörper im Kiez bleiben möchte oder sich öffnet. Und auch, ob wir Insulaner eine Öffnung überhaupt wollen, mit allen Konsequenzen. Die Gentrifizierung würde dadurch zumindest nicht verlangsamt.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Frau Schöttler fährt Kettenkarussell

Fährt gerne Karussell: Angelika Schöttler

Eine kleine Pressemitteilung des Bezirksamtes von heute zeigt ein Bild, das das Geschehen der letzten Jahre rund um das Gasometergelände nicht besser auf den Punkt bringen könnte: "... ließen es sich Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (....) und Reinhard Müller nicht nehmen, (...) eine Runde auf dem Kettenkarussell zu drehen."
Der EUREF-Investor fährt Karussell mit SPD-Frau Schöttler, er fuhr Karussell mit CDU-Mann Bernd Krömer und er fährt Karussell mit dem gesamten Bezirk.
Heraus kommt dabei so wunderbare Polit-Prosa wie: "Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler zeigte sich am Rande des Quartiersfestes begeistert von der Entwicklung, die der EUREF-Campus in den vergangenen Jahren gemacht hat."
Auch sehr schön zu lesen war kürzlich dieses: "Schneider Electric, Spezialist für Energiemanagement und Automation, hat eine neue Niederlassung im Gebäude „EUREF-Campus 12-13“ auf dem EUREF-Campus in Berlin eröffnet. Dabei handelt es sich um Europas erstes CO2-neutrales Stadtviertel." Wohlgemerkt: ein Haus wurde eingeweiht und sogleich zu einem ganzen Stadtviertel aufgebläht. Aber nicht genug, Frau Schöttler lässt sich zu Schneider auch noch so zitieren: "Das ist Corporate Sozial Responsibiliy in ihrer Reinform." 
Ich weiß nicht, wer das geschrieben hat, ob der Verfasser oder Frau Schöttler wissen, was "Corporate Sozial Responsibily" sein soll - ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass hier ungefiltert Propaganda aus dem EUREF-Haus übernommen wird und Frau Schöttler und der Bezirk dafür verantwortlich zeichnen.
Ich erwarte von einer Bürgermeisterin, dass sie sich für die Einhaltung von Verträgen einsetzt, nämlich für die Sanierung des Gasometers. Ich erwarte vom Bezirk, dass er nicht ohne Not Steuermillionen verschwendet. Ich erwarte von Bürgermeisterin und Bezirk, dass sie sich nicht für Propaganda von Investoren hergeben, die seit Jahren mit ihnen machen, was sie wollen.
Mein Fazit ist: Frau Schöttler ist im Bezirksbürgermeisteramt fehl am Platz.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Und er rostet und rostet und rostet...

Gasometer Schöneberg - der Rost nagt

Wer interessiert sich eigentlich noch für den Gasometer? So richtig anscheinend kaum jemand, schon gar nicht in Schöneberg. Die zahlreichen Hinweise der Bewohner, dass in Sachen Sanierung nichts geschieht, sind Bezirksamt und Parteien, so scheint es, herzlich egal. Auf eine Anfrage von mir letztes Jahr an sämtliche Fraktionen der BVV bekam ich lediglich eine Antwort der CDU mit der Zusage, das Thema im Stadtplanungsausschuss zu erörtern. Weder SPD und Grüne (die beide den Gasometer in ihren Partei-Logos führen und besser rausstreichen sollten), noch die Piraten, hielten es für notwendig, sich die Mühe zu machen, eine Bürgeranfrage zu beantworten.
Zur Erinnerung: Die Euref als Eigentümerin hatte sich in einem städtebaulichen Vertrag 2008 dazu verpflichtet, bis zum Februar 2014 die Sanierung des über hundertjährigen Baudenkmals abzuschließen. Mit großem Presserummel wurde im Mai 2011 der Öffentlichkeit gezielt Sand in die Augen gestreut mit der Aussage, jetzt gehe die Sanierung endlich richtig und aber ganz ganz wirklich los. Doch seitdem geschah ... nichts. Zumindest nichts sichtbares. Trotzdem meinte die Untere Denkmalschutzbehörde auf Anfrage im August 2012, sie sehe "keine Veranlassung anzunehmen, dass die Sanierung nicht fortgeführt und zeitgerecht abgeschlossen wird." Inzwischen musste auch Stadträtin Sibyll Klotz in der Januar-Sitzung der BVV zugeben, dass der Termin Februar 2014 nicht zu halten sei.  Zufrieden waren die Behörden übrigens auch damit, dass zwischen 2008 und 2009 folgende Maßnahme durchgeführt wurde: Die Sanierung eines Handlaufs!
Erneut hat Euref-Boss Müller also dem Bezirk eine Nase gedreht. Und erneut scheint der Bezirk machtlos zu sein, denn: "Der Vertag sieht - abgesehen von der Möglichkeit, die Genehmigung für die LED-Anlage zu widerrufen - ... keine Sanktionen ... vor", so die untere Denkmalschutzbehörde. Die Leuchtreklame existiert inzwischen nicht mehr, also ist die einzig mögliche Maßnahme perdu.
Die Euref übrigens sagt, dass alles "nach Plan" laufe und betont in der "Berliner Woche" das "gute Verfahren mit dem Bezirksamt". Die Aussage kann man allerdings verstehen. Ob die Eigentümerin tatsächlich zur Sanierung durch das Denkmalschutzgesetz gezwungen werden kann, wie es Sibyll Klotz andeutet, - und dann auch wird - erscheint bei der Vorgeschichte äußerst fraglich. So wird der Gasometer auch in den nächsten Jahren vor sich hin rosten und der Erhalt dieses Schöneberger Wahrzeichens wird zunehmend fraglich.
Interessant wäre es übrigens zu erfahren, wie Günther Jauch, der jeden Sonntag aus dem Gasometer sendet, zu dem Fall steht, setzt er sich doch sehr öffentlichkeitswirksam für denkmalgerechte Sanierungen und gegen Behördenwillkür ein. Etwas mehr Willkür wäre manchmal auch nicht schlecht.

Sonntag, 24. Juni 2012

Tagesspiegel berichtet über Filz am Gasometer


Der Tagesspiegel bricht endlich mit der Tradition der letzten Jahre der Berliner Presse, über die Vorgänge am Gasometer nur positiv zu berichten. Unter der Überschrift "Freie Fahrt zu Fördermitteln" wird das filzige Verhalten von Ex-Baustadtrat und Jetzt-Innenstaatssekretär Krömer zusammengefasst und auch in einem knappen Abschnitt die schleppende (bzw. vermutlich überhaupt nicht stattfindende) Sanierung erwähnt.
Auch im Abgeordnetenhaus sind die Vorgänge inzwischen Thema geworden. Die Grünen Claudia Hämmerling und Antje Kapek sprechen offen von Filzverdacht und Erstere hat eine kleine Anfrage eingebracht. Der SPD-Abgeordnete Lars Oberg äußert sich im Tagesspiegel seit langer Zeit wieder einmal öffentlich zum wichtigsten Thema in seinem Wahlkreis und wirft Investor Müller "Wortbruch" vor. Ob Krömer wirklich "unter Druck" gerät, wird auch davon abhängen, ob Politik und Presse am Thema dranbleiben.

Dienstag, 5. Juni 2012

Licht aus!

Prototyp Reihenleuchte
Mehr Elektro-Licht! Das fordert der rot-schwarze Senat in seiner Koalitionsvereinbarung und einmal mehr droht Berlin der Verlust einer historischen Tradition und eines typischen Merkmals seines Stadtbildes durch ökonomisch begründeten Kahlschlag. Gerade in Schöneberg bündelt sich die Geschichte der Straßenbeleuchtung in mehrfacher Hinsicht. Berlin war Innovationsmotor in Sachen Beleuchtungstechnik - der Gasometer auf der Roten Insel war nur einer unter vielen im ganzen Stadtgebiet zur Produktion des Gases, das durch ein flächendeckendes Rohrleitungssystem „gepumpt“ wurde. Spezielle Lampen, Masten und deren Technik wurden auch in Berlin entwickelt und weltweit exportiert. 
44.000 gasbetriebene Straßenlampen sollen nun abgeschafft werden, nur vereinzelt an historischen Plätzen werden manche erhalten, wo und wie viele ist Verhandlungssache bzw. bleibt dem Gutdünken der Bezirksverwaltungen überlassen. Nicht nur das unverwechselbare schöne Licht soll verschwinden, auch die zeitlos eleganten Lampen und Masten werden durch billige Ausführungen ersetzt. Alles unter dem Primat der Sparpolitik, ergänzt durch das Totschlagargument Umweltschutz - Gutachten sprechen von einem wesentlich höheren CO2-Ausstoß der Gasleuchten. Dass die Preisangaben vom Stromerzeuger Vattenfall stammen, der wesentlich an der Umrüstung verdienen wird, und eine Berechnung der energetischen Gesamtbilanz fehlt, sei nur am Rande erwähnt. 
Noch einmal zum Schöneberger Gasometer: Ein Abbau der Gasleuchten entlang der Torgauer Straße wäre nicht nur aufgrund der industriehistorischen Bedeutung des Geländes ein Frevel. Bei den Peitschenmasten handelt es sich um den Prototyp der Reihenleuchten, von denen noch 8.400 in Berlin existieren. Im weiteren Verlauf der Straße wurden bereits vor einigen Jahren Elektrolampen neben die alten Gasleuchten gesetzt. Welche Beleuchtung schöner und welche Ausführung die elegantere ist - die Auswahl fällt wahrlich nicht schwer und kann vor Ort begutachtet werden. Es wäre ein Jammer, wenn gerade an diesem historischen Ort die alte Beleuchtung der fragwürdigen Sparpolitik zum Opfer fallen würde. Auch im Rahmen der Sperrung und des Rückbaus der Torgauer in den nächsten Jahren wäre es schön, wenn weiter warmes Gaslicht den Weg beleuchten würde auf dem Weg Richtung Sachsendamm und Bahnhof Schöneberg. 

Alt und Neu nebeneinander - keine Frage des Geschmacks 

Donnerstag, 24. Mai 2012

Wikileaks auf Schöneberger Art

Die notarielle Beurkundung vom Juli 2009
Die BI Gasometer macht sich immer wieder verdient mit ausführlichen Darstellungen rund um die EUREF und Investor Müller. Eine der zahlreichen Ungereimtheiten mutet wie ein Bubenstück an, wurden doch aufgrund von willfährigen Politikern wie dem ehemaligem CDU-Baustadtrat Krömer oder dem damaligen für Tiefbau Schworck (SPD) ohne Grund gültige Verträge zu Lasten der öffentlichen Hand über Bord geschmissen und der EUREF ein weiteres Mal der rote Teppich ausgerollt. Konkret geht es um die Erschließungsstraße unter der Ringbahn hindurch zum Gasometergelände, die ursprünglich in vollem Umfang von Müller bezahlt werden sollte. Aufgrund einer "extremen Kostenexplosion" (statt fünf jetzt neun Millionen) sollen nun 60% aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden. Trotz jahrelanger Beteuerungen und Versprechungen. Die Ausrede, dass der Bezirk nicht belastet würde, mag zwar stimmen, der Steuerzahler muss aber dennoch blechen.
Wenn man dieser Tage die Torgauer Straße entlang läuft, kann man einen interessanten Aushang an einem der Tore der verlassenen Grundstücke entdecken, beinahe auf Höhe der geplanten Straße. Es handelt sich dabei um eine Kopie der notariellen Beurkundung zwischen Krömer und Müller vom 10. Juli 2009; zwölf kopierte Seiten akkurat aufgehängt. Der unbekannte Plakatierer hat dabei die interessanten Stellen dankenswerter Weise gleich angestrichen, vor allem die auf Seite 9: ".... entstehenden Kosten für die Errichtung der für die Erschließung des Baugebiets erforderlichen Überführung der Bahntrasse einschließlich der aus der zwischen Berlin und der DB abzuschließenden Planungsvereinbarung entstehenden Kosten (inklusive ggf. entstehender Kostenerhöhung) .... werden ebenfalls vom Vorhabenträger getragen."

Manche Stellen wurden geschwärzt
Fein säuberlich aufgehängt
Insgesamt zwölf...

Seiten des Dokuments

Die wichtigste Stelle markiert

Wikileak auf...

...Schöneberger Art
Es bleibt festzuhalten: Ein gültiger Vertrag zwischen Bezirk und Investor wurde ohne zwingenden Grund zu Lasten der öffentlichen Hand von Bezirkspolitikern gekippt, das alles in Zeiten der viel beschworenen knappen Kassen und Mittelkürzungen.
Ob dieses Dokument für die Öffentlichkeit bestimmt ist oder nicht, ist mir unbekannt. Interessant finde ich es als Bürger allemal - daher erlaube ich mir auch, den unbekannten Plaketierer in seiner etwas unkonventionellen Art der wikileakartigen Veröffentlichung zu unterstützen.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Nach dem Flimmern kommt das Leuchten

Ja ist denn schon Weihnachten?
Nachdem vor einigen Monaten der unsägliche Nightscreen vom Gasometer abgebaut wurde - EUREF-Chef Müller musste wohl endgültig einsehen, dass das flimmernde Ungetüm auch wirtschaftlich ein Flop ist -, leuchten nun seit Sonnabend 13 (!) überdimensionierte Sterne plus Firmenschriftzug über den Schöneberger Nachthimmel und darüber hinaus. Abgesehen davon, dass das EUREF-Signet aussieht, als hätte eine Grundschulklasse es im Malunterricht nebenbei entworfen, wird der Gasometer einmal mehr fürchterlich verunstaltet. Und wieder stellt sich die Frage, ob bzw. wie sehr der Denkmalschutz missachtet wurde. Aber egal was Müller macht, er kann sich beim Bezirksamt von Tempelhof-Schöneberg sicher sein, die Genehmigung notfalls im Nachhinein zu bekommen und dieses am Nasenring durch die Manege ziehen zu können. So ist nach wie vor nicht klar, ob außer den öffentlichkeitswirksamen Farbklecksen zu diversen Presseterminen überhaupt mit der Sanierung des Gasometers begonnen wurde; Anfragen bei der unteren Denkmalschutzbehörde werden ignoriert. Bei der Schlafmützigkeit unserer Verwaltung wäre es nicht verwunderlich, wenn es in einigen Jahren heißt: Abriss unvermeidbar - Müller würde zusätzliches wertvolles Bauland gewinnen. Bis dahin rostet das Stahlgerüst still vor sich hin und leuchtet grell in die Nacht hinaus.

Donnerstag, 12. April 2012

Schöneberger Schleife - nächste Runde

Räumung noch dieses Jahr? Torgauer Straße
Am Donnerstag, den 19.4. veranstaltet das Bezirksamt die nächste Informationsveranstaltung zur Schöneberger Schleife. Als Themen werden in der Einladung die Querung des Wannseebahngrabens genannt sowie der "Grünzug zwischen Cheruskerdreieck und Torgauer Straße". Da das Cheruskerdreieck an die Torgauer Straße grenzt, ist mit dieser seltsamen Formulierung vermutlich der Grünzug entlang der Torgauer Straße sowie die Erweiterung des Parks auf dem Dreieck gemeint. Die Stadträte Klotz und Krüger werden es wohl genauer erklären. Erwarten kann man zum ersten mal genauere Pläne, was mit den Flächen genau geschehen soll und wann die ersten Arbeiten beginnen werden. Diese werden wohl zunächst der Abriss der alten Baracken sein sowie eine umfangreiche Altlastensanierung des Bodens. Ob es auch Erläuterungen gibt, ob und wann die Zufahrtsstraße zum Gasometer gebaut wird, wer das bezahlt und ob die Torgauer überhaupt zeitnah geschlossen werden kann, bleibt abzuwarten. Ort: Rathaus Schöneberg, Raum 195. Zeit: 18 Uhr.

Dienstag, 20. März 2012

Fundstück: Die Bürgermeisterin ist hocherfreut

Nein, wir befinden uns nicht im Jahr 1986 im Bezirk Weißensee, wir befinden uns im Jahr 2012 in der demokratischen Bundesrepublik Deutschland. Trotzdem ist dieser Text im besten ADN-Sprech als Pressemitteilung des Bezirks veröffentlicht worden: "Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler zeigt sich hocherfreut, dass noch in diesem Jahr die TU ihren neuen Campus auf dem EUREF Gelände beziehen wird." Garniert wird der Text mit einem Foto, wie sich Bezirksbürgermeisterin zusammen mit EUREF-Chef Müller hocherfreut zeigt. Müller dürfte auch hocherfreut sein, so ist zu vermuten. Erreicht doch die Speichelleckerei des Bezirks mit dieser Veröffentlichung einen neuen Höhepunkt.
Die Anwohner und die Bürger des Bezirks sind nicht hocherfreut, weil:
Wie bei der BI Gasometer nachzulesen ist, wurde das Versprechen Müllers und der Verantwortlichen im Bezirk gebrochen, dass die geplante Straßenverbindung vom Sachsendamm aus Müllers Tasche voll finanziert werden soll. Der Steuerzahler wird jetzt doch herangezogen.
Die mehrfach wiederholte Zusage, dass sämtlicher Verkehr über den Sachsendamm geleitet werden und die Insel von zusätzlichem Verkehr verschont werden soll, wurde ebenfalls von Müller und dem Bezirk gebrochen. Das wohlfeile Wahlversprechen (ganz vorne die SPD), die Torgauer Straße zur Insel zu schließen, ist Makulatur. Die Straßenverkehrsbehörde hat die Sperrung abgelehnt, da der Sachsendamm zu stark belastet würde. Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Der Sachsendamm muss entlastet werden, indem der zusätzliche Verkehr, inklusive Baustellenfahrzeuge, über die Insel geleitet werden MUSS. Solange, bis Müller sich dazu bequemt, die Zufahrtstraße zu bauen. Die ganze Misere ist ebenfalls bei der BI schön nachzulesen.
Dies bedeutet wiederum, dass die Erweiterung des Cheruskerparks nach Süden auf unbestimmte Zeit verschoben ist.
Dass diese Punkte von der Bürgermeisterin angesprochen werden, erwarte ich als Bürger, nicht nette Fotos von hocherfreuten Bürgermeisterinnen und Investoren. Vielleicht könnte sie sich auch mal erkundigen, was eigentlich die Sanierung des Gasometers macht. Zu sehen ist von Arbeiten seit Mai 2011 nichts und die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks ignoriert Anfragen von Bürgern.

Freitag, 20. Januar 2012

Boomtown Südkreuz? Eine Bestandsaufnahme

Kräne am Gasometer
Wir befinden uns im Jahre 2012 n. Chr. Ganz Berlin ist von Immobilienspekulanten besetzt. Ganz Berlin? Nein! Eine von unbeugsamen Berlinern bevölkerte Insel hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.
So ähnlich könnte man die Lage auf der Roten Insel beschreiben. Wobei ich ehrlicherweise eigentlich schreiben müsste, dass unser Kiez bislang von den Immobilienspekulanten und dem dazugehörigen Schwarm der sprichwörtlichen Schwaben, die in der Hauptstadt von einem Bezirk zum anderen ziehen und eine Spur von totsanierten öden Luxusquartieren hinterlassen, schlichtweg übersehen wurde. Zum Glück.
Einige Artikel in der Hauptstadtpresse der letzten Tage lassen nun aufhorchen. Da ist davon die Rede, dass der Potsdamer Platz für Gewerbeimmobilien uninteressant geworden sei. Die neuen Renner seien Mediaspree, das Gebiet am Hauptbahnhof - und das Südkreuz. Das Südkreuz? Von welchen Immobilien könnte denn hier in der Ödnis die Rede sein?
Ein wenig Sanierung
Zunächst einmal: Wer ist eigentlich diese Firma "Jones Lang Lasalle", die zu der Aussage kommt, dass die Nachfrage nach Immobilien hier so gewaltig sei? Wikipedia gibt Auskunft, dass es sich um ein Finanz-, Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen handelt. Sucht man etwas weiter, trifft man auch schon schnell auf die EUREF-Seiten, wo unter anderem "Jones Lang Lasalle" als eine Kontaktadresse zur Vermietung am Gasometer genannt wird. Dass es sich hier also um einen geschickten PR-Trick handelt, die Immobilien als stark nachgefragt zu bezeichnen um erst diese Nachfrage zu erzeugen, ist wohl eindeutig.
Tempelhofer Weg - Tristesse pur
Aber kommen wir einmal zu den Fakten. Da ist das Gasometer mit seinem Investor Reinhard Müller, von dem hier schon häufig die Rede war. Richtig ist, dass sich tatsächlich seit einigen Wochen die Kräne auf dem EUREF-Gelände drehen für den ersten Neubau, in den nach Angaben auf der Homepage der französische Konzern Schneider Electric als Hauptmieter einziehen wird. Glaubt man den Angaben, liegt der Vermietungsstand bei 65%. Und da liegt er seit gut einem halben Jahr. Selbst der Schönredner Müller vermag also nicht in Jubelarien auszubrechen. Für weitere drei Gebäude liegen Baugenehmigungen vor, wann hier die Bagger anrollen sollen oder wie stark die Nachfrage in Wahrheit ist, darüber wird geschwiegen. Für alle weiteren Bauten müsste Müller einen Batzen Geld in die Hand nehmen und für eine vernünftige Zufahrt vom Sachsendamm unter der Ringbahn hindurch sorgen. Hier sind noch einige Kämpfe mit Bahn und Bezirk zu erwarten, steht doch mit der neuen grünen Stadträtin Klotz endlich eine kompetente Frau der EUREF entgegen, die die (vertraglichen) Rechte des Bezirks und seiner Bewohner hoffentlich besser vertritt als ihr Vorgänger.
Festzuhalten gilt: Von den einst hochfliegenden Plänen ist nicht viel übrig geblieben. Vollmundig tönte der Möchtegern-Großinvestor einst von einer Baustelle, die noch gewaltiger als einst am Potsdamer Platz sein würde. Dennoch könnte sich schrittweise über die nächsten Jahre auf dem Gelände einiges entwickeln, nicht zuletzt auch, weil der Gasometer seit einigen Monaten jeden Sonntag über den Bildschirm flimmert und somit zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich zieht, da Günter Jauch hier sein Zelt aufgeschlagen hat.
Einsam, öd und leer
Abseits vom Gasometer, auf der Schöneberger Linse, herrscht allgemeine Tristesse. Am Tempelhofer Weg werden gerade einige Gebäude saniert, wo hier aber wer ansonsten Interesse an Gewerbeimmobilien haben könnte, erschließt sich nicht. Von den seit Jahren existierenden Plänen für Hotels, Convention Centern (zu Deutsch: Kongresscenter), Kinos, Busbahnhof, Theater und gar Shoppingmall ist bislang überhaupt nichts, nicht einmal ansatzweise, verwirklicht worden. Mit etwas gutem Willen kann der Neubau von Iden an der Wilhelm-Kabus-Straße als Erfolg gewertet werden; nebenan entsteht gerade ein flacher kleiner Betonbau, wer hier einziehen wird, ist noch unbekannt. Und selbst das Südkreuz ist eigentlich noch unvollendet. Ursprünglich als "Autofahrerbahnhof" konzipiert mit zwei großen Parkhäusern über den Gleisen ist ein mickriges Parkdeck übrig geblieben - zwar ist ein Ausbau weiterhin möglich, aber ein Investor auch hier nicht in Sicht. Zudem ist der Wiederaufbau der Dresdner Bahn, die als Zubringer zum neuen Flughafen eigentlich unumgänglich ist, durch Unfähigkeit und Desinteresse von Senat und Bahn in sehr weite Ferne gerückt. Auf dem zukünftigen Flughafenexpress können somit die Züge nur alle 30 Minuten über einen Umweg rollen statt wie geplant im 15-Minuten-Takt.
Doch wie könnte es weiter gehen? Die nächsten ein bis zwei Jahre werden vermutlich entscheidend sein. Durch die Eröffnung des Willy-Brandt-Airports wird sich das Gesicht Berlins entscheidend verändern, das Südkreuz wird für viele Reisende erste Station auf Berliner Gebiet sein. Es könnte sein, dass aufgrund von (zu erwartenden) Engpässen auf der Bahn und Staus auf der A100 sehr schnell Handlungsbedarf in Sachen Dresdner Bahn erkannt wird und auch die Vervollständigung der Parkhäuser wieder ins Gespräch kommt. Das Gebiet der Linse hätte mit Bahnhof und Gasometer zwei Ausgangspunkte, von denen aus sich die Brachflächen tatsächlich nach und nach mit Neubauten für Büros oder gar Hotels füllen könnten. Sollte die Entwicklung tatsächlich so verlaufen, wären Auswirkungen für das Wohngebiet der Insel wohl unvermeidlich, die Ringbahn als Puffer würde kaum ausreichen und auch hier würde der Gentrifizierungsprozess seine Spuren hinterlassen.
Noch ist das Zukunftsmusik, es kann auch alles anders kommen. Aber dass unsere Insel auf Dauer von Immobilienspekulanten übersehen wird, ist wohl nur frommes Wunschdenken. Auch wenn wir weiter tapfer Widerstand leisten. Beim Teutates!

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Nicht nur ein Eisenbahnmaler: Hans Baluschek

Selbstbildnis

Großstadtbahnhof (1904)
Wohnhaus Cheruskerstraße 4
Vom Kaiser wurde er als "Rinnsteinkünstler" bezeichnet, von den Nazis verfemt, erst in letzter Zeit richtet sich die Aufmerksamkeit wieder auf den Maler, Grafiker und Schriftsteller Hans Baluschek. Schöneberger sind vermutlich schon auf den Namen durch die nach ihm benannte Grünanlage zwischen Südkreuz und Bahnhof Papestraße oder durch die Gedenktafel an den Ceciliengärten auf ihn gestoßen. Weniger bekannt ist, dass der 1870 in Breslau geborene Künstler auch auf der Roten Insel gewohnt hat: von 1895 bis 1898 in der Gotenstraße 4, danach bis 1907 in der Cheruskerstraße 5. Gerade diese Adresse ist interessant, malte Baluschek doch äußerst gerne Eisenbahn-, Großstadt- oder Industrieszenen. Von seiner Wohnung aus überblickte er die technischen Anlagen der Gasanstalt sowie die Gleise der Berlin-Schöneberger-Potsdamer Eisenbahn mitsamt der Cheruskerkurve. Der Schriftsteller Georg Hermann (1871-1943) beschrieb das Atelier Baluscheks folgendermaßen: "Oben in Schöneberg war es, in irgendeiner Straße, die nach irgendeinem vorsintflutlichen Germanenstamm benannt war und eine lange, kalte Fassadenreihe in dem Schwindelstil der neunziger Jahre zeigte. (...) Irgendwo da ganz hoch oben wohnet Baluschek, und von seinem Fenster aus hatte man einen weiten Blick über ein endloses Gelände sich kreuzender Eisenbahnschienen, von denen etliche weit hinaus in das Land führten, während andere wieder in kurzem Bogen hinter der Häuserreihe verschwanden. Und eingekeilt zwischen diesen Schienensträngen lagen die wirren Gebäude, lagen die Riesenkuppeln der Gaswerke, lagen all die seltsamen maschinenartigen Anlagen, die zwischen den Kohlenbergen das Gesamtbild einer großen Gasanstalt ausmachen. Unaufhörlich schoben sich die Züge heraus, und unaufhölrlich rollten sie fort. (....) Und über dem ganzen Bild lag weit und breit der trübe Himmel der Großstadt. Überall wehte und flammte Rauch empor (....) Immer war in diesem Bilde etwas von der grandiosen Melancholie, die nur das tausendfache, namenlose Leben der Großstadt kennt." Ein Bild, das man sich heute nur mit viel Phantasie vorstellen kann angesichts der zugewachsenen Bahnanlagen und der ruhigen Kiezatmosphäre.
Ansicht heute
Cheruskerkurve
Der Schöneberger Gasometer findet sich auf vielen Arbeiten Baluscheks, so auch als Illustration seiner "Großstadtgeschichten" mitsamt einer der wenigen Darstellungen der Cheruskerkurve. Auch wenn seine Darstellungen keine originalgetreue Wiedergabe sein sollen, vermitteln sie doch eindrucksvoll die Atmosphäre der Zeit aus Sicht der kleinen Leute, des Proletariats. Seine Kunst zeichnet sich entgegen der damaligen Mode des Expressionismus durch einen beeindruckenden Realismus aus und verzichtet weitgehend auf radikale Verfremdungen.
Hans Baluschek blieb Schöneberg auch später treu und wohnte in der Vorberg-, Akazien- und Hauptstraße, bevor der spätere Sozialdemokrat in den neu gebauten Ceciliengärten eine Atelierwohnung zur Verfügung gestellt bekam. Nach der Machtergreifung der Nazis zog sich Baluschek zurück und starb 1935; sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Stahnsdorf. Wer sich ein umfassendes Bild machen möchte, sei die aktuelle Ausstellung im Bröhan-Museum empfohlen.

Samstag, 26. November 2011

Rot-Grünes Tempelhof-Schöneberg

Bürgermeisterin Schöttler
Während auf Landesebene der Rot-Grüne Traum durch das selbstherrliche Gebaren unseres Regierenden schnell zerplatzt ist (auch wenn die Grünen momentan alles dafür tun, diese Tatsache erfolgreich zu verschleiern), geht die BVV im Schöneberger Rathaus den umgekehrten Weg: weg von der Großen Koalition zu Rot-Grün, auf Bezirksebene Zählgemeinschaft genannt. Hauptgrund: Die SPD hätte den Bürgermeistersessel an die nun stärkere CDU abgeben müssen. Am Mittwoch wurde nun das neue Bezirksamt gewählt, mit einem sehr erfreulichen Ressortzuschnitt. Neue Bürgermeisterin wurde Angelika Schöttler (SPD), die zweite starke Frau ist nun Sibyll Klotz von den Grünen, die neben den sozialen Aufgaben auch das Stadtentwicklungsamt übernimmt, also Nachfolgerin von Bernd Krömer (CDU) wird, der vermutlich Staatssekretär im Senat wird. Oliver Schworck (SPD) bleibt mit einem anderen Ressortzuschnitt, neu hinzu kommen von der CDU Daniel Krüger (u.a Tiefbau) und Jutta Kaddatz (Bildung). Die exakten Aufgabenbereiche können hier nachgelesen werden.
"Superstadträtin" Klotz
Vor allem an Frau Klotz werden nach den Krömer-Jahren hohe Anforderungen gestellt hinsichtlich des Gasometers-Geländes auf der Roten Insel und der Einhaltung der Verträge mit Investor Müller. Hier besteht einiger Prüf- und Handlungsbedarf, die Anwohner möchten endlich wissen, wie der aktuelle Stand bei der Sanierung des Gasometers ist, bzw. ob hier überhaupt schon etwas außer Ankündigungen und Verschleierungen geschehen ist. Auch die Straßenanbindung des Geländes wird Thema der nächsten Jahre sein.
Interessant ist ein Blick in die Rot-Grüne Zählgemeinsachaftsvereinbarung. Unter dem Stichpunkt Gasometer ist zu lesen: "Wir treten dafür ein, dass der BVV-Beschluss vom 18.5.2011 (Ds-Nr. 1805/XVIII) umgesetzt wird. Demnach soll die Torgauer Straße in Höhe Cheruskerstraße für den Verkehr zügig baulich geschlossen werden. Wir stehen zu den geltenden Verträgen ebenso wie zu unseren Grundsätzen von Transparenz und Beteiligung. Wir werden darauf achten, dass die durch den Vorhabenträger eingegangenen rechtlichen Verpflichtungen eingehalten werden."
Eigentlich Selbstverständlichkeiten (warum muss eigentlich ein Beschluss gefasst werden, einen Beschluss umzusetzen? Und wer setzt dann den Umsetzungsbeschluss für den Beschluss um?), immerhin werden die Schwierigkeiten der letzten Jahre hier relativ deutlich genannt.
Noch einige Wörter zu den im Papier genannten Verkehrsplanungen: Besonders erfreulich ist der Stellenwert, der dem Fahrradverkehr eingeräumt wird. Tempelhof-Schöneberg gilt bislang mit Recht als der fahrradfeindlichste Bezirk Berlins. Konkret genannt werden die "schwierigen Situationen" am Bülowbogen (Radler werden seit Jahren in den Gegenverkehr geleitet) und das Dauerärgernis am S-Bahnhof Priesterweg (eine Lücke im Radnetz von vielleicht 200 Metern wie einst die legendäre Lücke in der Belziger Straße; der Umbau der Sembritzkistraße durch Steglitz-Zehlendorf erfolgt gegenwärtig). Hinzu sollen kommen Radspuren u.a. in der Schöneberger Straße und Alt-Tempelhof, geprüft werden soll die Einrichtung auf der Rheinstraße und Hauptstraße bis zum Insbrucker Platz sowie in der Kolonnenstraße. Zur Umsetzung der Maßnahmen, die immerhin eine komplette DinA4-Seite einnehmen, soll eine zusätzliche Ingenieurs-Stelle geschaffen werden.
Ich wünsche dem neuen Bezirksamt viel Erfolg und viele glückliche Händchen!

Mittwoch, 9. November 2011

Müllers Marionette geht

Noch-Baustadtrat Krömer. copyright: CDU-TS
Auf diese Nachricht dürften einige Bezirksamts-Mitglieder gehofft haben: Baustadtrat Bernd Krömer tritt ab! Nachdem SPD und Grüne sich auf die Wahl Angelika Schöttlers als neue Bürgermeisterin geeinigt haben, zieht sich der CDU-Kandidat ganz aus dem Bezirksamt zurück. Ob er sich Hoffnungen auf einen Posten im Rot-Schwarzen Senat macht - darüber kann spekuliert werden, Krömer ist im Nebenjob CDU-Generalsekretär und daher nicht ganz ohne Einfluss. 
Einfluss hat er in den letzten Jahren auch maßgeblich auf die Planungen auf dem Gasometergelände genommen, die Liste der Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten ist lang und kann hier nachgelesen werden. Dem Vernehmen nach waren seine Untergebenen im Bezirksamt zunehmend entnervt vom Gebahren ihres Chefs, Zuständigkeiten im Zusammenhang mit Gasometer-Investor Reinhard Müller an sich zu ziehen. So stockt offensichtlich die Planung für die südliche Erweiterung des Cheruskerparks rund um die Torgauer Straße durch die gezielte Verschleppung der Planungen für die (vertraglich festgesetzte) Zufahrtsstraße vom Sachsendamm unter der Ringbahn durch auf das EUREF-Gelände. Müller möchte offensichtlich zu Lasten von Fußgängern und Radfahrern die Straße kleiner dimensioniert haben um Kosten zu sparen. Vermutlich wäre er auch nicht traurig, müsste er sie gar nicht bauen. Es liegt nun in den Händen des (noch unbekannten) neuen Stadtrats und der neu gewählten BVV, der Willkür der letzten Jahre endlich einen Riegel vorzuschieben. 
So auch bei der Sanierung des Gasometers. Bislang wurden lediglich bei Presseterminen ein paar Farbkleckse vorgeführt und behauptet, jetzt gehe es endlich (nach zwei Jahren "Untersuchungen") los. In der Realität wurde letztens sogar das Alibi-Gerüst abgebaut; von tatsächlichen Arbeiten - bis auf den Einbau eines Fernsehstudios - ist weit und breit nichts zu sehen. Es würde nicht verwundern, wenn Krömer bislang als einziger einen Pinselstrich bei einem der zahlreichen Fototermine der letzten Jahre getätigt hätte. So ist aber der Zerfall des Schöneberger Wahrzeichens vorprogrammiert. Die Anwohner werden beobachten, wie der Nachfolger Krömers mit der Causa Gasometer umgehen wird.

Mittwoch, 7. September 2011

Erwischt: Baustellenfahrzeuge fahren doch über die Insel

Laster auf dem Weg auf die Insel
Auf dem Weg zum Bahnhof Schöneberg gelang mir am Montag dieser zufällige Schnappschuss eines Lasters vom Gasometergelände kommend, der beweist, dass entgegen aller Beteuerungen und Versprechungen die Baustellenfahrzeuge des EUREF-Geländes eben doch über die Insel rumpeln und nicht Richtung Dominicusstraße abbiegen. Eine weitere Täuschung von Bauträger, Politik und Verwaltung der Anwohner, ein weiteres Versagen des Bezirks, der es nicht schafft, die längst beschlossene Schließung der Torgauer Straße in die Tat umzusetzen. Wetten, dass auch dieser Vertragsbruch keine Fokgen haben wird?!

Dienstag, 6. September 2011

Ab jetzt immer wieder Sonntags: Jauch im Gasometer

Ab kommenden Sonntag werden mehrere Millionen Fernsehzuschauer Woche für Woche auf der Roten Insel zu Gast sein, bei Günther Jauchs Talkshow mit dem überraschenden Namen "Günther Jauch". Im Vorspann steht unser Wahrzeichen, der Gasometer, im Mittelpunkt, so viel Aufmerksamkeit war wohl noch nie. So konnte in den letzten Tagen auch einiges gelesen werden über den als Fernsehstudio noch unbekannten Ort, ob im Spiegel, Stern, Welt oder Tagesspiegel und natürlich war auch die Abendschau gestern bei der Präsentation zu Gast. Treffend ist die Beschreibung Jauchs der Umgebung, dass sie nichts "Geschlecktes" habe, aber auch nicht Nord-Neukölln sei, auch wenn 200 Meter weiter die Dönerbuden anfangen. Trotz der fürchterlichen Container (vielleicht findet sich dafür ja irgendwann noch eine andere Lösung): Herzlich Willkommen und viel Erfolg!

Donnerstag, 14. Juli 2011

Es wird laut

Abriss vor Neubau

Ohne Ohrstöpsel wird man sich in der nächsten Zeit kaum auf die Wiesen im Cheruskerpark legen können. Die Euref hat den Baustart für dem ersten Neubau auf dem Gasometergelände verkündet, wobei zunächst einmal ein Altbau abgerissen wird. Gebaut wird das Gebäude Nr. 7 in der nordwestlichen Ecke des Geländes, Baugenehmigungen liegen auch für die Gebäude Nr. 8 und 15 vor - Ruhe wird in den nächsten Jahren nicht einkehren, wenn es so läuft, wie es sich Investor Müller vorstellt. Bis Ende 2012 sollen auf 2.100 qm 12.700 qm Bürofläche entstehen - die Berliner Traufhöhe wird mit neun Geschossen deutlich überschritten und den Charakter des Geländes nachhaltig beeinflussen. Wie die weiteren Pläne aussehen, bleibt zunächst Geheimnis der Euref.
Immerhin scheinen die Arbeiten zur Sanierung des Gasometers nach jahrelanger Verspätung tatsächlich endlich begonnen zu haben - wenn das Hämmern um den Stahlkoloss herum nicht zum Einbau von Jauchs Fernsehstudio gehört.



Samstag, 2. Juli 2011

Torgauer-Entscheidung

Sperrung beschlossen
Die Entscheidung ist zwar schon längst gefallen, aber die Abstimmung auf diesem Blog hat den Willen der Anwohner zur Schließung der Torgauer Straße ab der Cherusker Straße zum Gasometergelände nochmals unterstrichen. Von 42 Teilnehmern haben sich insgesamt 33 für eine Schließung ausgesprochen; 23 - und damit knapp über die Hälfte - für eine sofortige mit späterem Umbau zu einem fuß- und fahrradfreundlichem Weg, sechs wollen eine sofortige Sperrung mit Erhalt des Kopfsteinpflasters, vier erst eine gründliche Diskussion vor einer Sperrung und immerhin elf (25%) sprechen sich für eine Offenhaltung aus.
Die BVV hat nach dem üblichen Parteienhickhack bereits im Mai die Schließung beschlossen. Wann diese auch tatsächlich durchgeführt wird, werden wir gespannt abwarten. Wer ist schneller: Müller mit dem Bau seiner Hochhäuser oder der Bezirk mit der Errichtung von fünf Pollern? Bislang ist noch keiner aus den Startlöchern gekommen.

Samstag, 28. Mai 2011

Abstimmung: Was soll mit der Torgauer Straße geschehen?

Sperrung oder Nicht-Sperrung?
Über die Zukunft der Torgauer Straße wurde in den letzten Wochen auf diesem Blog teilweise kontrovers diskutiert. BVV-Mitglied Axel Seltz wies auf einen SPD-Antrag hin, die Torgauer Straße zu sperren, was die Grünen verhindert hätten. Ein anderer Kommentar wies auf den schlechten Zustand der Straße sowie die nach wie vor ungeklärte Zugangssituation zum Gasometergelände hin, worauf Axel Seltz wiederum antwortete, dass vor 2012 eh kein Geld zur Umgestaltung vorhanden und eine schnelle Sperrung sehr dringlich sei. Zwei weitere Kommentare befassten sich kontrovers mit dem Kopfsteinpflaster, das für Radfahrer ein extrem ungemütliches Hindernis darstellt. Es wurde zum einen für den Erhalt der inzwischen für Berlin seltenen Pflasterung plädiert, zum anderen für eine bequemere Lösung, da die Verbindung zur Dominicusstraße nun einmal die schnellste sei.
Ich befürchte einen langen Hickhack um die Sperrung und stimme Herrn Seltz zu, dass eine schnelle Schließung zunächst vordringlich wäre. Das Kopfsteinpflaster ist zumindest im westlichen Teil kaum zu vertreten, ist doch alleine schon der Gehweg viel zu schmal für den zu erwartenden zusätzlichen Verkehr. Ein schlüssiges Konzept für die Zukunft ist in diesem Bezirk - vor allem für die Radfahrer - in den nächsten Jahren sowieso nicht zu erwarten. Der Schutz der Anwohner vor zusätzlichem Verkehr geht vor und muss nicht zwingend mit dem Radverkehr verknüpft werden.
Es bleibt natürlich neben all diesen Überlegungen das Ärgernis, dass die zugesagte Zufahrt vom Sachsendamm her vermutlich nie zustande kommen wird - ein weiteres Versprechen, dass der Bezirk nicht einfordert; ein weiteres Versprechen, auf dass Investor Müller pfeifen kann.
Auf der linken Seite findet ihr eine Abstimmung, dass die genannten Punkte auflistet - ich bin gespannt auf das Ergebnis!

Mittwoch, 20. April 2011

Nachbar Jauch

Quelle: ddp / Henning Kaiser
Das war gestern eine faustdicke Überraschung, was auf diversen Seiten zu lesen war: Ich meine nicht, dass der Zuschauerliebling unter die Winzer gegangen ist, nein: Günther Jauch zieht in den Gasometer. Nicht persönlich, aber mit seiner neuen Politiktalkshow, die ab September auf dem Sendeplatz von Anne Will am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlt wird. Das Zentrum des allmählich völlig unübersichtlichen Talkshow-Zirkus soll also zukünftig ausgerechnet auf der Roten Insel stattfinden. Zugegeben, Investor Müller ist damit ein ziemlicher Coup gelungen, die mediale Aufmerksamkeit dürfte unbezahlbar sein, vermutlich ist die Miete für das Jauch-Team auch entsprechend niedrig angesetzt worden. Was allerdings ein Fernsehstudio mit dem ursprünglichen "Energie-Forum" zu tun haben soll, bleibt die Frage. Eine monothematische Sendung zum Thema Energieversorgung ist wohl nicht zu erwarten. Das Statement von Baustadtrat Krömer, es handele sich um die "erste CO2-neutrale Politik-Talksendung" ist hoffentlich als verspäteter Aprilscherz zu verstehen. Der freut sich jedenfalls wie ein Osterhase und schwadroniert weiter von einer "tragfähigen städtebaulichen Entwicklung" des Geländes. Angeblich soll jetzt am 5. Mai die Sanierung des Gasometers starten, wozu seit weit über einem halben Jahr ein Teilsegment publikumswirksam eingerüstet wurde, fragt sich der Laie allerdings. Zumindest die fragwürdigen Deals zwischen Bezirk und Müller und der Zustand des Gasometers werden jetzt noch genauer im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Die Insulaner werden jedenfalls nicht zulassen, dass es ihrem Gasometer geht wie einst der blauen Kugel am Breitscheidplatz, aus der einst Sabine Christiansen sendete: Die wurde inzwischen abgerissen.
Was diese Entwicklung für die Insel bedeutet, bleibt abzuwarten. Wichtig erscheint es allerdings, dass die Torgauer Straße schnellstmöglich gesperrt wird und die Anwohner gegen Lärm geschützt werden.