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Freitag, 12. September 2014

Brücke ohne Anschluss

Nutzlos: neue Brücke am Bahnhof Schöneberg
Die gute Nachricht: Die Anwohner am Südring in Wilmersdorf, Schöneberg und Tempelhof werden nicht mit zusätzlichem Lärm durch Güterzüge und eventuelle Leerfahrten von Fernzügen belastet. 

Die schlechte Nachricht: Millionen Euro wurden durch die Deutsche Bahn in den Sand gesetzt. Für die Reaktivierung der Gütergleise des südlichen Innenrings wurde eine Brücke am Bahnhof Schöneberg aufwendig neu eingesetzt, die Bauarbeiten führten monatelang zu Sperrungen der S1, Schienenersatzverkehr und genervten Fahrgästen - das alles wurde, wie sich jetzt herausgestellt, ohne jeden Sinn und Verstand durchgeführt. Die Bahn hat sich nämlich dazu entschlossen, die Reaktivierung nicht weiter zu verfolgen, wie aus einem kurzen Satz in einer Mitteilung des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg und einer Stellungnahme der SPD-Fraktion der BVV hervorgeht. Hinzu kommen noch etliche Investitionen für Vorleistungen am Bahnhof Südkreuz bei dessen Bau, die ebenfalls völlig sinnfrei verplempert, verpulvert und verjuxt wurden. 

Im Dezember erfolgt übrigens die jährliche Fahrpreiserhöhung.

Dienstag, 17. September 2013

Der erste Bahnhof Schöneberg

Bahnhof Schöneberg um 1913. Copyright:
Museen Tempelhof-Schöneberg von Berlin/Archiv
Seit etwas mehr als fünf Jahren halten die S-Bahnen wieder im Herzen Schönebergs, am, -vorsichtig formuliert - eher schlichten Bahnhof mit dem heutigen Namen "Julius-Leber-Brücke" - nach fast 65 Jahren Pause. Weitere 61 Jahre vor der Schließung 1942, am 15. Oktober 1881, begann die bewegende Geschichte dieses Bahnhofs, zunächst mit einem einfachen Seitenbahnsteig mit dem Namen Neu-Schöneberg; damals noch weitgehend ohne Bebauung in der Nachbarschaft, quasi auf freiem Feld. Die Ringbahnzüge auf dem Weg über die sogenannte Ringbahnspitzkehre (auf dem Gelände des heutigen Cheruskerparks) auf dem Weg zum Potsdamer Bahnhof in Berlin konnten hier einen Zwischenstopp einlegen. Nur zehn Jahre später wurde der Bahnhof ein erstes Mal umgebaut; Grund war der zunehmende Personenverkehr, der den Bau der neuen Wannseebahn erforderlich machte. Dem Bahnhof wurde das "Neu" aus dem Namen gestrichen, erhielt einen Mittelbahnsteig sowie ein ordentliches, geklinkertes Empfangsgebäude inklusive eines "Gewächshausgangs" zum Bahnsteig. 
Bahnhof Schöneberg um 1888. Copyright:
Museen Tempelhof-Schöneberg von Berlin/Archiv
1932 gab die Station ihren Namen zugunsten des neu errichteten Kreuzungsbahnhofs an der Dominicusstraße (damals Mühlenstraße) ab und trug fortan den Namen "Kolonnenstraße". 1937 begannen erneute Umbauarbeiten; geplant war eine größere Umsteigestation zwischen Ring- und Wannseebahn, deren Züge wegen Platzmangels unter der damaligen Sedanbrücke am Bahnhof Großgörschenstraße hielten (wiederum nicht zu verwechseln mit dem heutigen S-Bahnhof Yorckstraße/Großgörschenstraße, hierzu mehr in einigen Wochen). Das Empfangsgebäude wurde abgerissen und der Südteil der Brücke umgebaut. Wenig später stoppten die Arbeiten; die Nazis hatten sich zwischenzeitlich überlegt, Berlin in die Welthauptstadt Germania umbauen zu wollen. Die vorhandenen Pläne waren somit zu poplig und wurden auf Eis gelegt; der Bahnhof Kolonnenstraße erhielt einen provisorischen Pavillion und eine Holztreppe. Berliner Provisorien für größenwahnsinnige Pläne - so beliebt einst wie heute, ohne die politischen System gleichsetzten zu wollen!
1944 wurde der Verkehr aufgrund der Kriegszerstörungen eingestellt und der Bahnhof Kolonnenstraße fiel in seinen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf, wurde von der Natur überwuchert, verschwand aber nie vollkommen aus dem Gedächtnis..
Der heutige S-Bahnhof J.-Leber-Brücke
1984 wurde der S-Bahnverkehr von der DDR-Reichsbahn an die West-Berliner BVG abgegeben und somit wurden erste Planungen zum Wiederaufbau der Station an der Brücke angestellt, die jetzt den Namen Julius Lebers trug. Auch damals gab es größenwahnsinnige Überlegungen: Um prima Platz für die Westtangente und den Autoverkehr zu schaffen, sollte die Anhalter Bahn verschwenkt und teilweise unterirdisch unter der Roten Insel hindurch zu einem Umsteigebahnhof Kolonnenstraße geführt werden. Dieser Plan verschwand bekanntermaßen wieder in der Schublade. Wie alle anderen Pläne, auch das ein bekanntes Berliner Phänomen. 2004 startete ein neuer Versuch, und tatsächlich - am 2. Mai 2008 wurde der neue Bahnhof Julius-Leber-Brücke in Betrieb genommen. Freilich als unfertiges Provisorium mit zwei Seitenbahnsteigen und inzwischen insgesamt vier Aufgängen zu beiden Seiten der Brücke. Nach weiteren fünf Jahren wurde dann auch die letzte Bushaltestelle vor die Eingänge verlegt, so dass der Bahnhof jetzt als komplett anzusehen ist.
Von der  Leberstraße (damals Sedanstr.)
aus gesehen um 1910. Copyright: Museen
Tempelhof-Schöneberg von Berlin/Archiv
Allerdings gibt es weitere Pläne mit der Station. Der östliche Bahnsteig könnte eines fernen Tages zum Inselbahnsteig werden und ein Gleis der dann neuen Cheruskerkurve aufnehmen, die teilweise in Tunnellage wieder eine Verbindung von der Ringbahn zur Berlin-Potsdamer- bzw. zur Wannseebahn herstellen soll und ein Teil des Cheruskerparks unbenutzbar machen würde. Diese Pläne firmieren unter dem Namen "S21" und sind sehr entfernte Zukunftsmusik.
Bis dahin zeugen noch die letzten, überwucherten Bahnsteigreste des ehemaligen Bahnhofs Kolonnenstraße von der Vergangenheit dieses Orts.

Mittwoch, 1. September 2010

Weitere Wunschträume

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung / bünck + fehse
Realität am Südi
Die Schöneberger Linse gehört zwar nicht zur Insel, grenzt aber unmittelbar an sie an und ist daher auch für die Insel-Bewohner von Interesse. Nun wurde für das Gebiet zwischen den Bahnhöfen Schöneberg und Südkreuz, Ring- und Autobahn ein weiteres "Konzept" entworfen mit schönen bunten Bildern. 200.000 Euro wurden dafür ausgegeben. Die Frage stellt sich aber unmittelbar: Wofür eigentlich? Ein Blick auf die Homepage der "Interessengemeinschaft Berlin Südkreuz" verdeutlicht, dass sämtliche großspurige Planungen für das Gebiet bislang ein Schlag ins Wasser waren. Von den Bebauungsplänen der 20er Jahre, über Speers Germania-Pläne, die Westtangentenplanungen bis zu den Konzepten der letzten Jahre ist alles bislang gescheitert. Was eigentlich neu sein soll im Vergleich zu den Plänen, die vor sechs Jahren präsentiert wurden, bleibt schleierhaft. Munter wird von Tagungszentren mit Hotel, einem 60 bis 80 Meter hohen weiteren Hotel sowie Wohnbebauung fabuliert. Zusammen mit den Plänen auf dem GASAG-Gelände werden also demnächst mindestens drei Hotels das Gebiet bereichern. Deutlicher kann man die Realitätsbezogenheit der sogenannten Stadtentwickler gar nicht beschreiben. Warum nicht aktuelle Diskussionen mit einbezogen wurden, nämlich die Diskussion um einen zweiten Standort des Zentralen Omnibusbahnhofs, die bei offensiver Werbung durch den Bezirk eventuell tatsächlich Chancen auf Realisierung hätten, kann nur mit unglaublicher Ideenlosigkeit erklärt werden. Aber jetzt gibts ja ein Konzept und ein Konzept ohne Hotels ist in Berlin bekanntlich kein wirkliches Konzept.