Mittwoch, 30. September 2009

Die Schöneberger Schleife - mehr Grün für die Insel


Im Rahmen des Stadtumbau-West-Projektes soll eine großzügige Vernetzung von Grünflächen zwischen Potsdamer Platz und Südgelände entstehen. Profitieren werden davon Radfahrer, Skater, Spaziergänger und nicht zuletzt die Bewohner der Roten Insel. Theoretisch soll der Grünzug eines Tages von Pankow bis zum Fläming Skate reichen, aber vielleicht sollte man sich erst einmal auf die Realisierung im Berliner Raum konzentrieren, denn hier hakt es bereits genug. Der Weg führt durch den im Bau befindlichen Park am Gleisdreieck, wechselt an der Monumentenstraße die Seite der Bahntrasse und führt an dieser entlang zum Südkreuz. Der Leuthener Platz soll vergrößert werden und in seiner Verlängerung eine Brücke über den Bahngraben entstehen. Der Baubeginn für die Verbindung wird immer noch mit 2009 angegeben, aber diese Aussage darf wohl eher bezweifelt werden. Das Teilstück von der Brücke bis zum Bahnhof soll als erstes fertiggestellt werden, eingezwängt zwischen Bahngelände und einem gerade im Bau befindlichen "Großhandelsgebäude". Es ist kaum anzunehmen, dass der Weg unter diesen Voraussetzungen ein besonderes Schmuckstück wird. Vom Bahnhof aus soll eine Verbindung entlang der Torgauer Straße zum schon bestehenden Cheruskerpark entstehen. Die Baracken am Bahndamm sollen zugunsten eines Grünzuges abgerissen werden. Aber auch hier gibt es Schwierigkeiten: Das Bezirksamt hat es versäumt, die Grundstücke von einer Bahntochter rechtzeitig aufzukaufen. Diese hat sie kurzerhand an Privatpersonen veräußert, mit denen jetzt neu verhandelt werden muss. Die Torgauer Straße selbst soll übrigens zur Fahrradstraße werden, wie auch die Cheruskerstraße. Im Wannseebahngraben wird die Schleife schließlich wieder nach Norden geführt. Dass die Pläne zum Teil schon uralt sind, kann an der Langenscheidt-Brücke begutachtet werden. Die zugewucherten Treppenanlagen wurden schon vor einer halben Ewigkeit für eine Grünanlage im Bahngraben angelegt. Vielleicht werden sie in ein paar Jahren doch noch ihren Zweck erfüllen. Ob allerdings schon 2014 alles fertig ist, wie derzeit verlautbart wird, glauben wohl eher nur Berufsoptimisten.

Montag, 28. September 2009

Die Insel wählt nicht oder Grün


Die Bundestagswahl ist gelaufen, Merkel bleibt, Westerwelle kommt. So weit, so schlecht. Der Wahlkreis 082 Tempelhof-Schöneberg wird zukünftig von Jan-Marco Luczak (Dr.) von der CDU vertreten, der mit 32,4 % und 6,1% Vorsprung vor Renate Künast als Gewinner hervorging. An der Insel lag dieses Ergebnis gewiss nicht. Erschreckend ist zunächst die Wahlbeteiligung in unserem Kiez: Gerade knapp über die Hälfte der Wahlberechtigten machte seine Kreuzchen. Bezogen auf die Erststimmen erreichten die Grünen etwa 43%, die SPD 24%, CDU und Linke 13% (jeweils) und die FDP 4%. In den nächsten Tagen werde ich noch eine genauere Analyse nachreichen, auch mit dem Zweitstimmenergebnis. Jetzt schon wage ich zu behaupten, dass dieses Ergebnis auch mit der Gasometerplanung zusammenhängt, die komplett an der Bevölkerung vorbei durchgepeitscht wurde. Die Grünen waren bei diesem (Insel-)Thema die einzige Partei, die sich als wahre Volksvertreter herausstellten. Immerhin hatte sich Lars Oberg als Abgeordnetenhausmitglied zuletzt von dem Projekt distanziert. Von Mechthild Rawert als SPD-Kandidatin musste man jedoch zuletzt in einem Interview wieder lesen, dass das Vorhaben eine tolle Sache sei, von der die "Bewohner profitieren werden". Man fragt sich, wie weit sich die "Volksvertreter" von ihren Wählern entfernen müssen, um solche Aussagen zu tätigen.

Sonntag, 20. September 2009

Der Pferdebusbahnhof in der Monumentenstraße


Es ist kaum bekannt, was das Gelände hinter der Toreinfahrt des Hauses in der Monumentenstraße 33/34 für eine Geschichte aufzuweisen hat. Der Gewerbehof, der zum Matthäus-Friedhof angrenzt, beherbergte einst einen Pferdeomnibusbahnhof. Links und rechts entlang des großen Grundstücks befinden sich noch heute die alten Stallungen; auch die ehemalige Schmiede, der Beschlagschuppen und die Stellmacherei sind noch am Anfang des Hofs zu erkennen.
In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Gelände zunächst vom Fuhrunternehmer Johann Knauer bebaut. Es entstanden Stallungen für 46 Pferde. In einem Vertrag mit der Stadtgemeinde Schöneberg verpflichtete sich Knauer zur Reinhaltung aller Schöneberger Straßen; gerade in der damaligen Bauboomphase ein lohnendes Geschäft. Zur Jahrhundertwende zog der Unternehmer in den Tempelhofer Weg um, wo sein Betrieb noch bis 1985 existieren sollte. 1900 verkaufte Knauer das Grundstück in der Monumentenstraße an die "Neue Berliner Omnibus Aktiengesellschaft", die auf der Insel einen Neubau beantragte. Es wurden ein Stallgebäude, ein Pferde-Etagenstall mit darüber liegendem Futter- und Heuboden, die schon erwähnte Schmiede, die Stellmacherei und der Beschlagschuppen sowie eine Rampe, über die die Pferde in den ersten Stock gebracht wurden, errichtet. Auch diese Rampe lässt sich auf dem Bild erkennen, auch wenn es sich nicht mehr um das Original handelt. Das enorme Bevölkerungswachstum in Berlin und den Stadtrandgebieten erforderte entsprechende Verkehrsmittel - vor allem für die zahlreichen Berufspendler -, die zunächst rein privatwirtschaftlich organisiert wurden. Den Pferdeomnibussen war allerdings keine große Zukunft beschieden, erwies sich doch die Pferdeeisenbahn als das leistungsfähigere Verkehrsmittel. Bereits 1903 musste die "Neue Berliner" mit der finanzkräftigeren "Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktien-Gesellschaft" (ABOAG) zusammengehen. Das Grundstück wurde um einen weiteren Etagenstall erweitert und zum VIII. Depot der ABOAG. 1905 wurde das Vorderhaus gebaut, in dem auch Beschäftigte der Gesellschaft wohnten. Ab diesem Jahr begann auch die Motorisierung der Omnibusse; die letzte Fahrt eines Pferdeomnibusses fand 1923 statt und somit wurde auch das Depot in der Monumentenstraße aufgegeben. Die ABOAG ging übrigens 1929 in der BVG auf. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Grundstück von der milchverarbeitenden Victoriapark AG und dem Hofkunstschmied Paul Marcus genutzt, der sich einen internationalen Namen erarbeitete. Während des Krieges wurden die Produktionsstätten als "Rüstungsspezialbetrieb" eingestuft und in ihnen Zwangsarbeiter beschäftigt, die im Dachgeschoss des ehemaligen Pferdebahnhofs schlafen mussten. Ein Blick in den Hof der Monumentenstraße 33/34 lohnt sich nicht nur für die Freunde des Berliner Nahverkehrs!

Mittwoch, 16. September 2009

Gasometer-Sanierung: Vertrag gebrochen?


Vor über einem Jahr begann der offizielle Betrieb der Leuchtreklame am Gasometer. Aus der Presse konnte man erfahren, dass der Vertrag mit dem Bauamt vorsah, dass spätestens neun Monate nach Werbestart mit der Sanierung des Baudenkmals begonnen werden sollte. Die Einnahmen der Werbetafel sollten dafür verwendet werden. Demnach kann zudem drei Monate nach Ablauf der Neunmonatsfrist die Betriebsgenehmigung entzogen werden. Nun sind bereits zwölf Monate verstrichen, die Werbetafel hat sich als Flop herausgestellt und sendet vor allem bunte Bilderchen und von der Sanierung wird nicht gesprochen. Die Euref feiert lediglich die Errichtung eines Party-Zelts, von Baumaßnahmen am Gasometer selber kann nicht berichtet werden. Der erste wirkliche Lackmustest über die Seriosität des Investors Müller ist somit negativ ausgefallen. Wenn das Bezirksamt sich nicht eindeutig positioniert und einschreitet, also die Betriebsgenehmigung entzieht, werden die Bedenken und der Unmut der Bevölkerung der Insel weiter wachsen.

Dienstag, 15. September 2009

Zoff um Cheruskerpark

Im Zusammenhang mit der Erweiterung des Cheruskerparks um die GASAG-Nordspitze gibt es Zoff. Ein Teil des bestehenden Parks wurde abgesperrt, Sträucher und kleinere Bäume wurden gerodet. Wie immer bei solchen Maßnahmen regt sich sogleich der Bürgerprotest, nachzulesen im Forum der BI Gasometer. Auch der Glöckner widmet sich diesem Thema gewohnt leidenschaftlich. Die Vorwürfe schießen aber deutlich über das Ziel hinaus, wenn von Naturzerstörung die Rede ist. Natürlich bietet sich ein momentan trostloses Bild, es geht hier aber um die Anbindung des etwa 2,5 Meter tiefer liegenden Geländes und um die Schaffung neuer Wegeverbindungen. Die Pläne sind zudem für alle Anwohner seit langem einsehbar, Protest hätte sich also auch vorher schon erheben können. Öffentliche Parks werden gestaltet und bedeuten nicht Wildwuchs ohne Pflege und Eingriffe in die Natur. Wer ursprüngliche Natur haben möchte, muss zudem nicht lange suchen, der Naturpark Südgelände liegt fast nebenan.
Problematischer wird es gerade bei mangelnder Pflege, wie am Bahnhof Südkreuz zu beobachten ist. Der BUND hat darauf aufmerksam gemacht, dass sich ein Teil der Neupflanzungen in einem sehr schlechten Zustand befindet oder zum Teil sogar schon abgestorben ist. Die Bahn hat zwar Verbesserungen und Neupflanzungen versprochen, aber die Verwahrlosung öffentlicher Bereiche und Grünflächen wird zu einem wachsenden Problem, das nicht wirklich neu ist. Als Bewohner der Insel kann man nur hoffen, dass es dem neu gestalteten Cheruskerpark nicht bald genauso geht.

Freitag, 11. September 2009

Oberg reagiert

Auf den hier veröffentlichten Artikel über das Wirken von Julius Leber in der Torgauer Straße hat es erfreulich schnell eine Reaktion vom SPD-Abgeordneten Lars Oberg gegeben. Zum Einen hat er mich darüber informiert, dass bereits im Sommer von der BVV ein Antrag beschlossen wurde, in dem das Bezirksamt aufgefordert wird, im Zuge der Umgestaltung der Torgauer Straße eine Gedenktafel anzubringen oder einen Gedenkort für den Widerstandskämpfer einzurichten. Das Bezirksamt ist gegenwärtig am Prüfen. Zum Anderen hat Oberg auf seiner Homepage einen Text veröffentlicht, in dem er einen Ideenwettbewerb für alle Schöneberger vorschlägt, um eine angemessene Form des Gedenkens zu finden. Vielleicht lassen sich - wie schon angeregt - die historischen Baracken in irgendeiner Form nutzen? Es wäre erfreulich, wenn hier ein Stein ins Rollen gekommen ist.

Donnerstag, 10. September 2009

Blaue Noten aus der Gotenstraße - Alfred Lion

Die Insel hat nicht nur Marlene Dietrich als "ihr" Kind zu bieten. Auf einen Sohn findet sich aber kein Hinweis (im Gegensatz zur Leberstraße 65 mit gleich zwei Gedenktafeln für die Dietrich): Auch das Geburtshaus von Alfred Lion in der Gotenstraße 7 befindet sich im Schöneberger Kiez. Als Alfred Loew oder Löw wurde er vor hundert Jahren am 21. April 1909 geboren. Schon als Jugendlicher verlor er sein Herz an den Jazz; sein "Erweckungserlebnis" hatte er 1925 im Admiralspalast, in dem Sam Wooding & The Chocolate Kiddies aus den USA auftraten. Mit der Machtergreifung der Nazis 1933 wurde Jazz als "Niggermusik" verunglimpft und war unerwünscht. Lion sah als Jude keine Zukunft in Nazi-Deutschland und emigrierte rechtzeitig 1936 in die USA. Wenige Jahre später folgte sein Freund Francis Wolff und gemeinsam gründeten sie 1939 das Label Blue Note Records. Die Liste der Künstler von Blue Note liest sich wie ein who-is-who des Jazz: Art Blakey, Horace Silver, Ike Quebec, Cannonball Adderley, Herbie Hancock, Grant Green, George Benson, John Coltrane, Duke Pearson, Bobby Hutcherson, Lonnie Smith, Blue Mitchell, Joe Henderson, Thelonius Monk, Bud Powell, Dexter Gordon, Freddie Hubbard, Miles Davis, Ornette Coleman, Freddie Roach, Jimmy Smith oder Lou Donaldson - Alfred Lion hatte sie alle unter Vertrag. Dass die schwarzen Künstler auf den Platten-Covern abgebildet wurden, war ein Novum im Alltagsrassismus in den USA. "The Lion & The Wolff" setzten zu Promotiosnszwecken auf kostengünstige Singles, die durch Radio und Jukebox populär wurden.
Den Künstlern wurden Freiheiten gewährt, von denen Musiker heutzutage nur träumen können. Die einzige Anweisung von Lion lautete: "It must swing!" Ansonsten war alles möglich. 1966 verkaufte Alfred Lion seine Firma an Liberty und verstarb 1987 in New York, übrigens ohne je ein Instrument gespielt zu haben. Er hat eine ganze Musikrichtung geprägt und mitgestaltet. Es wird Zeit, an Alfred Lion in der Gotenstraße 7 zu erinnern.

Sonntag, 6. September 2009

Noch 'ne Baustelle

Seit ein paar Wochen ist die Julius-Leber-Brücke einseitig gesperrt. Laut Baustellenschild der DB wird eine "Belagserneuerung mit Umbau der Gehwegkappe Südseite sowie Verkehrsführungskonzept" durchgeführt. Man kann wohl davon ausgehen, dass anschließend endlich die Bushaltestellen an die Eingänge des S-Bahnhofs verlegt werden. Schön wären übrigens auch einige zusätzliche Fahrradständer! Fertig solls am 15. März 2010 werden.
Seit wenigen Tagen hat zudem ein Obstladen neben dem Bahnhof im ehemaligen Brücken-Imbiss eröffnet.

Samstag, 5. September 2009

Neues von den Bauarbeiten an der Naumannstraße


Inzwischen habe ich Neuigkeiten erfahren können, was neben der "Neuen Naumannstraße" bzw. Wilhelm-Kabus-Straße für Gebäude errichtet werden. Auf der Homepage der ausführenden Baufirma Finsterwalder Bau-Union, deren Kran sich auf dem Gelände dreht, sind unter "Aktuelle Projekte" Fotos von der Baustelle zu sehen und als Auftraggeber die "Iden System GmbH" genannt, bei der es sich um eine Firma handelt, die mit Spielwaren und Bürobedarf handelt. Vermutlich werden daher auf der Insel lediglich Lagerhallen und/oder Bürogebäude errichtet. Für den geplanten Grünzug entlang der Bahntrasse bleibt so natürlich nur sehr wenig Platz. Bleibt zu hoffen, dass nicht so hässliche Klötze entstehen, wie sie die Iden-GmbH bereits besitzt.

Mittwoch, 2. September 2009

Der Kohlenhändler Julius Leber


Hervorgerufen durch zahlreiche "TV-Events" und "Blockbuster" ist es in den letzten Jahren Mode geworden, vor allem dem Widerstand von Mitgliedern der Reichswehr unter dem Stichwort "20. Juli" zu gedenken. Dabei wird meistens ausgeblendet, dass es sich bei den Verschwörern um eine reaktionäre Truppe handelte, die eine autoritäre Militärdiktatur errichten und den Krieg fortsetzen wollte; ein demokratisches System wäre Stauffenberg und Co. nicht in den Sinn gekommen. Dass es Widerstandskämpfer gab, die sich der Diktatur von Beginn an entgegenstellten und nicht erst, als die militärische Niederlage drohte, wird dabei gerne vergessen. Ein solcher Mann war Julius Leber. Der Sozialdemokrat war von 1924 bis 1933 Reichstagsabgeordneter. In der Nacht nach der Machtergreifung, am 1. Februar 1933, stach sein Reichsbanner-Wachmann einen SA-Sturmmann nieder. Leber wurde als "geistiger Urheber" der Tat unter Missachtung seiner Immunität zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Doch auch nach der Strafe wurde er von 1935 bis 1937 in den Konzentrationslagern Esterwegen und Sachsenhausen festgehalten. Nach seiner Freilassung konnte Leber in der Kohlenhandlung B. Meyer und Co., in die sich seine Frau eingekauft hatte, arbeiten. Die Baracken, die heute noch in der Torgauer Straße zu sehen sind, dienten ihm als konspirativer Treffpunkt mit Mitgliedern des Widerstands, unter ihnen der Kraisauer Kreis oder die Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation. So hatte er auch Kontakte zu dem Verschwörerkreis um Stauffenberg, in dessen Plänen für die Zeit nach dem Umsturz er als Innenminister vorgesehen war, Graf von der Schulenburg sah ihn sogar als Reichskanzler. Der spätere erste Bundespräsident Theodor Heuss war ebenfalls Gast bei Juilus Leber und schrieb in seinen Memoiren: "Die zwei kleinen Zimmer in dem fragwürdigen Häuschen, nahe dem Bahnhof Schöneberg, zwischen den Kohlebergen der Firma B. Meyer & Co. war eine rechte Verschwörerbude. Manchmal klingelte es an der äußeren Tür, und Leber musste dann wohl in den vorderen Raum, um einen Kunden zu vertrösten. Aber in der Hinterstube, auf verhockten Sesseln, hatte die politische Leidenschaft ihre Herberge, verachtender Hass und brennende Liebe." Bereits am 5. Juli 1944 wurde Leber von der Gestapo verhaftet und nach einem Schauprozess am Volksgerichtshof am 5. Januar 1945 in Plötzensee hingerichtet.
Auf den historischen Ort in der Torgauer Straße 24-26 findet sich bislang kein Hinweis; das Gelände der ehemaligen Kohlenhandlung, die bis in die siebziger Jahre bestand, wird heute von einem Autohändler genutzt. Geplant ist hier, einen Grünstreifen im Rahmen der "Schöneberger Schleife" anzulegen. Auf die Idee, einen Gedenkort einzurichten, eventuell dafür die Baracken zu erhalten und in die Anlage zu integrieren für Ausstellungen über den Widerstand, scheint noch niemand - bedauerlicherweise nicht einmal die SPD - gekommen zu sein. Der gerade eröffnete Geschichtsparcours Papestraße zeigt, wie man mit historischen Orten umgehen kann. Zumindest aber eine Gedenktafel sollte zukünftig im neuen Park zu sehen sein um so Julius Leber zu gedenken.

Dienstag, 1. September 2009

Buchtipp: "Die Rote Insel"


Wer sich für die Geschichte der Roten Insel interessiert, kommt an der gleichnamigen Publikation der Berliner Geschichtswerkstatt nicht vorbei. Letztes Jahr erschien endlich eine Neuauflage der wirklich tollen Arbeit, die 1989 erstmals veröffentlicht wurde. Auf 200 Seiten stehen Artikel zu den verschiedensten Themen, die auch vielen älteren Inselbewohnern noch unbekannt sein dürften. Von der Entstehungsgeschichte zur Jahrhundertwende über den Pferdebahnhof in der Monumentenstraße, der Englischen Gasanstalt, dem Kapp-Putsch sowie dem Widerstand in der Nazi-Zeit bis zu den Kahlschlagplanungen im Rahmen der Autobahnplanungen in den Siebzigern wird ein breiter Bogen geschlagen. Zahlreiche Photografien (z. B. von den noch leeren Feldern jenseits der Hauptstraße) vermitteln anschaulich die Entwicklung des Gebiets von der Einöde zum Teil der Großstadt. Beziehen kann man das Buch direkt bei der Geschichtswerkstatt in der Goltzstraße 49 (geöffnet Mo-Fr 15-18 Uhr) für 12 Euro oder online über die Homepage des Vereins.