In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Gelände zunächst vom Fuhrunternehmer Johann Knauer bebaut. Es entstanden Stallungen für 46 Pferde. In einem Vertrag mit der Stadtgemeinde Schöneberg verpflichtete sich Knauer zur Reinhaltung aller Schöneberger Straßen; gerade in der damaligen Bauboomphase ein lohnendes Geschäft. Zur Jahrhundertwende zog der Unternehmer in den Tempelhofer Weg um, wo sein Betrieb noch bis 1985 existieren sollte. 1900 verkaufte Knauer das Grundstück in der Monumentenstraße an die "Neue Berliner Omnibus Aktiengesellschaft", die auf der Insel einen Neubau beantragte. Es wurden ein Stallgebäude, ein Pferde-Etagenstall mit darüber liegendem Futter- und Heuboden, die schon erwähnte Schmiede, die Stellmacherei und der Beschlagschuppen sowie eine Rampe, über die die Pferde in den ersten Stock gebracht wurden, errichtet. Auch diese Rampe lässt sich auf dem Bild erkennen, auch wenn es sich nicht mehr um das Original handelt. Das enorme Bevölkerungswachstum in Berlin und den Stadtrandgebieten erforderte entsprechende Verkehrsmittel - vor allem für die zahlreichen Berufspendler -, die zunächst rein privatwirtschaftlich organisiert wurden. Den Pferdeomnibussen war allerdings keine große Zukunft beschieden, erwies sich doch die Pferdeeisenbahn als das leistungsfähigere Verkehrsmittel. Bereits 1903 musste die "Neue Berliner" mit der finanzkräftigeren "Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktien-Gesellschaft" (ABOAG) zusammengehen. Das Grundstück wurde um einen weiteren Etagenstall erweitert und zum VIII. Depot der ABOAG. 1905 wurde das Vorderhaus gebaut, in dem auch Beschäftigte der Gesellschaft wohnten. Ab diesem Jahr begann auch die Motorisierung der Omnibusse; die letzte Fahrt eines Pferdeomnibusses fand 1923 statt und somit wurde auch das Depot in der Monumentenstraße aufgegeben. Die ABOAG ging übrigens 1929 in der BVG auf. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Grundstück von der milchverarbeitenden Victoriapark AG und dem Hofkunstschmied Paul Marcus genutzt, der sich einen internationalen Namen erarbeitete. Während des Krieges wurden die Produktionsstätten als "Rüstungsspezialbetrieb" eingestuft und in ihnen Zwangsarbeiter beschäftigt, die im Dachgeschoss des ehemaligen Pferdebahnhofs schlafen mussten. Ein Blick in den Hof der Monumentenstraße 33/34 lohnt sich nicht nur für die Freunde des Berliner Nahverkehrs!
Posts mit dem Label Pferdebahnhof werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pferdebahnhof werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 20. September 2009
Der Pferdebusbahnhof in der Monumentenstraße
Es ist kaum bekannt, was das Gelände hinter der Toreinfahrt des Hauses in der Monumentenstraße 33/34 für eine Geschichte aufzuweisen hat. Der Gewerbehof, der zum Matthäus-Friedhof angrenzt, beherbergte einst einen Pferdeomnibusbahnhof. Links und rechts entlang des großen Grundstücks befinden sich noch heute die alten Stallungen; auch die ehemalige Schmiede, der Beschlagschuppen und die Stellmacherei sind noch am Anfang des Hofs zu erkennen.
In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Gelände zunächst vom Fuhrunternehmer Johann Knauer bebaut. Es entstanden Stallungen für 46 Pferde. In einem Vertrag mit der Stadtgemeinde Schöneberg verpflichtete sich Knauer zur Reinhaltung aller Schöneberger Straßen; gerade in der damaligen Bauboomphase ein lohnendes Geschäft. Zur Jahrhundertwende zog der Unternehmer in den Tempelhofer Weg um, wo sein Betrieb noch bis 1985 existieren sollte. 1900 verkaufte Knauer das Grundstück in der Monumentenstraße an die "Neue Berliner Omnibus Aktiengesellschaft", die auf der Insel einen Neubau beantragte. Es wurden ein Stallgebäude, ein Pferde-Etagenstall mit darüber liegendem Futter- und Heuboden, die schon erwähnte Schmiede, die Stellmacherei und der Beschlagschuppen sowie eine Rampe, über die die Pferde in den ersten Stock gebracht wurden, errichtet. Auch diese Rampe lässt sich auf dem Bild erkennen, auch wenn es sich nicht mehr um das Original handelt. Das enorme Bevölkerungswachstum in Berlin und den Stadtrandgebieten erforderte entsprechende Verkehrsmittel - vor allem für die zahlreichen Berufspendler -, die zunächst rein privatwirtschaftlich organisiert wurden. Den Pferdeomnibussen war allerdings keine große Zukunft beschieden, erwies sich doch die Pferdeeisenbahn als das leistungsfähigere Verkehrsmittel. Bereits 1903 musste die "Neue Berliner" mit der finanzkräftigeren "Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktien-Gesellschaft" (ABOAG) zusammengehen. Das Grundstück wurde um einen weiteren Etagenstall erweitert und zum VIII. Depot der ABOAG. 1905 wurde das Vorderhaus gebaut, in dem auch Beschäftigte der Gesellschaft wohnten. Ab diesem Jahr begann auch die Motorisierung der Omnibusse; die letzte Fahrt eines Pferdeomnibusses fand 1923 statt und somit wurde auch das Depot in der Monumentenstraße aufgegeben. Die ABOAG ging übrigens 1929 in der BVG auf. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Grundstück von der milchverarbeitenden Victoriapark AG und dem Hofkunstschmied Paul Marcus genutzt, der sich einen internationalen Namen erarbeitete. Während des Krieges wurden die Produktionsstätten als "Rüstungsspezialbetrieb" eingestuft und in ihnen Zwangsarbeiter beschäftigt, die im Dachgeschoss des ehemaligen Pferdebahnhofs schlafen mussten. Ein Blick in den Hof der Monumentenstraße 33/34 lohnt sich nicht nur für die Freunde des Berliner Nahverkehrs!
In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Gelände zunächst vom Fuhrunternehmer Johann Knauer bebaut. Es entstanden Stallungen für 46 Pferde. In einem Vertrag mit der Stadtgemeinde Schöneberg verpflichtete sich Knauer zur Reinhaltung aller Schöneberger Straßen; gerade in der damaligen Bauboomphase ein lohnendes Geschäft. Zur Jahrhundertwende zog der Unternehmer in den Tempelhofer Weg um, wo sein Betrieb noch bis 1985 existieren sollte. 1900 verkaufte Knauer das Grundstück in der Monumentenstraße an die "Neue Berliner Omnibus Aktiengesellschaft", die auf der Insel einen Neubau beantragte. Es wurden ein Stallgebäude, ein Pferde-Etagenstall mit darüber liegendem Futter- und Heuboden, die schon erwähnte Schmiede, die Stellmacherei und der Beschlagschuppen sowie eine Rampe, über die die Pferde in den ersten Stock gebracht wurden, errichtet. Auch diese Rampe lässt sich auf dem Bild erkennen, auch wenn es sich nicht mehr um das Original handelt. Das enorme Bevölkerungswachstum in Berlin und den Stadtrandgebieten erforderte entsprechende Verkehrsmittel - vor allem für die zahlreichen Berufspendler -, die zunächst rein privatwirtschaftlich organisiert wurden. Den Pferdeomnibussen war allerdings keine große Zukunft beschieden, erwies sich doch die Pferdeeisenbahn als das leistungsfähigere Verkehrsmittel. Bereits 1903 musste die "Neue Berliner" mit der finanzkräftigeren "Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktien-Gesellschaft" (ABOAG) zusammengehen. Das Grundstück wurde um einen weiteren Etagenstall erweitert und zum VIII. Depot der ABOAG. 1905 wurde das Vorderhaus gebaut, in dem auch Beschäftigte der Gesellschaft wohnten. Ab diesem Jahr begann auch die Motorisierung der Omnibusse; die letzte Fahrt eines Pferdeomnibusses fand 1923 statt und somit wurde auch das Depot in der Monumentenstraße aufgegeben. Die ABOAG ging übrigens 1929 in der BVG auf. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Grundstück von der milchverarbeitenden Victoriapark AG und dem Hofkunstschmied Paul Marcus genutzt, der sich einen internationalen Namen erarbeitete. Während des Krieges wurden die Produktionsstätten als "Rüstungsspezialbetrieb" eingestuft und in ihnen Zwangsarbeiter beschäftigt, die im Dachgeschoss des ehemaligen Pferdebahnhofs schlafen mussten. Ein Blick in den Hof der Monumentenstraße 33/34 lohnt sich nicht nur für die Freunde des Berliner Nahverkehrs!
Dienstag, 1. September 2009
Buchtipp: "Die Rote Insel"

Wer sich für die Geschichte der Roten Insel interessiert, kommt an der gleichnamigen Publikation der Berliner Geschichtswerkstatt nicht vorbei. Letztes Jahr erschien endlich eine Neuauflage der wirklich tollen Arbeit, die 1989 erstmals veröffentlicht wurde. Auf 200 Seiten stehen Artikel zu den verschiedensten Themen, die auch vielen älteren Inselbewohnern noch unbekannt sein dürften. Von der Entstehungsgeschichte zur Jahrhundertwende über den Pferdebahnhof in der Monumentenstraße, der Englischen Gasanstalt, dem Kapp-Putsch sowie dem Widerstand in der Nazi-Zeit bis zu den Kahlschlagplanungen im Rahmen der Autobahnplanungen in den Siebzigern wird ein breiter Bogen geschlagen. Zahlreiche Photografien (z. B. von den noch leeren Feldern jenseits der Hauptstraße) vermitteln anschaulich die Entwicklung des Gebiets von der Einöde zum Teil der Großstadt. Beziehen kann man das Buch direkt bei der Geschichtswerkstatt in der Goltzstraße 49 (geöffnet Mo-Fr 15-18 Uhr) für 12 Euro oder online über die Homepage des Vereins.
Abonnieren
Posts (Atom)