Posts mit dem Label Rio Reiser werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rio Reiser werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Was für den Herbst: St. Matthäus-Kirchhof


Die Tage werden wieder kürzer und dunkler, die morbiden Gedanken nehmen zu - es wird also wieder Zeit für Friedhofsbesuche. Einer der schönsten und interessantesten Friedhöfe Berlins ist - und das schreibe ich nicht nur aufgrund der lokalpatriotisch gefärbten Brille - der Alte St.-Matthäus-Kirchhof in der Großgörschenstraße. Er erstreckt sich bis zur Monumentenstraße und hat eine besonders reizvolle Lage, fällt das Gelände doch zum Berliner Urstromtal hin leicht ab - warum Schöneberg Schöneberg heißt, wird hier besonders deutlich.
Eingeweiht wurde der Friedhof 1856 und gehört zur St. Matthäusgemeinde, die im südlichen Tiergartenviertel beheimatet ist und bis 1945 als Geheimratsviertel bezeichnet wurde. 1938/39 wurde ein Teil der Gräber nach Stahnsdorf umgebettet, um Platz zu schaffen für die größenwahnsinnigen Pläne der "Welthauptstadt Germania". Ein Gedenkstein am ehemaligen Standort des Familienbegräbnisses der Langenscheidts zeugt von den umfangreichen Eingriffen.
Besonders sehenswert sind die an den Umfassungsmauern aufgereihten Erbbegräbnisstätten nach italienischem Vorbild des Campo Santo; seit Ende des letzten Jahrhunderts wird sich endlich ernsthaft bemüht, das Gesamtbild des Friedhofs durch Konservierungsmaßnahmen zu bewahren. Durch die Einwohnerstruktur der Kirchengemeinde finden sich besonders viele Künstlergräber. Die Namen der Bestatteten hier aufzuzähle, würde den Rahmen sprengen: Von Carl Bolle, Georg Büchmann ("Geflügelte Worte"), Ernst Curtius, Friedrich Drake, den Grimm-Brüdern, Alfred Messel, Adolf Diesterweg, Hedwig Dohm bis zu Rio Reiser. Man kann stundenlang über das Gelände streifen und immer wieder Neues und Interessantes entdecken - ein idealer Aufenthaltsort für die Herbsttage.

Donnerstag, 24. März 2011

Der König ist zurück

Ralph Christian Möbius, besser bekannt als Rio Reiser, ist zurück in seiner Geburtsstadt Berlin. Vor einigen Wochen wurde er umgebettet auf den Alten Sankt-Matthäus-Kirchhof am S-Bahnhof Yorckstraße. Sein Bruder musste den Hof in Fresenhagen aufgeben und verkaufen; somit musste auch Rios Grab verlegt werden. Auf dem Schöneberger Friedhof schließt sich nun der Kreis, der Sänger, Musiker, Komponist und Schauspieler ist nach Berlin zurückgekehrt. Das Grab an einem der Hauptwege des Friedhofs fällt auf: Zwei Leuchttürme und eine Krone flankieren den Grabstein, viele Blumen und persönliche Zettel von Fans wurden abgelegt.
Rio Reiser war einer der wichtigsten Musiker der 70er und 80er Jahre. Seine Band Ton, Steine, Scherben prägten das politische Bewusstsein West-Berlins wie keine andere. Unvergessen ist der "Rauch-Haus-Song", unvergessen das ganze Album "Keine Macht für Niemnad", das von seiner Aktualität nichts verloren hat. Mitte der 70er Jahre zogen die Scherben nach Fresenhagen und gründeten dort eine Art Wohngemeinschaft, um die sich bis heute viele Legenden ranken.
Den größten kommerziellen Erfolg hatte Rio als Solokünstler, vor allem mit dem "König von Deutschland" und "Junimond" 1985/86.
Rio Reiser starb am 20. August 1996.