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Dienstag, 13. Oktober 2015

Ein Blick in den Naumannpark

Gut eingezäunt: der Naumannpark
Vor etwas über zwei Jahren hat Nicolas Berggruen das Gewerbegebiet an der Naumannstraße aufgekauft. Damals herrschte große Aufregung im Kiez, die Spekulationen schossen ins Kraut, was der Karstadt-Spekulant mit dem Gelände vorhabe, das er alsbald in „Naumannpark“ umbenannte.

Inzwischen hat sich der Staub gelegt, einige Veränderungen sind sichtbar – Zeit, sich das Gelände wieder einmal etwas näher anzusehen.
  
Die Mieter
Gleich neben dem Südkreuz – im entkernten und sanierten Haus 39 – ist eine 24-Stunden-Fitnesskette eingezogen, die momentan in ganz Deutschland stark expandiert, so soll auch eine Filiale im ehemaligen Hertie-Haus in der Hauptstraße eröffnet werden. Vielleicht etwas zu viel des Guten? Die Mucki-Bude teilt sich das Haus mit einer Firma, die sich auf den Verleih von Film-Equipment spezialisiert hat. Auffällig an diesem Gebäude: Wer vom Bahnhof kommt, muss erst einmal das Gelände umlaufen, um zum Eingang zu gelangen. Es würde wohl auch kundenfreundlicher gehen.

Hübsch hässlich:
die Beachvolleyball-Halle
Überhaupt: Zäune. Alles wurde eingezäunt und abgeschottet vom Wohngebiet, eine Integration ist offensichtlich nicht vorgesehen oder erwünscht. 

Auf dem restlichen Gelände haben sich ein paar alte Firmen halten können, trotz vermutlicher Mieterhöhungen. Der Weinhändler ist ebenso noch vorhanden wie die Umzugsfirma und ein paar KFZ-Betriebe. Einige Häuser wurden mehr, ein paar weniger saniert, die meisten haben aber zumindest neue Farbe bekommen. Zum Flanieren lädt der Weg zwischen den Industriebauten weiterhin nicht ein, aber immerhin im nördlichen Teil finden sich einige interessante Neuansiedlungen, darunter erstaunlich viele aus dem Fitness- oder Freizeitbereich. Die unglaublich hässliche Beachvolleyball-Halle hat hier ja schon Erwähnung gefunden (meinem Eindruck nach wird diese kaum genutzt und könnte ein Flop werden, ich komme allerdings auch nicht so häufig dort entlang), hinzu kommen eine Indoorgolf-Anlage, eine Kletter-Halle mit Außenbereich sowie eine weitere Fitness-Firma, die aber auch Physiotherapie anbietet. Auch recht sympathisch: eine Schlagzeug-Schule. Ein großer Verlust ist sicher der Wegzug des West-Alliierten-Museums, das konnte inzwischen aber immerhin in neuen Räumen am Olympiastadion wieder eröffnen.
Kletter-Parcours

Auch positiv ist zu sehen, dass immerhin 64 Atelier-Räume durch die GSE angeboten werden. Der Rest ist ein ziemlich bunter Mix aus Architekten, Handwerkern oder Leuten, die „was mit Medien“ machen. Es wurde einiges getan, es gibt aber noch einige Ecken, die nicht sehr einladend wirken und es wäre zu wünschen, dass sich der „Naumannpark“ etwas öffnen und weniger abschotten würde. Einige kleine Betriebe würden das sicher auch begrüßen, wenn sie dort überleben möchten.

Sonntag, 16. August 2015

Ein Weg ist nicht genug

Nein, das ist keine Autobahnauffahrt – links der neue Weg, rechts der alte
Die Wege des Bezirksamtes sind unergründlich, das weiß man ja in Schöneberg.  Und ab und zu schafft es sich zusätzliche Wege, die man auch nicht verstehen muss. So zum Beispiel am Bahnhof Südkreuz. Seit 2006, der Eröffnung des Bahnhofs, nutzen die Bewohner der Roten Insel den (auch heute noch) inoffiziellen Ausgang über den Parkplatz der Bundespolizei und spazieren gemütlich entlang der Zufahrt zur heutigen Wilhelm-Kabus-Straße. Ab und zu muss man etwas beiseite treten, wenn Einsatzwagen vorbei wollen, oder, was leider häufiger der Fall ist, illegale Autoparker, die die Blindheit von Polizei und Bahn ausnutzen.

Nun dachten sich Bezirk und Bahn offensichtlich: Ein Weg ist nicht genug! Der Eigentümer des "Naumannparks" (Nicola Berggruen) knappste von seinem Grundstück einen Streifen ab, der wurde jetzt asphaltiert, so dass nun zwei Wege parallel zum Bahnhof verlaufen – man fühlt sich ein wenig wie auf einer Autobahn. Nur dass der neue Weg im Sand der ungepflegten Wiese vor dem Beginn des Nord-Süd-Grünzugs endet, inklusive eines Bordsteins, den man als Radfahrer (oder auch Fußgänger) dort nicht erwartet. Im Gegenzug durfte der Naumannpark einen Durchgang an der Hertha-Block-Promenade schaffen, um seine Grundstücke besser zu erschließen.

Der Bordstein bleibt

Was das ganze soll? Warum der neue Platz nicht für dringend benötigte Fahrradständer genutzt wurde? Wir sind halt in Schöneberg! Immerhin sorgen einige LED-Leuchten auf dem Berggruen-Grundtück jetzt für indirektes Licht. Es ist etwas unwahrscheinlicher geworden, dass ich wie letzten Winter in den Kadaver einer Ratte stiefele.

Übrigens: Eine offizielle Eröffnung gab es diesmal überraschenderweise nicht durch unsere Stadträte. Vielleicht wäre das dann doch etwas zu peinlich gewesen.

Dienstag, 20. Mai 2014

Beachvolleyball bei Berggruen

Berggruens Beachvolleyball-Halle
Nein, das brauchen wir nicht auf der Insel: Zur Zeit errichtet Nicolas Berggruen auf seinem Naumannpark eine riesige Halle, direkt an der Naumannstraße, nördlich des Leutthener Platzes gelegen. Ein Anruf bei der zuständigen Grundstücks GmbH hat ergeben: Hier zieht eine Beachvolleyball-Halle ein. Dass das Gebilde nach Fertigstellung kein Schmuckstück wird, ist nicht schwer vorherzusagen, das Bild der Naumannstraße wird dadurch massiv beeinträchtigt, ob es zu Lärmbelästigungen kommen wird, muss man sehen. Was das mit der angekündigten Kreativwirtschaft zu tun hat - man weiß es nicht. 
Die nicht sehr freundliche Dame am Telefon betonte noch, dass alle Genehmigungen vorliegen würden und alles seine Richtigkeit hätte. Besser macht es das nicht und es ist noch Schlimmes für die Zukunft zu befürchten.

Dienstag, 10. September 2013

Gewerbegebiet Naumannstraße heißt jetzt Naumannpark

Statt Gewerbegebiet Naumannpark
Selten hatte ein Bericht auf dem RoteInsel-Blog so hohe Zugriffszahlen wie die Nachricht vor fast zwei Monaten über den Kauf des Gewerbegebiets Naumannstraße durch Nicolas Berggruen. Besorgte Nachbarn meldeten sich in den Kommentaren, die Spedition Kanitz muss demnach das Gelände ebenso räumen wie diverse Autoschrauber. Auf der anderen Seite wurden rund 1.100 qm an die Gesellschaft für gemeinnützige Stadtentwicklung (GSE) vermietet, die 27 Ateliers an Künstler zur Verfügung stellt. Nach und nach berichtete auch die Berliner Presse vom Kauf, dokumentierte die Sorgen der bisherigen Mieter und wies auch darauf hin, dass der bisherige Mietpreis von drei bis vier Euro pro Quadratmeter doch für Berlin ungewöhnlich niedrig war und somit die Mietsteigerungen von sechzig oder teilweise den Angaben nach hundert Prozent wieder relativiere. Stadträtin Klotz kam zu Wort, und vermeldete, dass für das Gebiet ausschließlich Gewerbebauten zugelassen seien und eine Wohnbebauung nicht möglich sei. Was allerdings dem Entwurf eines Masterplans des Bezirks aus dem Jahr 2006 widerspricht, der ausdrücklich auch Wohnbebauung vorsieht. 
80.000 qm Gelände gehören jetzt dem umstrittenen Karstadt-Investor - und er scheint Nägel mit Köpfen zu machen. Seit einer Woche prangt eine großflächige Plakatwerbung an der Naumann- Ecke Torgauer Straße, die etwas großspurig vom "Naumannpark" kündet. Auf der zugehörigen, professionell gestalteten Homepage - für die eine "Naumannstraße Grundstücks GmbH & Co KG" verantwortlich zeichnet -, werden Büros, Werkstätten, Frei- und Lagerflächen zur Miete feilgeboten. Sogar eine Vision wird hier verkündet, der Naumannpark verstehe sich als "urbaner Inkubator" und man treffe auf "kosmopolitische Zentralität". Oder so ähnlich. Zudem werden hippe junge Leute mit Wollmützen gezeigt, die über das Gelände flanieren.
Passend zum Thema hat der Gleisdreieck-Blog die Untersuchung der asum über Schöneberger Quartiere, für die  ein sogenannter "Milieuschutz" eingerichtet werden soll, veröffentlicht. Mit diesen Erhaltungssatzungen will der Bezirk der Gentrifizierung wenigstens ein wenig entgegensteuern. Eines der auffälligen Gebiete war auch die Rote Insel, trotzdem wird für sie zunächst vom Bezirk kein Milieuschutz angestrebt. Dabei war z.B. die Anzahl der Kaufverträge in den letzten Jahren hier besonders hoch; es ist zu befürchten, dass unser Kiez schlicht ignoriert wird. Die neueste Entwicklung mit dem Berggruen-Kauf konnte dabei noch nicht in die Untersuchung einfließen. Genannt wird hingegen der Veränderungsdruck durch die wesentliche Vergrößerung der Grünflächen und das Geschehen rund um den Gasometer. Keine Erwähnung finden die noch relativ neue S-Bahn-Station Julius-Leber-Brücke sowie das Südkreuz - das ja irgendwann einmal zum Flughafen-Bahnhof werden soll - sowie die Planungen von Senat und Bezirk für eine großflächige Bebauung auf der "Schöneberger Linse" südlich der Insel. Letzteres ist zwar noch besonders unkonkret, sollten die Pläne jedoch Kontur gewinnen, würde der Druck auf unseren Kiez enorm steigen. Von Westen durch die Euref, vom Osten durch Berggruen, vom Süden durch weitere Neubauten. Es liegt in der Hand des Bezirks hier rechtzeitig entgegen zu steuern und den Milieuschutz auf die Insel auszudehnen.
Die Washington Post berichtete jüngst über Schöneberg und dort stand zu lesen:
The discerning taste of Berlin’s young creative class seems to roam through the city like searchlights, vanquishing areas with affordable rentals. Right now, the spotlight illuminates Rote Insel, or Red Island.
Noch scheint diese Aussage deutlich übertrieben oder verfrüht. Und mir graut auch vor einer solchen Vision. Aber vielleicht sollte man sich den Artikel in fünf Jahren noch einmal genauer anschauen.