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Freitag, 30. August 2013

Wenig Neues - Stadtumbau Südkreuz

Kroll, Krüger, Klotz auf dem Podium
"Jedes Jahr dieselben Selbstdarsteller" raunte mir mein sichtlich erboster, etwas älterer Sitznachbar zu. Und ja, irgendwie und irgendwann beschlich mich das Gefühl, dass ich meine Zeit an einem milden Spätsommerabend besser hätte verbringen können als auf der gestrigen, alljährlichen Informationsveranstaltung zum Thema "Stadtumbau Südkreuz". Das Bezirksamt lud ein (gerüchteweise sind diese Abende unter dem Label "Bürgerbeteiligung" Voraussetzung, um die Fördermittel für die verschiedenen Projekte zu erhalten) und eine stattliche Zahl von interessierten Bürgern sowie Vertretern verschiedener Verbände versammelte sich im Willy-Brandt-Saal des Schöneberger Rathauses. Der Großteil ließ sich allerdings mit fortschreitender Zeit nicht fesseln und verließ nach und nach den Raum; mich beschlich das leise Gefühl, dass mein Sitznachbar mit seiner Meinung nicht alleine war. Allerdings gab es auch nicht wirklich viel Neues. Stadträtin Klotz (inklusive des obligatorischen alljährlichen Mikrofonausfalls) und Siegmund Kroll vom Stadtplanungsamt leiteten mit ihren üblichen Referaten ein (3,9 Millionen Euro stehen dieses Jahr zur Verfügung). Die anschließenden ersten Bürgernachfragen führten zum oben angesprochenen Kommentar und in der Tat, die Argumente, Personen und Antworten vom Podium sind zum größten Teil jedes Jahr die gleichen und führen zu einer gewissen Ermüdung. Ob vermutlich ironisch gemeinte Kommentare zur Beseitigung von Weltkriegs-Handgranaten auf der Bautzener Brache, deren Fund zu einer großflächigen Abtragung der Eisenbahnböschung führte (entweder wollte die Anwohnerin, die auch auf den letztjährigen Versammlungen mit ihren etwas längeren Beiträgen die Zuhörerschaft beglückte, damit suggerieren, dass die Beseitigung nur willkommenes Mittel zum Zwecke der Naturzerstörung war oder sie ist tatsächlich der Meinung, dass etwas Sprengstoff unter den Füßen spielender Kinder nicht schaden kann) oder Beiträge, in denen mit Fachbegriffen und BVV-Beschlussnmmern nur so um sich geschmissen wird, zu mehr Bürgerbeteiligung führen - ich habe meine Zweifel.  Für eine nette Einlage sorgte Michael Ickes von den BVV-Piraten, der sich etwas in Rage redete ob der vielen dargestellten Fakten, die seiner Meinung nach die anderen Anwesenden überfordern würden. Vor Aufregung schien er nach seinem Beitrag etwas die Orientierung im Saal verloren zu haben und tigerte sichtlich aufgeregt noch eine Zeit lang von einer Ecke zur anderen. Sachorientierte Beiträge gab es natürlich auch, etwas mehr hiervon und etwas weniger von der polemischen Sorte wären aber durchaus wünschenswert gewesen.
Die Podiums-Referate zu den verschiedenen Themen brachten allerdings auch nur wenig Neues oder Erhellendes zu Tage. Im Einzelnen:

Monumentenplatz: Frau Krokowski von der Grün GmbH fühlte sich sichtbar unwohl am Rednerpult und verzettelte sich in ihrem etwas längeren Vortrag zur Platzgestaltung zwischen Duden- und Monumentenstraße. Geplant ist hier: ein Spielplatz. Und "Kindergeburtstagstische", die einen "hohen Aufenthaltswert" garantieren (haben die anderen Bestandteile dann eigentlich einen niedrigen Aufenthaltswert?), für die sich Frau Krokowski sichtlich begeisterte. Zu einem Bild der im Bau befindlichen Rampe zur Monumentenstraße bemerkte sie noch: "sieht auf den Fotos schlimmer aus, als sie ist." Baubeginn und -abschluss soll 2014 sein.

Nord-Süd-Grünzug: Frau Boemans vom ausführenden Büro TDB erläuterte im wesentlichen den Baufortschritt auf der Bautzener Brache inklusive der schon erwähnten "Kampfmittelbeseitigung". Gebaut wird hier: ein Spielplatz. Natürlich war auch die Treppe zum Bautzener Platz wieder ein Streitthema, die nach Ansicht einzelner Anwohner breiter als 3,60 Meter ist, nach Frau Boemans Ansicht aber exakt 3,60 Meter misst. Die vereinzelt breiteren Stufen seien keine Stufen, sondern Bänke. Noch diesen Herbst soll dieser Abschnitt frei gegeben werden, der gesamte Grünzug bis zum Alfred-Lion-Steg bis 2015.

Torgauer Straße: Hier war Herr Buddatsch vom Büro Topos zuständig. Für die Erweiterung des Cheruskerparks und den Grünzug entlang der Ringbahn sind geplant: Spielplätze und Spielplatzerweiterungen. Für den Teil des Parks nördlich der Torgauer sei schon für diesen Herbst eine Freigabe geplant, was mir allerdings etwas sehr optimistisch erscheint, angesichts des noch nicht einmal ausgesähten Rasens. Dieses Teilstück soll übrigens in den hundefreien Teil des Cheruskerparks integriert und umzäunt werden, was von den offensichtlich hundelosen Besuchern mit Applaus quittiert wurde. Das Grundstück der Leberschen Kohlenhandlung wird weiterhin ausgespart. Ob hier ernsthaft eine Lösung angestrebt wird, oder diese Lücke dauerhaft bestehen bleibt, wurde nicht wirklich klar - Letzteres ist zu befürchten. Zumindest scheint der Abriss vom Tisch zu sein. Der Rückbau der westlichen Torgauer Straße werde für nächstes Jahr "angestrebt".

Grünzug Wannseebahn: Herr Franke vom Büro Seebauer verkündete im Großen und Ganzen lediglich, dass hier die Planung für den Grünzug von der Ebersstraße bis zur Yorckstraße mit Anbindung an den Gleisdreieck-Park ganz am Anfang stehe und er die Bürger einbinden wolle. Das sensible Thema "Crelleurwald" im Zusammenhang mit dem Luxus-Neubau im Crellekiez lässt vermutlich bei der Verwaltung sämtliche Alarmglocken schrillen; vielleicht gelingt bei diesen Planungen ausnahmsweise eine echte Bürgerbeteiligung, die diesen Namen auch verdient. Ein erster Ortstermin ist für den 19. September geplant, nach der Beschwerde einzelner Anwohner, dass der Normalbürger um 15 Uhr noch arbeiten würde, verschob Herr Franke den Termin unbürokratisch auf 18 Uhr. Der vier Meter breite Rad- und Fußgängerweg sei allerdings nicht verhandelbar.

Yorckplätze: Stadtrat Krüger fasste sich hier kurz, die Pläne zur Umgestaltung und Verengung der westlichen Yorckstraße vor den Brücken, um Eingänge zum Westpark und der Schöneberger Schleife zu schaffen, sind noch nicht weit fort geschritten; Abstimmungen mit dem Senat, der Bahn und Kreuzberg sind notwendig. Trotzdem sei ein Baubeginn für 2014 geplant, die Fertigstellung 2015. Die Nutzung der Yorckbrücken als Verbindung zwischen den Parks liegt übrigens in den Händen von Senat und Bahn - was auf einen eher zähen Prozess bis zur Sanierung Freigabe schließen lässt.

Tempelhofer Weg und Südkreuz: Diese Themen standen ebenfalls auf der Einladung bzw. wurden von Herrn Kroll als letzte Punkte auf der Tagesordnung angekündigt. Irritierte Nachfragen nach Beendigung der Referate mit dem Thema von Stadtrat Krüger entschuldigte Frau Klotz damit, dass hier wohl ein Missverständnis passiert sei. Teilnehmer, die extra für diesen Komplex zweieinhalb Stunden gewartet hatten, waren augenscheinlich nicht sehr amüsiert. Immerhin stellte sich Herr Kroll persönlich für Nachfragen zur Verfügung.

Samstag, 27. April 2013

Besuch im Flaschenhalspark


zukünftiger Flaschenhalspark

Yorckbrücke
Gute Idee - aber teilweise haarsträubend umgesetzt: Das ist der Eindruck, den eine Begehung durch die Grün Berlin GmbH des im Bau befindlichen Flaschenhalsparks - benannt nach seiner Form - ergab. Zur Orientierung: Das ehemalige Bahngelände befindet sich zwischen Yorckstraße und Monumentenstraße und soll den östlichen Gleisdreieckpark mit dem Nord-Süd-Grünzug und dem Naturpark Südgelände verbinden. Womit wir bereits beim größten Manko wären. Eine Verbindung gibt es nämlich zunächst gar nicht. Die ehemaligen Bahnbrücken über die Yorckstraße werden vermutlich noch über Jahre gesperrt bleiben, verhandelt über diese doch ausgerechnet der Berliner Senat mit der Bahn über die Nutzung. Wem hier weniger Bürgerfreundlichkeit zugetraut wird, mag jeder selber entscheiden. Aber es kommt noch besser: Besucher der Parks haben die Wahl, über die Yorckstaße zwischen entlang rasenden Autos zu rennen oder bis zu den nächsten Ampeln an der Katzbach- oder Bautzenerstraße zu laufen/radeln. Ein Übergang ist nicht vorgesehen. Somit bleibt auch der Radfernweg Berlin-Leipzig Stückwerk, natürlich auf Schöneberger Gebiet, schließlich ist dieser Bezirk berühmt-berüchtigt für die fahrradfeindliche Verwaltung, auch unter Grüner Führung seit der letzten Wahl. Weiter südlich am Bahnhof Priesterweg, an dem ebendieser Radweg vorbeiführen soll, besteht schon seit Jahren eine weitere Lücke, deren Schließung von Jahr zu Jahr verschoben wird. Genau an der Grenze zu Steglitz in der Sembritzkistraße können Radler das Kopfsteinpflaster wieder verlassen und Fahrt aufnehmen.
erhaltene Ruinen
Aber zurück zum Park: Kritik gibt es auch an der Gestaltung des nördlichen Eingangsbereichs, der teilweise als Autobahnauffahrt bezeichnet wird. Umfangreiche Bodensanierungen an dieser Stelle (hier stand eine Fettgasanstalt) haben ein Großteil des zur Verfügung stehenden Geldes aufgebraucht, so dass auch auf den östlichen geplanten Weg verzichtet wird. Auch nicht gebaut wird ein Zugang über den sogenannten "Kreuzberger Balkon" von der Kreuzbergstraße aus. Erfreulich ist, dass auf dem übrigen Gelände bis auf den Wegebau relativ wenige Eingriffe in die bestehende Natur auf dem ehemaligen Bahngelände vorgenommen wird. Waldbereiche bleiben wie sie sind, auf der westlichen Seite wird ein größerer Trockenrasenbereich entstehen, auf dem sich wärmeliebende Pflanzen und Tiere ansiedeln sollen. Ob das alte Stellwerk gerettet werden kann, ist bedauerlicherweise unklar, für eine Sanierung fehlen hier auch die nötigen Gelder. Der südliche Zugang zur Monumentenstraße wird durch eine Rampe zu erreichen sein, die der private Bauherr des (auch umstrittenen) Bauprojekts "Am Lokdepot" demnächst errichten wird. Wie der platzartige Eingangsbereich gestaltet wird, ist noch weitgehend unklar.
Der Park soll noch dieses Jahr fertig gestellt werden, mit einer Eröffnung ist wohl erst im Frühsommer 2014 zu rechnen.
Übersicht Flaschenhalspark
"Autobahnauffahrten" zur Yorckstraße
auf unbestimmte Zeit geschlossen
Alte Gleisanlagen
Radweg - nach Leipzig (!)
Blick nach Norden 
Zukunft ungewiss: altes Stellwerk
Rennstrecke Yorckstraße